Satelliten-Sicherheitssystem für die Schifffahrt aus Bremen

Containerüberwachung aus dem All

Bremen. Die schwarze Box ist nicht größer als ein Schuhkarton. Gespickt mit Elektronik und außen versehen mit einem Ziffernfeld wie bei einem Geldautomaten. Eine Bremer Entwicklung, die nicht nur Raumfahrt und Schifffahrt zusammenbringt, sondern künftig Container vor Schmugglern schützen soll.
22.01.2010, 06:33
Lesedauer: 3 Min
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Von Krischan Förster

Bremen. Die schwarze Box ist nicht größer als ein Schuhkarton. Gespickt mit Elektronik und außen versehen mit einem Ziffernfeld wie bei einem Geldautomaten. Eine Bremer Entwicklung, die nicht nur Raumfahrt und Schifffahrt zusammenbringt, sondern künftig Container vor Terroristen, Dieben und Schmugglern schützen soll.

Das von einem Konsortium aus EADS-Astrium, Hellmann und Eurogate entwickelte satellitengestützte Überwachungssystem soll ab sofort weltweit verkauft werden. Die maritime Branche in Deutschland hofft damit, das von den USA geforderte Röntgen von Tausenden Containern in den Häfen vermeiden zu können.

Hellmann selbst ist der erste Kunde. 20 dieser Boxen hat das Logistikunternehmen zunächst angeschafft, um damit Seecontainer auszustatten. Noch sind alles teure Einzelstücke, handgefertigte Prototypen eben, aber das soll sich jetzt ändern. 'Sobald wir genügend Kunden gewinnen, können wir schnell zur Massenproduktion übergehen', sagt Frank Pohlemann, als Vizepräsident bei Astrium zuständig für die strategische Entwicklung des Bremer Raumfahrtunternehmens.

'SeCureSystem' heißt die patentierte Neuentwicklung, die bislang weltweit konkurrenzlos ist. Mit der schwarzen Box, die innen an der Containertür befestigt wird, werden Container elektronisch versiegelt und auf dem gesamten Transportweg via Satellit überwacht. Macht sich jemand unbefugt oder gewaltsam an der Ladung zu schaffen, leuchten auf den Monitoren im Kontrollzentrum rote Alarmlampen auf. 'Bremen zeigt damit all seine Kompetenz', lobte Wirtschaftssenator Ralf Nagel gestern die neue Technik.

Für das Projekt hatten sich Astrium (Raumfahrt), Eurogate (Hafenbetreiber) und der Logistiker Hellmann zu einem Konsortium zusammengeschlossen. Fünf Jahre haben die Entwicklungsarbeiten gedauert, die Ingenieure zahlten viel Lehrgeld. Vor allem bei den Testfahrten über den rauen Atlantik, als Antennen abbrachen, die Box aus ihrer Verankerung fiel oder die empfindliche Technik gleich ganz den Dienst quittierte.

Doch nun, sagt Projektleiter Wolfgang Busch, seien die Kinderkrankheiten behoben, 'wir können ein verlässliches und robustes System anbieten'. Die drei Unternehmen, die demnächst vermutlich eine gemeinsame Firma zur Vermarktung von 'SeCureSystem' gründen wollen, rechnen mit einer großen Nachfrage. 'Mehr Sicherheit im Warenverkehr ist weltweit ein großes Thema', sagt Pohlemann. Besonders in den USA.

Noch infolge der Terroranschläge vom 11. September 2001 sieht ein für 2012 geplantes Gesetz vor, dass jeder für die USA bestimmte Container vor Verlassen des Ausgangshafens geröntgt werden müsste. Das wären 20 Millionen Stahlboxen im Jahr, allein in Bremerhaven als wichtigstem Exporthafen Deutschlands werden 600000 Container per anno verschifft. Das Vorhaben betrachtet die hiesige Wirtschaft wegen der hohen Kosten von 400 bis 500 Euro pro Scanning und des deshalb befürchteten Kollapses in den Häfen mit großer Sorge. Auf der politischen Ebene, etwa bei einer eigens in Bremen einberufenen EU-Konferenz, ringt man seit Längerem um Alternativlösungen. Nun liegt eine technische Alternative vor.

'Wir glauben, dass sich dieses System durchsetzen wird', war gestern von allen Beteiligten zu hören. Nagel kündigte an, sich über Bund und EU für eine Akzeptanz von 'SeCureSystem' auch in den USA einsetzen zu wollen, wo Astrium nach eigenem Bekunden bereit ist, sich einen Partner aus der heimischen Industrie zu suchen. In einem ersten Schritt sollen die US-Behörden auf 'Testrouten' von der Praxistauglichkeit überzeugt werden. Astrium hofft sogar auf ein völlig neues Geschäftsfeld. Denn laut Vizepräsident Pohlemann geht es nicht nur um die Abwehr möglicher Terrorangriffe, sondern auch um eine Beschleunigung und Vereinfachung des Warenverkehrs. 'Wir schnüren ein richtiges Dienstleistungspaket zusammen.'

Die Box ist nicht nur eine elektronische Zugangskontrolle, sondern kann mit verschiedensten Sensoren bestückt werden, um zum Beispiel die Temperatur zu messen. So ließen sich Transporte von verderblichen Waren wie Obst oder Fleisch besser disponieren. Auch den unvermeidlichen Daten- und Dokumentenverkehr könne man elektronisch zusammenfassen. Für den Kunden soll die Beschaffung später einmal genauso einfach sein wie der Abschluss eines Handy-Vertrages.

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