Arbeit am Copernicus-Programm

Bremer Firmen erhalten 800 Millionen Euro für Satelliten-Projekt

Mit dem Copernicus-Programm will Europa wichtige Daten über die Erde sammeln. Die neuen Satelliten werden nun teilweise in Bremen gebaut.
04.07.2020, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Bremer Firmen erhalten 800 Millionen Euro für Satelliten-Projekt
Von Stefan Lakeband
Bremer Firmen erhalten 800 Millionen Euro für Satelliten-Projekt

Die Erde im Blick: Sentinel-3 beobachtet die Weltmeere und misst die Temperatur, Farbe und den Pegel der Meeresoberfläche.

P. Carril/Esa

Es war Nikolaus Kopernikus, der mit seiner Forschung im 16. Jahrhundert die Art, wie die Menschen auf die Welt blicken, grundlegend verändert hat. Die Erde? Nur ein Planet von vielen und ganz gewiss nicht der Mittelpunkt des Universums, um den sich alles andere dreht. Diese kopernikanische Wende war ein Meilenstein für die Astronomie.

Auch die Bremer Firma DSI Aerospace Technologie verdankt heute, etliche Jahrhunderte später, Kopernikus gewissermaßen einen eigenen Meilenstein. Das Unternehmen ist am Bau der nächsten Satelliten für ein Programm beteiligt, das nach dem europäischen Astronomen benannt wurde. Insgesamt sollen in den kommenden Jahren sechs weitere Copernicus-Satelliten entstehen, um damit die Erdbeobachtung weiter voranzutreiben. Welche Firmen daran beteiligt sind, das hat die europäische Weltraumbehörde Esa diese Woche verkündet.

30 Millionen schwerer Auftrag

Für DSI ist dieser Auftrag wichtig, sagt Geschäftsführer Elias Hashem. Er sei mehr als 30 Millionen Euro schwer und bedeute Arbeit für die nächsten drei bis fünf Jahre. „Corona hat uns zwar nicht stark getroffen“, sagt Hashem, „dass wir dieses große Projekt für die Esa machen können, bedeutet uns aber viel.“

Die Bremer sind keine Unbekannten in der Raumfahrtbranche: Sie haben schon an etlichen Sonden mitgebaut. Für die nun beauftragten Satelliten liefert DSI unter anderem Massenspeicher. „Das kann man sich wie einen USB-Stick für den Computer vorstellen – nur deutlich teurer“, sagt Hashem: Die Daten, die die Satelliten im All sammeln, müssen irgendwo gespeichert werden, bevor sie zur Erde übertragen werden. Diese Festplatten müssen besondere Anforderungen erfüllen. Denn neben extremen Temperaturen ist besonders die Strahlung im All ein großes Problem. Sie kann dafür sorgen, dass technische Komponenten ausfallen, wenn sie nicht entsprechend gesichert sind – und im schlimmsten Fall aus einem teuren Satelliten Weltraumschrott machen.

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Dementsprechend kostspielig sind auch die Speichermedien, die Hashem und seine Kollegen liefern: Sie kosten um die vier Millionen Euro pro Stück. Genau könne man das nicht sagen, denn für jeden Satelliten würden neue Komponenten gebaut – angepasst an die jeweiligen Bedürfnisse. Neben Speichermedien liefert DSI für die Copernicus-Satelliten auch die nötigen Bauteile, um die erfassten Daten zu verarbeiten und um die Instrumente der Satelliten zu steuern.

Das Copernicus-Programm ist neben dem Galileo-Navigationssystem ein Prestigeprojekt europäischer Raumfahrtpolitik. Initiiert wurde es 1998 von der Esa und der Europäischen Kommission. Sein Ziel: die Erde beobachten und unterschiedliche Daten sammeln: über die Ozean, die Landmasse, die Atmosphäre. Die Copernicus-Daten, so die Idee, sollen zeigen, in welchem Zustand sich die Welt befindet.

Daten von sieben Sentinel-Satelliten

2014 flog der erste Satellit für das Copernicus-Programm ins All. Er trägt den Namen Sentinel-1, zu deutsch: Wächter. Mittlerweile sammeln sieben Sentinels unterschiedliche Daten über die Erde. An einem war bereits ein anderes Bremer Raumfahrtunternehmen beteiligt: OHB. Für die nun vergebene Ausschreibung hatte sich das Familienunternehmen große Ziele gesetzt. „Wir möchten bei zwei von sechs möglichen neuen Missionen Systemführer werden“, sagte Vorstandschef Marco Fuchs im Frühjahr 2019 in einem Interview. Bei zwei weiteren Satelliten wolle man wichtige Arbeiten als Zulieferer übernehmen. Die Chancen waren gut: 2018 wurde OHB mit fünf Studien beauftragt, die untersuchen sollten, wie das Copernicus-Programm ausgebaut werden könnte.

Diese Erwartungen wurden nun nur teilweise erfüllt: Von den sechs ausgeschriebenen Satelliten-Missionen hat OHB nur eine als Hauptauftragnehmer und zwei als Unterauftragnehmer bekommen. Zwei Aufträge gingen an den Konkurrenten Airbus, drei an den französischen Thales-Konzern.

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Bei OHB ist man trotzdem zufrieden. Das Volumen des Auftrags liegt bei etwa 800 Millionen Euro. Und auch über dessen Inhalt ist man froh. OHB wurde für die Mission CO2M ausgewählt, die mithilfe von Infrarot-Instrumenten die Konzentration von Kohlendioxid, Methan und Stickstoffdioxid in der Atmosphäre messen soll. „Sie soll es ermöglichen, Regionen mit starkem Kohlendioxidausstoß zu entdecken sowie allgemein die Vereinbarungen des Klimaabkommens von Paris zu überwachen“, sagt OHB-Chef Marco Fuchs. Er nennt die Sentinel-Satelliten eine Art „Erkenntnisinfrastruktur“, die Politikern anhand von Daten eine Grundlage lieferten, um die richtigen Entscheidungen für die Klimapolitik zu treffen. Start der Mission soll in etwa fünf Jahren sein.

Bremer Entwicklungshilfe

In Bremen profitieren insgesamt vier Unternehmen von den Aufträgen. Neben DSI und OHB arbeiten auch Zarm Technik und EIS Electronics am Copernicus-Programm mit. Das sei auch eine Auszeichnung für die Stadt, findet Wirtschaftssenatorin Kristina Vogt (Linke). „Die gleich vierfache Beauftragung unterstreicht noch einmal mehr die Wichtigkeit Bremens als Raumfahrtstandort.“

Für Elias Hashem von DSI kommt ein Teil des Erfolgs auch von der Bremer Aufbaubank, die das Technologieunternehmen mit Fördergeldern unterstützt habe. So sei es möglich gewesen, einen Teil vorzuentwickeln, wodurch das Risiko für die Esa geringer geworden sei.

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