Schifffahrt

Corona bringt Reeder in Bedrängnis

Verband Deutscher Reeder warnt vor Problemen bei Tilgung von Schiffskrediten. Er kristisiert, dass immer mehr Häfen Restriktionen für Schiffsanläufe erlassen.
26.03.2020, 17:44
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Corona bringt Reeder in Bedrängnis
Von Peter Hanuschke

Hamburg. Die Ausbreitung des Coronavirus und die Folgen der Maßnahmen dagegen bereiten den deutschen Schifffahrtsunternehmen zunehmend teils enorme wirtschaftliche, aber auch organisatorische Probleme. Darauf weist der Verband Deutscher Reeder (VDR) hin. Von den Folgen seien insbesondere die Fährschifffahrt zu den deutschen Inseln in Nord- und Ostsee sowie die Kreuzschifffahrt betroffen.

„Andere Bereiche der Branche, etwa Container-Linien-, Bulker- oder Tanker-Verkehre, haben derzeit vor allem mit teils erheblichen logistischen Herausforderungen zu kämpfen, um ihre Transporte und damit die Versorgung unter anderem in Deutschland sicherzustellen“, sagte Alfred Hartmann, Präsident des VDR.

Für detaillierte wirtschaftliche Prognosen ist es aus Sicht des VDR noch zu früh – zumal sich die Lage weiterhin fast jeden Tag ändert. „Für einige Unternehmen wird allerdings schon jetzt absehbar die Tilgung von Schiffskrediten zum Problem werden“, sagte Hartmann und regte an: „Wir verstehen, dass Banken diese Zahlungen ihrerseits derzeit nicht ohne Weiteres aussetzen können. Es wäre deshalb sehr wichtig, schnell einen Mechanismus zu finden, etwa über die KfW, wie dies aufgefangen oder abgesichert werden könnte.“

Folgende Auswirkungen würden sich für die deutsche Seeschifffahrt darüber hinaus schon heute identifizieren lassen, so der VDR-Präsident: „Fährreedereien zu den Nord- und Ostfriesischen Inseln, aber auch zu den Ostseeinseln leiden erheblich unter den im Zuge der Corona-Krise verfügten staatlichen Beschränkungen.“ Die Verbindungen seien wegen fehlender Passagiere auf ein Minimum reduziert worden. Auch der Güterverkehr sei eingebrochen, da es kaum Nachfrage auf den Inseln gebe. Betroffene Unternehmen, deren Geschäft vergleichsweise personalintensiv sei, hätten weite Teile der Belegschaft in Kurzarbeit geschickt. Noch dramatischer stelle sich die Lage bei Ausflugsschiffen dar, deren Geschäft ganz ruhe, so Hartmann.

Die Auswirkungen des Covid-19 Virus auf die Kreuzschifffahrt schätzt der VDR ebenfalls als schwerwiegend ein. Weltweit liegen derzeit fast alle Kreuzfahrtschiffe vor Anker. Die wirtschaftlichen Folgen dürften sich vollständig aber erst in den Folgemonaten zeigen. „Es ist aber zu befürchten, dass das Ausmaß auch für einzelne Kreuzfahrtreedereien trotz guten Geschäfts in den vergangenen Jahren durchaus ernst sein kann.“

Demgegenüber wertete der VDR-Präsident mit Blick auf die internationale Handelsschifffahrt die Wiederaufnahme der Produktion von Exportgütern in China als grundsätzlich positives Zeichen, dass sich zumindest der besonders wichtige containerisierte Warenverkehr zwischen Asien und Europa wieder stabilisieren könnte. „Besonders für deutsche Unternehmen wird aber in den kommenden Wochen und Monaten sicher zu spüren sein, dass die Tonnagenachfrage bei der Vercharterung von Containerschiffen spürbar sinken wird. Noch stärker werden wahrscheinlich die Charterraten fallen – davon sind jedoch gerade deutsche Unternehmen vielfach abhängig. Viele Containerschiffe liegen zudem bereits auf, Tendenz steigend.“

Die weltweite Containerschifffahrt, aber auch die Bulker- und Tankschifffahrt etwa, hätten derzeit insbesondere mit enormen organisatorischen Herausforderungen zu kämpfen. „So erlassen immer mehr Häfen auf allen Kontinenten Restriktionen für Schiffsanläufe – darunter etwa eine 14-tägige Quarantäne auf Reede, bevor ein Schiff festmachen darf.“ Die nötigen Crew-Wechsel, um Seeleute an Bord nach teils monatelangem Einsatz auszutauschen, seien so erschwert worden, dass einzelne Reedereien darauf vorerst ganz verzichten. Allein dieses Problem betrifft 100 000 Seefahrer weltweit pro Monat.

Hartmann: „Deshalb möchte ich noch einmal unseren Seefahrern in diesen Zeiten besonders herzlich danken: Sie sorgen mit enormem Einsatz dafür, dass nicht zuletzt hier in Deutschland die Versorgung mit Gütern aller Art sichergestellt ist.“

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