Jobs bis 2030 gesichert

Daimler verschärft den Sparkurs

Corona hat den Autobauer noch tiefer in die Krise gestürzt, jetzt haben die Beschäftigten aber eine Sorge weniger: Ihre Jobs sind bis 2030 gesichert. Dafür spart der Konzern weiter.
28.07.2020, 20:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Nico Esch, Lisa Boekhoff und Stefan Lakeband
Daimler verschärft den Sparkurs

Um die Jobs der Angestellten zu sichern wurden Arbeitszeiten gekürzt und Prämien gestrichen.

Tom Weller / DPA

Auch für die Beschäftigten des Autobauers Daimler bringt die Corona-Krise nun finanzielle Einbußen mit sich – im Gegenzug bleiben aber ihre Jobs gesichert. Unternehmensleitung und Gesamtbetriebsrat hätten sich auf Eckpunkte zur Reduzierung der Personalkosten und zur Beschäftigungssicherung geeinigt, teilte Daimler am Dienstag mit. Wesentliche Punkte: Die Arbeitszeit wird reduziert, die Prämie gestrichen und das sogenannte tarifliche Zusatzgeld automatisch in freie Tage umgewandelt. Der Konzern reagiere damit auf die deutliche Verschärfung der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen durch die Corona-Pandemie.

Gesamtbetriebsratschef Michael Brecht sprach von einem „deutlichen Beitrag zur Sicherung der Beschäftigung und Stabilisierung unserer Finanzlage“. Niemand solle sich in seiner Existenz bedroht fühlen. „Mehr noch: Beschäftigung bei Daimler bleibt bis 2030 gesichert, und betriebsbedingte Kündigungen bleiben ausgeschlossen“, betonte Brecht. Der „Automobilwoche“ sagte er, man rede über ein Einsparvolumen von 450 Millionen Euro. Das sei ein Einmaleffekt, der einen zeitlichen Puffer verschaffe. „Das trägt für ein Jahr zur Entspannung bei, kann aber nicht die ganzen anstehenden Themen lösen“, sagte Brecht.

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Im Detail soll die Arbeitszeit der Beschäftigten in der Verwaltung und den sogenannten produktionsnahen Bereichen – zum Beispiel in der Logistik – in Deutschland von Oktober an in der Regel um zwei Stunden pro Woche gekürzt werden, für ein Jahr und ohne Lohnausgleich. Die Produktion bleibt hier außen vor. Die Beschäftigungssicherung bis 2030 begrüßt Elke Tönjes-Werner, stellvertretende Betriebsratsvorsitzende im Bremer Werk.

"Wir sind froh, dass betriebsbedingte Kündigungen damit vom Tisch sind", sagt sie und betont, dass trotz der Krise des Konzerns die Fertigung in der Hansestadt eine gute Perspektive habe. „Das ist etwas wert in dieser Zeit. Das ist ein richtiges Pfund", sagt auch Volker Stahmann von der IG Metall Bremen. Insgesamt sei er froh, dass Gesamtbetriebsrat und Unternehmen sich frühzeitig geeinigt hätten. „Jetzt gibt es einen Plan.“ Nicht zufrieden ist er mit der Entscheidung, dass auch die Mitarbeiter der Kantine in Bremen von der Kürzung betroffen seien. Dort gebe es bereits relativ wenig Einkommen.

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Für sämtliche Beschäftigten in Verwaltung und Produktion fällt zudem die Prämie für das Jahr 2020 weg. Die sogenannte Ergebnisbeteiligung wird stets im Frühjahr für das zurückliegende Jahr ausgezahlt. Wegen des schwachen Ergebnisses 2019 war sie in diesem Jahr allerdings schon deutlich niedriger ausgefallen als in den Vorjahren: Sie schrumpfte von fast 5000 Euro auf einige Hundert Euro.

Das sogenannte Tarifliche Zusatzgeld, das einmal im Jahr gezahlt wird, gibt es 2021 ebenfalls nicht – es wird für alle verpflichtend in bezahlte Freistellungstage umgewandelt. Normalerweise können die Beschäftigten zwischen den Varianten wählen. Für Stahmann ist das in Ordnung. In Bremen hätten sich immer schon viele Mitarbeiter für mehr Zeit statt mehr Geld entschieden. Für den Standort sei es zudem wichtig, dass die Arbeitszeitkürzung nicht für Kollegen in der Instandhaltung gelte, die man für den Anlauf der neuen C-Klasse benötige.

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Das sei ein Erfolg des Betriebsrats, der sich dafür sehr eingesetzt habe. Die Corona-Krise sorgt derzeit für tiefrote Zahlen bei Daimler und zwingt den Autobauer zur Verschärfung seines Sparkurses. Im zweiten Quartal fuhr der Konzern rund zwei Milliarden Euro Verlust ein. Weil weltweit Fabriken stillstanden, Autohäuser schließen mussten und auch viele andere Unternehmen nicht arbeiten und somit auch keine Lastwagen kaufen konnten, knickten die Absatzzahlen ein.

Fast ein Drittel des Umsatzes brach weg. Personalvorstand Wilfried Porth dankte den Mitarbeitern für ihren Beitrag in der Krise. „Darüber hinaus gilt es, weiterhin miteinander die langfristigen strukturellen Themen anzupacken und zu lösen“, sagte er. Vorstandschef Ola Källenius hatte zuletzt betont, dass sein im Herbst vorgelegter Sparplan verschärft werden müsse.

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Was den Abbau von Arbeitsplätzen angeht, verwies der Konzern am Dienstag auf eine bereits bestehende Vereinbarung mit dem Betriebsrat, die im Wesentlichen auf die natürliche Fluktuation, auf Altersteilzeitangebote und ein inzwischen gestartetes Abfindungsprogramm setzt. Eine konkrete Zahl hatte Daimler nie genannt. Kolportiert worden waren zunächst Größenordnungen von 10 000 bis 15 000 Stellen, die abgebaut werden sollten. Porth hatte dann jedoch angekündigt, dass das angesichts von Corona nicht reichen werde. Zuletzt hatten dann Berichte über 20 000 bis hin zu 30 000 Stellen die Runde gemacht.

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