Autobauer in der Corona-Krise

E-Autos verzeichnen Rekordwert bei Neuzulassungen

Die Zwangspausen sind vielerorts vorbei, Autobauer fahren ihre Produktion wieder hoch. Doch selten wurden so wenig Fahrzeuge zugelassen wie in der Corona-Zeit. Einzige Ausnahme: Autos mit Elektromotor.
13.05.2020, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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E-Autos verzeichnen Rekordwert bei Neuzulassungen
Von Stefan Lakeband
E-Autos verzeichnen Rekordwert bei Neuzulassungen

Die Zwangspausen sind vielerorts vorbei, Autobauer fahren ihre Produktion wieder hoch. Doch selten wurden so wenige Fahrzeuge zugelassen wie in der Corona-Zeit. Einzige Ausnahme: Autos mit Elektromotor. Automobilexperte Stefan Bratzel geht davon aus, dass viele Kunden den neuen Umweltbonus abgewartet haben. Er ist Mitte Februar in Kraft getreten.

Jan Woitas /dpa

Seit Ende April wird im Bremer Mercedes-Werk wieder gearbeitet. Auch andere Autobauer nehmen nach einer Corona-Zwangspause die Produktion wieder auf. Ihre Probleme sind dabei längst nicht überstanden, wie aktuelle Zahlen zeigen.

Laut Kraftfahrt-Bundesamt wurden in den vergangenen Monaten so wenig Autos in Deutschland zugelassen wie schon lange nicht mehr. Allein im April waren es 61 Prozent weniger als noch ein Jahr zuvor; in den ersten vier Monaten des Jahres waren es insgesamt 822.000 Fahrzeuge – im Vorjahreszeitraum fast 1,2 Millionen.

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Verlierer gibt es dieser Zeit am deutschen Automarkt viele, aber auch einige Gewinner. Denn während die Neuzulassungen vor allem bei Fahrzeugen mit herkömmlichem Antrieb drastisch fielen, haben E-Autos und Plug-in-Hybride deutlich zugelegt. Mit einem Anteil von 9,2 Prozent an allen zugelassenen Fahrzeugen haben sie im März einen absoluten Rekordwert erreicht. Damit werde inzwischen bereits jeder elfte neu zugelassene Pkw in Deutschland elektrisch angetrieben, teilte der Verband der Automobilindustrie (VDA) mit.

Im Vergleich zum März 2019 legten die Zulassungen um 56 (E-Autos) beziehungsweise 208 Prozent (Plug-in-Hybride) zu. Auch der April war noch sehr erfolgreich – obwohl Autohäuser coronabedingt lange Zeit schließen mussten. Hier kamen Elektroautos und Plug-in-Hybride immer noch auf einen Anteil von 8,4 Prozent an den Neuzulassungen.

"Ein wichtiger Schritt auf dem Weg zu emissionsfreier Mobilität"

Experten sehen mehrere Gründe für diesen deutlichen Anstieg. So erreichten etwa Firmenwagen im März bei den Elektro-Neuzulassungen einen Anteil von 53 Prozent. „Die im vergangenen Jahr auf den Weg gebrachte neue Steuerregelung gibt Flottenbetreibern Planungssicherheit und trägt maßgeblich zum Durchbruch der Elektromobilität im Flottengeschäft bei. Das ist ein wichtiger Schritt auf dem Weg zu emissionsfreier Mobilität“, sagt Hildegard Müller, Präsidentin des VDA. 2019 hatte die Bundesregierung den Wert, mit dem elektrisch angetriebenen Dienstwagen besteuert werden, von einem Prozent des Listenpreises auf 0,5 halbiert. Anfang des Jahres sank er für reine E-Autos noch einmal. Ein zusätzlicher Anreiz, vom Verbrenner auf den E-Antrieb zu wechseln.

Automobilexperte Stefan Bratzel mahnt allerdings zur Vorsicht: Der Nutzen für die Umwelt bei Plug-in-Hybriden solle nicht zu hoch gehängt werden. Denn solche Fahrzeuge seien ökologisch nur sinnvoll, wenn sie „artgerecht“ gefahren würden – also der Anteil der Fahrten, bei denen der E-Motor genutzt werde, hoch sei. Laut Bratzel ist das bei Plug-in-Dienstwagen aber längst nicht immer der Fall. „Oft werden Plug-in-Hybride nicht aus Umweltbewusstsein gekauft, sondern um die Steuervorteile zu nutzen“, sagt der Direktor des Center of Automotive Management an der Fachhochschule der Wirtschaft in Bergisch Gladbach.

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Ein anderer Grund, warum die Zulassungszahlen für Stromer Rekordwerte erreicht haben, ist laut Bratzel der Umweltbonus für Fahrzeuge mit Elektroantrieb. Er hat sich zum 19. Februar noch einmal erhöht – auf nun maximal 6000 Euro. Beschlossen hatte das die Bundesregierung allerdings schon Anfang November. Für den Automobilexperten liegt es daher nah, dass viele Interessenten in der Zwischenzeit ihren Kauf verschoben hatten, um von der gestiegenen Förderung zu profitieren. Dass die Zulassungszahlen in März und April so ungewöhnlich hoch waren, könnte also auch ein Nachholeffekt sein.

Dass die erhöhte Umweltprämie auf Interesse stößt, zeigen auch Zahlen des Landesverbands des Kfz-Gewerbes Niedersachsen-Bremen. Im März sind für den niedersächsischen Automarkt 675 (Vormonat: 316) Prämien für reine batteriebetriebene Fahrzeuge und 514 (Vormonat: 184) für Plug-in-Hybride eingegangen. Im April kam dann aber coronabedingt der Einbruch: 316 genehmigte Förderungen für Hybrid-Fahrzeuge und 207 für E-Autos.

Zurückhaltung wegen möglicher Prämie

Wolf Warncke, Volkswagen-Händler aus Tarmstedt, vermutet, dass es noch einen anderen Grund dafür geben könnte: die Kaufprämie, die aktuell als Unterstützung in der Corona-Krise in der Diskussion ist. Sie führe laut Warncke zu Zurückhaltung. „Schon mehrere Kunden, die einen Kaufvertrag unterschrieben hatten, haben uns gefragt, ob sie ihn wegen der möglichen Prämie stornieren können“, sagt der Autohändler. Vertreter der Autobranche und Kanzlerin Angela Merkel (CDU) hatten Anfang Mai über Kaufprämien beraten, die Entscheidung aber auf Juni verschoben. „Das ist Gift für uns“, sagt Warncke. Kunden würden dadurch verunsichert.

Wie alle Autohändler musste auch Warncke sein Geschäft für große Teile des Aprils schließen. Eine mögliche Prämie für Autokäufe würde also auch ihm zugutekommen. „Ich bin allerdings für eine Kaufprämie mit Augenmaß“, sagt der Tarmstedter. Er hält es für sinnvoll, nicht jede Antriebsart und jedes Modell zu bezuschussen, sondern nur solche, die schonend für die Umwelt seien. Auch über einen Zuschuss zum ÖPNV, etwa durch vergünstigte Tickets, oder Investitionen in die Ladeinfrastruktur für Elektroautos würde er sich freuen. Der würde mehr Menschen erreichen als eine Kaufprämie.

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