Das Firmentagebuch - Tag 36

Die Nervosität steigt wieder

Das Café darf in einer Woche wieder aufmachen. Aber die zu erwartenden Einschränkungen dürften länger andauern. In die Freude msichen sich Zweifel.
11.05.2020, 06:00
Lesedauer: 1 Min
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Die Nervosität steigt wieder
Von Timo Thalmann
Die Nervosität steigt wieder

Konditormeister Bernard Timphus vom Café Stecker berichtet immer montags von seiner Situation in Zeiten der Corona-Krise.

Christina Kuhaupt

Es ist soweit: In einer Woche dürfen wir das Café wieder aufmachen. Aber eine Erleichterung spüre ich nicht, eher macht es mich nervös. Zu viele Details zu den Rahmenbedingungen sind einfach noch unsicher. Erste Schreiben der Berufsgenossenschaft und des Konditorenbundes lassen Spielraum für Interpretationen und beantworten meine Fragen nicht. Vor allem, ob die Gäste künftig reservieren und wir sie namentlich registrieren müssen, ist derzeit noch ungeklärt. Für mich passt das nicht zu einem Café-Besuch.

Ein reduziertes Platzangebot mit genügend Abstand zwischen den Gästen, Service mit Mundschutz oder Servierwagen, um direkte Kontakte zwischen Servicekraft und Gast zu umgehen, das kriegen wir vermutlich irgendwie hin. Aber da es den Anschein hat, dass wir uns längerfristig auf solche Einschränkungen einstellen müssen, werden weitere Hilfen unverzichtbar sein. Ob sich 50 bis 70 Prozent weniger Gäste bei 100 Prozent der Kosten rechnen, ist äußerst zweifelhaft.

Unseren Beitrag dafür werden und müssen wir leisten, das ist klar. Für Stecker bedeutet das ein reduziertes Speisen-Angebot. Dinge wie den kleinen Mittagstisch oder Suppen, die eigens für das Café produziert wurden, können wir wohl nicht wie im bisherigen Umfang anbieten. Und wenn ich ehrlich bin, steht die ein oder andere Spezialität eigentlich nur aus Liebhaberei auf der Karte, weil ich das so lecker finde. Insgesamt haben wir 600 Artikel in der Kasse, das werden wir straffen müssen. Aber nur, weil ich künftig vielleicht halb so viele Plätze anbieten darf, kann ich nicht die Küchenleistung vollständig halbieren. Man muss Aussicht auf Erfolg haben, sonst haben wir keine andere Wahl, als es bleiben zu lassen.

Aufgezeichnet von Timo Thalmann

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