Weihnachten und Corona

Pandemie macht Weihnachtsmänner arbeitslos

Die Pandemie macht in diesem Jahr viele Weihnachtsmänner arbeitslos. Einige andere planen coronakonforme Bescherungen. Klar ist: Weihnachten wird dieses Jahr anders als sonst.
16.11.2020, 05:00
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Von Stefan Lakeband und Christina Sticht
Pandemie macht Weihnachtsmänner arbeitslos

Willi Dahmen, professioneller Weihnachtsmann-Darsteller, kürzt mit einer Schere seinen Bart. Zu dieser Zeit trägt er normalerweise einen langen weißen Rauschebart. Die Corona-Pandemie bringt in diesem Jahr aber Hunderte Miet-Weihnachtsmänner in Deutschland um ihren Beruf.

Julian Stratenschulte

In den kommenden Wochen wäre Stefan Röben mittendrin gewesen im Weihnachtstrubel. Bei Firmenfeiern, auf Märkten, in Geschäften – Klein und Groß hätte ihn ­umringt. Ein Star mit dickem Bauch, roten Mantel, weißem Bart. Bremer Bilderbuchweihnachtsmann – so nennt er sich selbst und so wird er mittlerweile von vielen genannt.

Immer wenn es auf Weihnachten zugeht, schlüpft Röben in sein Arbeitsoutfit. Seit 15 Jahren ist das schon so. Doch Corona sorgt in diesem Jahr dafür, dass vieles anders ist und Stefan Röben einfach nur Stefan Röben bleibt. Das Virus macht auch vor dem Weihnachtsmann keinen Halt. „Die Vorweihnachtszeit ist katastrophal“, sagt Röben. Während sich viele über zu viel Stress und zu wenig Zeit in den Wochen vor den Festtagen beklagen, ist es genau das, was ihm fehlt. Denn was ist ein Weihnachtsmann, der keine Geschenke verteilt?

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Genau darauf läuft es bei Röben aber hinaus. Die meisten seiner Stammkunden hätten Termine wieder gestrichen oder ihn gar nicht erst gebucht. „Eigentlich wäre ich beispielsweise auf dem Weihnachtsmarkt in Wilhelmshaven und bei Karstadt gewesen“, sagt er. Dann noch die ein oder andere Weihnachtsfeier von Firmen. Doch in diesem Jahr brechen dem Weihnachtsmann zwei Drittel seines Umsatzes weg.

Viele Bremerinnen und Bremer werden in diesem Jahr auf ein Treffen mit Santa Claus verzichten müssen. Nicht nur, weil Röben kaum Termine hat. Auch die Arbeitsagentur, die in der Vorweihnachtszeit Weihnachtsmänner vermittelt hat, arbeitet in diesem Jahr nicht wie gewohnt. „Weihnachten fällt zwar nicht aus“, sagt Agentursprecher Jörg Nowag. Aber wer in diesem Jahr einen Weihnachtsmann über die Behörde buchen möchte, hat Pech. Dass Santa Claus in diesem Jahr von Haushalt zu Haushalt geht und Familien mit Kindern beglücke, sei unvorstellbar. „Wenn da etwas passieren würde. Das wäre der Horror“, sagt Nowag. Und weil es an den Festtagen nun mal besinnlich und nicht schrecklich zugehen soll, wurde die Vermittlung kurzerhand abgesagt.

Alle Verträge sind gecancelt

So hält es auch Willi Dahmen aus dem niedersächsischen Celle. Seit 30 Jahren verwandelt er sich in der Vorweihnachtszeit – nur in diesem Jahr nicht. „Alle Verträge sind gecancelt“, sagt der 68-Jährige. „Mir blutet das Herz. Aus Frust habe ich mir letzte Woche meinen Bart abgeschnitten. Der ist nur noch drei Zentimeter lang.“

Einschränkungen gibt es nicht nur dann, wenn der Weihnachtsmann auf Tour ist. Selbst in seiner Postfiliale in Himmelpfort ist einiges anders. Wie gewohnt wird er zwar von dort aus bis Heiligabend Weihnachtsbriefe beantworten – anders als sonst macht er das nun hinter verschlossenen Türen. Immerhin: Die Vorfreude vieler Kinder hat die Pandemie nicht getrübt. Bislang sind mehr als 8000 Wunschzettel dort eingegangen, den weitesten Weg hatte das Schreiben eines Kindes aus Australien hinter sich.

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Dass der Weihnachtsmann mit der Zeit gehen muss und kann, glaubt man bei der Hamburger Agentur Blank und Biehl. Sie vermittelt deutschlandweit Santa-Claus-Auftritte – nach eigenen Angaben ganz coronakonform. „Wir haben ein Hygiene-Konzept aufgestellt“, sagt Geschäftsführer Jan Biehl. Das bedeutet aber auch: „O Tannenbaum“ und „Jingle Bells“ kommen in diesem Jahr von der CD oder Spotify. Singen sei aus Infektionsschutzgründen komplett verboten. Außerdem müssten die Weihnachtsmänner eine FFP2-Maske unter ihrem künstlichen Bart tragen.

Der Zauber des Weihnachtsmannes

Für den Bremer Weihnachtsmann Stefan Röben kommt so etwas nicht infrage. „Das geht nicht. Ich bin ja nicht in der Geisterbahn“, sagt er. Der Zauber des Weihnachtsmannes entstehe auch über die Mimik, das Lächeln. Dass seine Auftritte nun ausfielen, sei schade. „Vor allem wegen der Kinder“, sagt er. Erwachsene könnten ein Jahr auf den Weihnachtsmann verzichten. Aber für Kinder sei es immer etwas besonders.

Finanzielle Einbußen habe er auch, sagt Röben. Seine Weihnachtsmann-Gage sei „immer eine feste Größe im Jahresbudget“ – aber auch nicht so elementar, dass es ihn aus der Bahn werfe. Corona-Hilfe oder sonstige Unterstützung braucht der Weihnachtsmann nicht.

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Ganz aufgegeben hat Röben das Weihnachtsgeschäft auch noch nicht. Noch bevor klar war, dass es im November zu großen Einschränkungen kommt, hatte er vorgesorgt und sich einen Klingelbeutel mit langem Stab in einem Onlineshop für Kirchenbedarf bestellt. Damit wollte er Kindern bei größeren Veranstaltungen Süßigkeiten überreichen – mit 1,5 Meter Sicherheitsabstand.

Auch wenn daraus jetzt nichts wird, bleiben ihm immer noch etwa 20 feste Termine rund um die Weihnachtstage: persönliche Bescherungen bei Familien zu Hause. Dass das derzeit nicht ganz einfach sei, sei klar. Auch hier setzt er auf Abstand. Kinder ­würden nicht umarmt, Erinnerungsfotos gebe es nur mit Tannenbaum dazwischen. Ob das zu traurigen Blicken und Enttäuschung führen wird. Röben glaubt das nicht. „Jeder, den ich besuche, weiß ja, dass Corona ist.“

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