Menschenansammlungen vermeiden Kreuzfahrten ab deutschen Häfen verboten

Bremen und andere Städte verbieten Abfahrten von Kreuzfahrtschiffen. Damit wollen sie Menschenansammlungen vermeiden. Reedereien berufen sich aber auf ihr Hygienekonzept - und starten ihre Touren im Ausland.
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Von Peter Hanuschkeund Joachim Mangler

Nur wer einen aktuellen negativen Corona-Test vorweisen kann, der darf öffentliche Verkehrsmittel nutzen. So eine Maßnahme würde sicherlich die Infektionszahlen nach unten treiben, umsetzbar ist das aber allein schon wegen der Testkapazitäten nicht. Üblich ist so ein Vorab-Test allerdings für Kreuzfahrten, um überhaupt aufs Schiff gelassen zu werden. Er ist Bestandteil des Hygienekonzeptes auf Kreuzfahrtschiffen und hat es überhaupt erst möglich gemacht, dass wenigstens ein Teil der Reisen stattfinden kann. Doch das Hygienekonzept scheint in Teil-Lockdown-Zeiten nicht mehr ausreichend zu sein – zumindest, wenn die Reise von Deutschland aus starten soll: Die Häfen geben dafür derzeit keine Erlaubnis.

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Genau das hat die Kreuzfahrtreederei Tui Cruises zu spüren bekommen: Am Donnerstag hätte „Mein Schiff 1“ von Deutschland aus in Richtung Karibik ablegen sollen – 35 Tage an Bord inklusive Strandaufenthalte auf einer privaten Insel in der Karibik. Doch daraus wurde nichts. In der vergangenen Woche bekam Tui Cruises die Nachricht, dass alle deutschen Häfen die geplante Abfahrt im Dezember verweigern.

Keine Abfahrterlaubnis für Tui Cruises

Von wo das Schiff genau ablegen sollte, sagt Tui Cruises nicht. Man habe mehrere Häfen angefragt, so eine Sprecherin. Dazu gehörte auf jeden Fall Bremerhaven. Auf Nachfrage des WESER-KURIER sagt Sebastian Rösener, Sprecher von Wirtschafts- und Häfensenatorin Claudia Schilling (SPD): „Nach Beratung mit dem hafenärztlichen Dienst sowie dem Gesundheitsamt Bremerhaven ist der Hafenkapitän zu der Einschätzung gekommen, dass aufgrund des aktuellen epidemiologischen Geschehens und der aktuellen 22. Corona-Verordnung des Landes Bremen, eine Abfertigung des Kreuzfahrtschiffes mit einer Vielzahl von Passagieren nicht genehmigt werden kann.“

Oberstes Ziel müsse es derzeit sein, Menschenansammlungen zu vermeiden, um die Corona-Pandemie eindämmen zu können. Dass Tui Cruises beim Check-in gestaffelte Zeiten vorschreibt, um für die Gäste- und den Crew-Bereich Hygiene- und Abstandsvorschriften einhalten zu können, war der Behörde nicht ausreichend.

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Das Unternehmen will sich zur Absage der deutschen Häfen nicht weiter äußern, verweist lediglich darauf, dass Tui Cruises seit Ende Juli 50 Kreuzfahrten mit mehr als 45.000 Gästen durchgeführt habe – und zwar ohne Zwischenfälle. An Bord gelte ein strenges Hygienekonzept. Vor diesem Hintergrund lässt Tui Cruises auch einen Teil der Flotte fahren, denn im Ausland gibt es andere Regeln: Den Gästen der Karibik-Reise hat die Reederei eine dreiwöchige Kanaren-Kreuzfahrt ab 17. Dezember zum Sonderpreis angeboten. Das habe ein Großteil der Kunden angenommen, so die Sprecherin. Insgesamt sind zwei von sieben Schiffen von Tui Cruises in der Wintersaison bei den Kanarischen Inseln im Einsatz.

Auch Landgänge geplant

Auch die Kreuzfahrtreederei Aida Cruises ist, wie berichtet, mit zwei Schiffen rund um die Kanarischen Inseln unterwegs: Am Sonnabend war die „Aida Perla“ von Las Palmas auf Gran Canaria zu einer einwöchigen Tour rund um die Inselgruppe gestartet. Für die Reederei mit Sitz in Rostock war das eine Art Neustart, denn in dieser von der Corona-Pandemie geprägten Saison waren die Fahrten im November erneut unterbrochen. Als zweites Schiff der Aida-Flotte wird laut Reederei die „Aida Mar“ am 20. Dezember zu einer siebentägigen Tour in See stechen, bei der auch Landgänge geplant sind.

Aida-Cruises-Vorstand Michael Thamm hatte sich vor Beginn des Neustarts zuversichtlich hinsichtlich der Zukunft der Branche gezeigt. „Wir gehen auch davon aus, dass wir im Frühjahr alle 14 Schiffe wieder in Fahrt haben werden.“ Die bisherigen Umsatzausfälle bei Aida lägen im Bereich von rund 1,5 Milliarden Euro. Man komme einigermaßen gut durch diese schwierige Situation. „Die Situation ist auf gar keinen Fall existenzbedrohend.“

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Wie die anderen beiden großen deutschen Kreuzfahrtreedereien setzt auch Hapag-Lloyd Cruises auf ein Hygienekonzept. Seit Sommer fanden mit der „Europa 2“ und dem Expeditionsschiff „Hanseatic“ 30 Kreuzfahrten mit insgesamt 4000 Gästen an Bord statt. Grundlage für den Neustart sei ein umfassendes Hygienekonzept, das mit Unterstützung von Experten und in Abstimmung mit internationalen Behörden erarbeitet worden sei, so die Reederei. „Dessen nachhaltige Umsetzung an Bord beider Schiffe wurde durch das unabhängige SGS Institut Fresenius in zwei mehrtägigen Audits überprüft und mit der Erteilung der Hygiene-Zertifikate verifiziert.“

Umfassendes Hygienekonzept

Im Rahmen der Audits seien bei Hapag-Lloyd Cruises bisher Auditoren auf zwei Reisen an insgesamt zehn Tagen sowohl an Land als auch an Bord im Einsatz gewesen, um das Hygienekonzept in der Theorie im Rahmen eines Desktop-Audits und dessen Umsetzung in der Praxis während der Restart-Reisen an Bord zu überprüfen. „Unsere Gäste bringen uns großes Vertrauen entgegen", so Karl J. Pojer, Vorstand von Hapag-Lloyd Cruises. "Diesem Vertrauen fühlen wir uns verpflichtet und handeln dabei sehr verantwortungsbewusst." Die Kreuzfahrten werden wie bei allen anderen Reedereien mit einer reduzierten Passagierkapazität von maximal 60 Prozent durchgeführt, um unter anderem die Abstandsregeln einhalten zu können.

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Digitale Einreiseanmeldung

Seit dem 8. November müssen sich Einreisende aus einem Risikogebiet nach Deutschland über eine digitale Einreiseanmeldung anmelden. Dies gilt, wenn man sich bis zu zehn Tagen vorher in einem Risikogebiet aufgehalten hat. Ist dies der Fall, muss man die Aufenthaltsinformationen der letzten zehn Tage auf der Homepage www.einreiseanmeldung.de angeben. Nachdem alle notwendigen Informationen eingetragen sind, gibt es zur Bestätigung eine PDF-Datei.

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