Interview mit Rudolf Hickel "Da macht es Peng und Kawumm"

Bremen. Professor Rudolf Hickel präsentiert im Neuen Museum Weserburg den Comic „Economix“. Silke Hellwig hat mit ihm gesprochen.
18.09.2013, 06:01
Lesedauer: 2 Min
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Von Silke Hellwig

Professor Rudolf Hickel hält heute Abend einen Vortrag im Museum Weserburg. Anlass ist die Ausstellung „Kaboom! Comic in der Kunst“. Und was macht ein Wirtschaftswissenschaftler dort? Er präsentiert einen Comic mit dem Titel „Economix“. Silke Hellwig sprach mit ihm.

Herr Hickel, Sie haben das Vorwort zu dem amerikanischen Wirtschaftscomic geschrieben. Wie kam’s?

Rudolf Hickel: Das Buch ist in den USA erschienen und dort ein enormer Erfolg. Hier hat es das kleine Verlagshaus Jacoby & Stuart unter seine Fittiche genommen, das viele Comics und Graphic Novels publiziert. Der Verleger hat mich angerufen und gefragt, ob ich ein kritisches Vorwort schreiben möchte. Das habe ich sehr gern gemacht, weil ich das Buch hervorragend finde.

Ist das nicht, zumindest für Wirtschaftswissenschaftler, auch ein bisschen albern: die Wirtschaftsgeschichte als Comic?

Es mag sein, dass der eine oder andere in der Zunft die Nase rümpft. Da ist auch Konkurrenz im Spiel. Aber ich finde, dass es die Autoren des Comics sehr gut hinbekommen, die volkswirtschaftlichen Grundzusammenhänge zu erklären und ihre historische Entwicklung buchstäblich zu veranschaulichen. Und wenn das ein Weg ist, den Menschen das Verständnis für die Ökonomie zu erleichtern und dabei noch Spaß zu machen – warum denn nicht?

Aber es gibt doch auch schon Lehrbücher, beispielsweise für Schüler, Studenten und andere Anfänger. Man muss die Zusammenhänge doch allgemein verständlich in Worte fassen können, zumindest grob.

Ich glaube, man kann das eine nicht gegen das andere ausspielen. Aber ich kenne kaum ein gutes Standardwerk. Ich halte es auch für ungeheuer schwierig, ein gutes Lehrbuch zu verfassen. Die meisten Lehrbücher kommen schon vollkommen bierernst und rechthaberisch daher. Ihr Inhalt wird präsentiert wie die heilige Offenbarung. Der Comic funktioniert von vornherein ganz anders. Er lebt nicht nur von den Texten in den Sprechblasen, die es in sich haben, sondern auch von den gelungenen Zeichnungen, die immer auch ein Augenzwinkern, ein bisschen Ironie und vor allem auch Zweifel beinhalten. Schon der Untertitel zeigt das. Er lautet: Wie unsere Wirtschaft funktioniert (oder auch nicht).

Sie würden „Economix“ also auch Studenten ans Herz legen?

Auf jeden Fall – ich würde mir sogar wünschen, dass es in den Bibliotheken der Universität angeschafft wird. Aber da gibt es wohl gar keine Chance, dort wird so etwas nur als Klimbim angesehen. Ich empfehle das Buch jedoch nicht nur Studierenden, sondern auch Bankern und anderen Praktikern – im Kapitel Finanzmarktkrise macht es Puff und Peng und Kawumm, und es wird sehr gut erklärt, warum es so geknallt hat.

Man könnte vermuten, dass der Comic eine grandiose Kapitalismuskritik ist – wenn man Rudolf Hickel um ein Vorwort bittet, fragt man ja nicht irgendwen, sondern einen sogenannten linken Wirtschaftswissenschaftler.

Das Buch ist auch kritisch, keine Frage, und manche Kapitel gefallen mir nicht so gut. Aber, und auch das ist eine Qualität, bevor der Autor eine These kritisiert, erklärt er sie gründlich. Das findet man in Standardwerken auch so gut wie gar nicht.

Klingt ganz so, als ob Sie das Buch am liebsten selbst geschrieben hätten.

Ja, das hätte ich auch – aber, ganz ehrlich, dass hätte ich so ganz bestimmt nicht hinbekommen.

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