Kritik an Vorgehen bei Bestellung von Bussen und Fahrzeugen für Polizei Daimler-Chef Zetsche rügt Bremer Politik

Bremen. Polnische Busse für die BSAG, BMWs für die Bremer Polizei: Der Vorstandsvorsitzende der Daimler AG, Dieter Zetsche, hat wenig Verständnis für diese Entscheidungen der Bremer Politik, zumal Daimler mit dem Mercedes-Werk in Sebaldsbrück den größten privaten Arbeitgeber stellt.
23.02.2010, 06:10
Lesedauer: 2 Min
Zur Merkliste
Von Günther Hörbst

Bremen. Polnische Busse für die BSAG, BMWs für die Bremer Polizei: Der Vorstandsvorsitzende der Daimler AG, Dieter Zetsche, hat wenig Verständnis für diese Entscheidungen der Bremer Politik. Er hält sie in Bezug auf die Tatsache, dass Daimler mit dem Mercedes-Werk in Sebaldsbrück den größten privaten Arbeitgeber stellt, für unverständlich.

'Wir stellen uns dem Wettbewerb, ganz klar. Aber Daimler ist mit weitem Abstand der größte und erfolgreichste Bushersteller weltweit. Wir sind überall in der Lage zu beweisen, dass man eine bessere Entscheidung trifft, wenn man unsere Busse kauft', sagte Zetsche dieser Zeitung. ' Und insofern teile ich die Einschätzung, dass es schwer nachzuvollziehen ist, warum wir ausgerechnet an einem Standort, an dem wir rund 12500 Menschen beschäftigen, nicht zum Zuge gekommen sind. Für Polizeifahrzeuge gilt Ähnliches.' Der Daimler-Chef ergänzte, er unterstelle, dass man bei einer künftigen Entscheidung über neue Busse oder Polizeifahrzeuge 'das dann künftig hier auch anders bewertet'.

Hintergrund der Rüge Zetsches für die Bremer Politik: Im Oktober 2002 hatte die Innenbehörde beschlossen, 77 neue Autos für die Polizei anzuschaffen. 34 davon waren Fahrzeuge der Marke BMW. Die Bayern hatten damals bei der europaweiten Ausschreibung für diese Fahrzeuge das wirtschaftlichste Gesamtpaket angeboten und deshalb den Zuschlag bekommen.

2006 kam dann erstmals heftige Kritik von der Daimler-Spitze. Der damalige Mercedes-Vorstand Rüdiger Grube machte deutlich, dass sich der Konzern als Gegenleistung für seine Investitionen in den Standort Bremen etwas mehr Loyalität von der Bremer Politik wünsche. 'Den Bayern würde es nie in den Sinn kommen, etwas anderes als die blau-weiße Marke zu fahren', sagte Grube damals. Dazu kam dann noch, dass die BSAG ab 2006 für ihre Busflotte auf den polnischen Hersteller Solaris umstieg.

Grundsätzlich bewertet Zetsche das Verhältnis zur Politik aber als 'sehr vertrauensvoll'. Die Möglichkeiten von Regionalpolitikern, auf Entscheidungen von Weltkonzernen Einfluss zu nehmen, sei jedoch begrenzt. 'Am Ende steht eine Entscheidung, die nicht immer die Populärste ist, wohl aber eine, die mittel- und langfristig die Beste für das Unternehmen ist. Es gehört zur Verantwortung eines Vorstands, auch unbequeme Entscheidungen zu treffen, wenn sie erforderlich sind', sagte er.

Die Entscheidung des Daimler-Konzerns, die Produktion der C-Klasse von Sindelfingen nach Bremen zu verlagern und das Werk Bremen damit zum weltweiten Kompetenzzentrum zu machen, bezeichnete der Mercedes-Chef 'als echten Ritterschlag'. Das sei eine 'grandiose Aufgabe', die dem Bremer Naturell des Weltumspannenden und des Weltoffenen sehr gerecht werde.

Nicht nachvollziehen kann Zetsche die Unzufriedenheit der Belegschaft im Bremer Mercedes-Werk. Die hängt vor allem damit zusammen, dass im Gegenzug zur C-Klasse-Verlagerung nach Bremen die Montage des Roadsters SL nach Sindelfingen vergeben wurde. 'Der Tausch C-Klasse gegen SL-Montage bedeutet für Bremen, dass die Beschäftigungslage sicherer geworden ist', sagte der Daimler-Chef. Zudem wurde zwischen Werkleitung und Betriebsrat eine Vereinbarung bis 2018 getroffen, die diese Absicht zur Beschäftigungssicherung schriftlich festgelegt hat.

Es sei jedoch keine Vereinbarung, stellte Zetsche klar, 'die betriebsbedingte Kündigungen bis 2018 im Bremer Werk ausschließt'. Man habe sich darauf geeinigt, Personalüberhänge zu vermeiden und Beschäftigung zu sichern.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+