Carl Benz lässt vor 125 Jahren seine Motorkutsche patentieren / Große Gala in Stuttgart Daimler feiert Väter und Mütter des Autos

Stuttgart. Auf die meisten Menschen wirkte jener Anblick, der sich ihnen an einem Sommertag im Jahr 1888 bot, gespenstisch. Ein Wagen ohne jedes Zugtier rollte in zügigem Tempo durch die Landschaft. So etwas hatte man noch nicht gesehen. Am Steuer des Fahrgeräts saß eine junge Frau, deren Mann später bekennen würde: "Sie war wagemutiger als ich." Bertha Benz, Frau des Maschinenbauingenieurs Carl Benz, hatte mit ihrer Testfahrt von Mannheim nach Pforzheim der Erfindung ihres Gatten zum Durchbruch verholfen.
31.01.2011, 05:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Sebastian Manz

Stuttgart. Auf die meisten Menschen wirkte jener Anblick, der sich ihnen an einem Sommertag im Jahr 1888 bot, gespenstisch. Ein Wagen ohne jedes Zugtier rollte in zügigem Tempo durch die Landschaft. So etwas hatte man noch nicht gesehen. Am Steuer des Fahrgeräts saß eine junge Frau, deren Mann später bekennen würde: "Sie war wagemutiger als ich." Bertha Benz, Frau des Maschinenbauingenieurs Carl Benz, hatte mit ihrer Testfahrt von Mannheim nach Pforzheim der Erfindung ihres Gatten zum Durchbruch verholfen.

Jahrelang hatte Carl Benz an seinem Motorwagen getüftelt. Die ersten Probefahrten mit dem benzingetriebenen Dreirad absolvierte er im Hof seiner Mannheimer Fabrik. Am 29. Januar 1886 erhält er schließlich auf den dreirädrigen "Patent-Motorwagen" das Patent DRP Nr. 37 435. Dieser Tag gilt als Geburtsstunde des Automobils. Doch erst Berthas Probefahrt zwei Jahre später machte das Vehikel allgemein bekannt und das Geschäft mit dem neuen Fortbewegungsmittel wirtschaftlich lohnenswert. Nur ein paar Dutzend Kilometer weiter südlich stellte im gleichen Jahr der schwäbische Erfinder und Unternehmer Gottlieb Daimler seine Motorkutsche fertig. Die beiden Auto-Pioniere lernten sich nie persönlich kennen, legten aber mit ihren Erfindungen den Grundstein für das Welt-Unternehmen Daimler.

Mit einer großen Gala hat der Konzern am Sonnabend in Stuttgart seiner Wurzeln gedacht und den 125. Geburtstag des Automobils gefeiert. Zu den Laudatoren zählten neben Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) etliche Prominente wie Fußball-Legende Franz Beckenbauer, der mehrmalige Formel-1-Weltmeister Michael Schumacher und Tennis-Star Boris Becker.

Ein wenig Anspannung war im Vorfeld der Veranstaltung zu verspüren. Zu gegenwärtig war den Autobauern noch das Fiasko der Einhundertjahrfeier 1986. Die damalige Gala, live im deutschen, österreichischen und schweizerischen Fernsehen übertragen, war gekennzeichnet von Pleiten, Pech und Pannen. "Die Urteile waren vernichtend, die großspurigen Gastgeber bis auf die Knochen blamiert", schrieb die "Stuttgarter Zeitung". Obendrein geriet der Zeitplan der Veranstaltung derart aus den Fugen, dass sich die Fernsehsender der Nachbarländer vorzeitig ausklinkten.

Daimler hat am vergangenen Wochenende die Fehler von damals nicht wiederholt. Moderatorin Desirée Nosbusch führte durch einen perfekt inszenierten Abend, im Zeichen des "heiligen Blechle", wie die Schwaben ihr Auto huldvoll nennen. Die Botschaft des Abends: 125 Jahre nach seiner offiziellen Geburtsstunde muss das Automobil ein weiteres Mal erfunden werden.

Für die Autoindustrie sei es aktuell die größte Herausforderung, den Übergang zur Elektromobilität zu schaffen, erklärte der Vorstandsvorsitzende des Premiumherstellers, Dieter Zetsche. "Wenn Daimler und Benz noch lebten, dann würden sie uns raten, grüne Autos noch faszinierender und faszinierende Autos noch grüner zu machen", sagte er. Ähnliche Ziele für die Branche formulierte die Bundeskanzlerin: "Deutschland ist Auto-Land", betonte Merkel. "Wenn wir Weltmarktführer im Automobilbereich bleiben wollen, müssen wir bei der Elektromobilität mit vorn dabei sein", forderte sie. In den nächsten zehn Jahren werde sich die Zukunft des Autos entscheiden. Erste Modellversuche zwischen Elektrizitätsunternehmen und Autobauern wiesen bereits in die richtige Richtung. "Aber für ein großes Land wie Deutschland ist natürlich noch sehr viel zu tun." Ziel sei es, bis zum Jahre 2020 eine Million Elektroautos zu haben.

Auch einen dezenten Seitenhieb in Richtung der Daimler-Konzernspitze ließ die Bundeskanzlerin fallen. Nachdem Angela Merkel die Verdienste von Bertha Benz hervorgehoben hatte, sagte sie mit einem Schmunzeln: "Ich möchte an dieser Stelle nicht noch einmal daran erinnern, dass bei Daimler auch heute wieder die eine oder andere Frau eine tragendere Rolle spielen sollte."

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