Betriebsrat und Werkleitung schmieden Beschäftigungspakt bis 2018

Daimler-Jobs in Bremen sicher

Bremen. Die Entscheidung fiel kurz vor Mitternacht. Die Unternehmensleitung des Mercedes-Werks in Bremen und der Betriebsrat haben sich auf einen Beschäftigungspakt für die rund 12500 Mitarbeiter geeinigt.
03.02.2010, 05:42
Lesedauer: 3 Min
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Von Günther Hörbst

Bremen. Die Entscheidung fiel kurz vor Mitternacht. Die Unternehmensleitung des Mercedes-Werks in Bremen und der Betriebsrat haben sich gestern auf einen Beschäftigungspakt für die rund 12500 Mitarbeiter geeinigt. Der Vertrag sieht vor, dass in dem Werk in Selbaldsbrück bis zum Jahr 2018 alles unternommen wird, damit keine betriebsbedingten Kündigungen ausgesprochen werden.

Grundlage für die Vereinbarung war der Beschluss der Daimler-Konzernspitze vom 1. Dezember 2009, die C-Klasse von Sindelfingen nach Bremen zu verlagern und den Standort zum weltweiten Kompetenzzentrum für die wichtigste Mercedes-Baureihe zu erklären. Im Gegenzug wird die Montage des Roadsters SL von Bremen ins Stammwerk nach Sindelfingen verlegt.

Dort haben Werkleitung und Betriebsrat eine Beschäftigungssicherung bis zum Jahr 2020 vereinbart. Mit dieser Forderung sind am Montag auch die Bremer Arbeitnehmervertreter in das sogenannte Einigungsstellenverfahren mit der Werkleitung in Sebaldsbrück gegangen. Das Ziel hat der Betriebsrat aber nicht erreicht.

Betriebsratschef Uwe Werner ist mit dem jetzt vereinbarten Kompromiss dennoch sehr zufrieden. 'Das war das Maximale, was wir rausholen konnten', sagte er dieser Zeitung. 'Betriebsbedingte Kündigungen werden ausgeschlossen. Und selbst wenn durch bestimmte Umstände Stellenabbau nötig sein sollte, haben wir zahlreiche Maßnahmen vereinbart, die Entlassungen vermeiden helfen.'

Auch die Werkleitung ist mit der Einigung zufrieden. 'Das ist eine sehr erfreuliche Entscheidung für Bremen, weil es nicht selbstverständlich ist, dass ein Unternehmen für einen Zeitraum von fast zehn Jahren eine so nachhaltige Perspektive für hiesige Jobs, den Standort und unsere Partner aufzeigt', sagte Werkleiter Peter Schabert dieser Zeitung. 'Mit dieser Einigung hat sich das Unternehmen wieder einmal klar zum Standort Bremen bekannt.'

Dieses Bekenntnis lässt sich vor allem daran festmachen, dass Bremen durch die Verlagerung der C-Klasse zum weltweiten Dreh- und Angelpunkt für die wichtigste Mercedes-Baureihe geworden ist. Ab 2014 werden 60 Prozent aller Fahrzeuge der Modellreihe in Bremen gebaut. Die Produktionskapazität steigt von derzeit täglich 1050 Autos - inklusive dem kleinen Geländewagen GLK - auf 1250 Autos. 'Damit ist die Beschäftigung am Standort Bremen in einer Größenordnung von rund 500 zusätzlichen Arbeitskräften langfristig gesichert', sagte Betriebsratschef Werner.

Diese zusätzlichen Jobs werden allerdings nicht vollständig in der Statistik für die Gesamtbelegschaft zu Buche schlagen. Denn das Werk orientiert sich in seiner Personalplanung 2009-2019 an der üblichen Fluktuation. Das heißt, dass an anderer Stelle womöglich nicht mehr jede frei gewordene Position neu besetzt werden wird.

In der Einigung wurde nach Informationen dieser Zeitung auch definiert, was es für das Werk Bremen bedeutet, nun Kompetenzzentrum für die C-Klasse im Daimler-Konzern zu sein. Alle möglichen Modelle der Reihe (Limousine, T-Modell, Coupé, Cabrio und GLK) werden künftig zuerst in Bremen vom Band rollen. Bremen ist federführend für die Planung, die Entwicklung und die Produktion.

Darüber hinaus werden die Daimler-Mitarbeiter in Bremen auch die Organisation für den Produktionsstart der neuen C-Klasse ab dem Jahr 2014 in den Werken Tuscaloosa/USA, East London/Südafrika und Peking/China übernehmen sowie die Mitarbeiter qualifizieren und die Kollegen in diesen Fabriken bei der Serienfertigung unterstützen.

Die Zukunft bis zum Ende des Jahrzehnts sieht also vielversprechend aus für die Daimler-Werker in Bremen, dem weltweit immerhin zweitgrößten Automobilwerk von Mercedes Benz. Aktuell leidet die Branche in Deutschland aber immer noch unter den Folgen der Wirtschaftskrise. Das gilt auch für das Mercedes-Werk in Sebaldsbrück. 'Für das erste Quartal haben wir in Bremen Kurzarbeit vereinbart', sagte Schabert. 'Derzeit arbeiten noch rund 1800 Mitarbeiter kurz. Dennoch blicke ich für den Standort Bremen zuversichtlich in die Zukunft: Das liegt vor allem an unseren Produkten, besonders dem neuen Coupé und Cabrio der E-Klasse, sowie der C-Klasse Baureihe und dem GLK.'

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