Auch Dank Jacobs Douwe Egbert in Bremen

Das sind die reichsten Deutschen

Die Reimanns sind laut Ranking des „Manager Magazins“ die reichsten Deutschen – bereits zum zweiten Mal. Zur zurückhaltenden Familie gibt es mit Jacobs Douwe Egberts eine Verbindung nach Bremen.
01.10.2019, 21:16
Lesedauer: 4 Min
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Von Lisa Boekhoff
Das sind die reichsten Deutschen

Vor allem die Getränkesparte hat der Holding der Reimanns wieder Aufwind gegeben – unter anderem das Kaffeeunternehmen JDE mit Produktion in Bremen.

Christina Kuhaupt

In der Tabelle ganz oben stehen – das ist eigentlich das Ziel, die Krönung, die Belohnung. Ob sich aber die Familie Reimann freut, das Ranking des „Manager Magazins“ anzuführen? Schließlich halten die vier Geschwister sich aus der Öffentlichkeit völlig zurück. Schon vor ein paar Jahren titelte die Wirtschaftswoche in einer Geschichte über die Reimanns, sie seien „Deutschlands geheimnisvollste Milliardäre“. Zum zweiten Mal führt die Familie nun die Liste der reichsten Deutschen an.

Das Vermögen der Familie wird auf 35 Milliarden Euro geschätzt – und hängt eng mit Jacobs Douwe Egberts (JDE) zusammen. Denn die Holding der Reimanns hält die Mehrheit am Unternehmen und hat damit einen der größten Kaffeekonzerne der Welt geschaffen.

Zwei Milliarden legte laut Magazin das Vermögen der Familie gegenüber 2018 zu. Damals kletterten die Großaktionäre des Autoherstellers BMW, Stefan Quandt und Susanne Klatten, an die Spitze und verdrängten die Reimanns. Nun belegen Quandt und Klatten mit 7,5 Milliarden Euro weniger Vermögen (26,5 Milliarden Euro) Platz drei hinter Dieter Schwarz – Gründer und Eigentümer der gleichnamigen Gruppe hinter Lidl und Kaufland. Schwarz soll 27,5 Milliarden Euro besitzen. Zum 19. Mal veröffentlichte das „Manager Magazin“ die Vermögensaufstellung.

Vom Kaffee bis zur Tierklinik

Zur Familie Reimann gehören Renate Reimann-Haas (67) und Wolfgang Reimann (66), deren Halbbrüder Stefan (56) und Matthias (54) Reimann-Andersen sowie ihre insgesamt zehn Kinder. Den Grundstein für das heute milliardenschwere Beteiligungsnetz legte der ehemalige Ludwigshafener Chemiekonzern Benckiser. Die Familie hat mit ihrem Vermögen über die Zeit die Investitionsgesellschaft JAB Holding mit Sitz in Luxemburg aufgebaut, der auch der US-Kosmetikkonzern Coty gehört. Konsumgüter von Kaffee bis Parfüm, nun sogar Tierkliniken in den USA gehören in das Portfolio der Holding. Ihr Stratege – und zugleich Vertrauter der Familie – ist seit vielen Jahren Peter Harf.

Verloren die Beteiligungen der Holding vor einem Jahr noch, stieg ihr Wert nun wieder, wie das „Handelsblatt“ vor Kurzem berichtete: Die Vermögenswerte wuchsen demnach Ende Juni auf 20 Milliarden Euro zu. Zu Beginn des Jahres lagen sie noch bei 15 Milliarden Euro. Das soll vor allem am Getränkesegment liegen, an den Anteilen an der Acorn Holding, zu der neben dem Getränkehersteller Keurig Dr Pepper unter anderem auch der Kaffeehersteller Jacobs Douwe Egberts (JDE) gehört, deren Wert kräftig gestiegen sein soll. Der JAB Holding der Familie Reimann gehören dem Geschäftsbericht von 2018 folgend mehr als 70 Prozent der JDE mit Hauptsitz in Amsterdam und Verwaltungssitz in Bremen. Und es gibt Pläne für das Unternehmen mit der in der Hansestadt gegründeten Traditionsmarke Jacobs. In diesem Jahr gab JAB bekannt, dass JDE an die Börse gebracht werden soll wie weitere Kaffeegeschäfte der Holding. In den nächsten zwei bis drei Jahren soll das passieren. Zur Entwicklung gibt es derzeit keine neuen Informationen, wie JDE-Sprecher Dirk Friedrichs auf Nachfrage mitteilte.

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Zuletzt gab es bei JDE in Bremen Unruhe. Im Zuge des Tarifstreits mit der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) streikte die Belegschaft. Zu Ende Juni war der Entgelttarifvertrag für die tariflichen Mitarbeiter am Standort in Hemelingen ausgelaufen. Mitte August einigten sich das Unternehmen und die NGG dann auf eine Erhöhung der Löhne.

Zu den wichtigsten Marken von JDE gehören in Deutschland neben Jacobs auch Senseo und Tassimo. Insgesamt beschäftigt JDE rund 16.000 Mitarbeiter, davon in Deutschland 1400. In Bremen arbeiten am Verwaltungssitz 500 Mitarbeiter, im Kaffeewerk in Hemelingen weitere 400. Die Produktion dort ist laut Dirk Friedrichs eines der größten Werke weltweit und stellt neben Filterkaffee auch Spezialitäten her. Noch relativ neu ist eine Teemarke, Ti Ora, die in diesem Jahr im deutschen Einzelhandel eingeführt wurde.

Mondelez wird sich von seinen Anteilen trennen

Mondelez, ebenfalls mit Standort in Bremen, will sich von seinen Anteilen an JDE trennen. Schon heute hält der Lebensmittelhersteller nur noch etwas mehr als 26 Prozent. Vor Jahren schon sind aus Kraft Foods die Konzerne Mondelez und Jacobs Douwe Egberts entstanden. Die Trennung wird mit dem Verkauf der Anteile vollendet sein. Die Aufspaltung war 2012 bereits beschlossen. „Offensichtlich haben wir uns strategisch entschieden, kein Kaffeeunternehmen sein zu wollen. Sie können also damit rechnen, dass wir langfristig die Beteiligung verkaufen“, sagte der Vorstandschef von Mondelez Dirk van de Put im Interview mit dem Handelsblatt im April.

Die Abkürzung JAB steht für Johann A. Benckiser und erinnert damit noch an die Anfänge des Imperiums 1851. Um die Geschichte der Familie selbst ging es in jüngster Vergangenheit. Denn es wurde bekannt, dass Albert Reimann senior und Albert Reimann Junior von 1933 bis 1945 überzeugte Nazis gewesen sein sollen. In den Fabriken von Reimann waren viele Zwangsarbeiter beschäftigt. Die Holding hat einen Wirtschaftshistoriker beauftragt, um das Kapitel aufzuarbeiten.

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Kaffee so billig wie selten

In Deutschland zählt der Wachmacher zu den beliebtesten Getränken. Nach Angaben des Deutschen Kaffeeverbandes trank jeder Deutsche im vergangenen Jahr durchschnittlich 164 Liter Kaffee. Der Preis für Rohkaffee fiel im August nach Angaben der International Coffee Organization (ICO) im Vergleich zum Juli um knapp sieben Prozent. Mit 96,07 US-Cent pro Pfund lag der Durchschnittswert um mehr als acht Cent unter dem Wert vom August 2018. Im April war der Preis mit 94,42 Cent so tief wie seit Juli 2006 nicht mehr. Im April 2011 hatte er noch bei mehr als 2,30 Dollar gelegen. Ein Überangebot ist laut ICO der Hauptgrund – die Exportmengen steigen jedes Jahr. Die größten Ausfuhrländer sind Brasilien und Vietnam. „Kaffee ist der weltweit zweitwichtigste gehandelte Rohstoff hinter Rohöl“, sagt Katrin Knauf vom Hamburgischen Weltwirtschaftsinstitut. Dem Überangebot stehe kein nennenswerter Nachfrageschub gegenüber, vor allem nicht aus China. Ebenso sei nicht erkennbar, dass Kaffee in anderen Produkten wie Kosmetik verwendet werde. Verbraucher kaufen Kaffee häufig im Angebot. Nach Angaben des Marktforschungsunternehmens Nielsen stieg der Absatzanteil von Filterkaffee, der im Angebot erhältlich ist, im ersten Halbjahr auf 61 Prozent. Am meisten wird hierzulande nach wie vor der klassische Filterkaffee gekauft. Nach Angaben des Deutschen Kaffeeverbandes lag der Marktanteil 2018 bei 57 Prozent. Zunehmender Beliebtheit erfreut sich demnach das Segment ganze Bohne, der Anteil lag 2018 bei 29 Prozent.

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