Transparenz von Gehältern Das verdienen Bremer Chefs

Bremen. Es ist schwer an Informationen über Chefgehälter heranzukommen. Bremen spielt da geradezu eine Vorreiterrolle. Zumindest, was Chefs der Eigenbetriebe und öffentlichen Gesellschaften bekommen, wird offengelegt.
23.09.2012, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Das verdienen Bremer Chefs
Von Frauke Fischer

Bremen. "Geschäftsführergehälter sind ein ständiges Thema für uns", sagt Bernhard Zentgraf vom Bund der Steuerzahler, Landesverband Niedersachsen-Bremen. "Aber es ist schwer, an Informationen heranzukommen", meint er. Unter diesem Blickwinkel spielt Bremen geradezu eine Vorreiterrolle. Zumindest, was Chefinnen und Chefs der Eigenbetriebe und öffentlichen Gesellschaften hier bekommen, wird offengelegt.

Warum gibt es für den Chefposten der Bremer Straßenbahn AG im Jahr 2010 knapp 200.000 Jahresgehalt, für den der Bremer Lagerhausgesellschaft fast 900.000 Euro? Warum braucht die Wirtschaftsförderung Bremen im gleichen Jahr noch fünf Geschäftsführer mit Gehältern zwischen 140.000 bis 212.000 Euro?

Und warum gibt es mehr Geld, wenn man die Brepark GmbH leitet als die Fähren Bremen-Stedingen GmbH, obwohl letztere mehr Beschäftigte hat? Die Liste von Gehältern und damit verbundenen Fragen ließe sich fortsetzen. Diese Angaben sind kein Geheimnis mehr. Der Beteiligungsbericht der Freien Hansestadt Bremen veröffentlicht sie.

Seit 2008 wird er jeweils für zwei Jahre herausgegeben und in einigen Wochen in aktualisierter Ausgabe erneut veröffentlicht. In dem gut 200 Seiten dicken Handbuch werden Angaben zu Gesellschaften und Eigenbetrieben Bremens, zu Strukturen, Beschäftigungszahlen, Vermögen, Zuschüssen und Rückflüssen und eben auch zu den Gehältern der jeweiligen Geschäftsführungen gemacht. Die neuen Anstellungsverträge enthalten eine Veröffentlichungsklausel.

Dass 2010 der Flughafen-Chefposten 282.000 Euro eingebracht hat, ist dort nachzulesen. Gleiches gilt für die Geschäftsführervergütung der Bremer Toto und Lotto GmbH (47 Beschäftigte) mit knapp 185.000 Euro. Für den Posten an der Spitze der Großmarkt GmbH (32 Beschäftigte) gab es 119.000 Euro. Die Leitung des Eigenbetriebs Kita Bremen (1141 Beschäftigte) bringt knapp 93.000 Euro.

500000 Euro Sonderzahlung

Für Einordnung und Gehaltszahlungen spielt die Art des Unternehmens eine Rolle. Handelt es sich dabei um ausgelagerte Verwaltungsbereiche Bremens, wie etwa bei der Bremenports GmbH? Sie kümmert sich um den Unterhalt bremischer Häfen, darf (und soll) aber wegen der Struktur als Gesellschaft auch extern Geld verdienen, sich am Markt bewerben. "Im Hafenausbau oder für Schulungen etwa", erklärt Holger Bruns, Sprecher der Wirtschaftsbehörde. "Das klappt", sagt er.

Komplett frei am Markt agiert, so Bruns, dagegen die Bremer Lagerhausgesellschaft, eine Aktiengesellschaft mit diversen Untergesellschaften. Die Vorstandsmitglieder und der Vorsitzende werden "nach Marktlage" bezahlt. Es gibt zu den Festgehältern vertraglich vereinbarte Sonderzahlungen. So gab es angesichts guter Unternehmensergebnisse für den BLG-Chef im Jahr 2011 noch mal etwa eine halbe Million Euro obendrauf, quasi als Sahnehäubchen.

Vor allem in Wirtschaft, Logistik und im Klinikbereich werden laut Holger Bruns hohe Summen fällig. Ein Blick in den Beteiligungsbericht zeigt: Der Posten an der Spitze der Gesundheit Nord gGmbH, dem Klinikverbund Bremen, hat im Jahr 2010 321000 Euro eingebracht. 253000 Euro gab es für den zweiten Geschäftsführer. Außerdem leiten jeweils drei Geschäftsführerinnen oder Geschäftsführer die zum Verbund gehörenden Kliniken Mitte, Ost, Nord und Links der Weser.

Meistens, so Bruns, handelt es sich um Fünf-Jahres-Verträge, die nach vier Jahren auf Verlängerung überprüft werden. Die Wirtschaftsförderung Bremen (WfB), die aus einer Zusammenlegung verschiedener Gesellschaften entstanden ist, hat inzwischen noch vier von einst sechs Geschäftsführern. "In der Perspektive kann man sicher auch auf drei kommen", meint Bruns. Doch "jedes Geschäftsfeld braucht nach außen ein deutliches Gesicht".

Cornelia Hopp von der Personalberatung Peter Braun übernimmt für Unternehmen die Findung und Auswahl geeigneter Leute, besonders für Spitzenpositionen. Auch für öffentliche Gesellschaften ist das Unternehmen in der Vergangenheit schon tätig geworden. "Um wirklich qualifizierte Leute zu bekommen, muss man sich am Markt orientieren", versichert sie. Unternehmensgröße, Beschäftigtenzahl, Branche und Verantwortungsumfang spielen eine Rolle für Gehaltsrahmen. "Es gab eine Zeit, als die Schifffahrtsbranche boomte, da konnten Bewerber jedes Gehalt fordern", erinnert sie sich.

Aber: Bei Vertragsverhandlungen geht es nicht nur um Gehälter. "Das Interesse an der Aufgabe steht im Vordergrund", sagt Hopp. Die "persönliche Chemie" müsse zudem stimmen. "Es gibt Kandidaten, die Rückschritte in Kauf nehmen, etwa weil sie in einer Region bleiben wollen oder die Aufgabe so interessant finden", sagt Hopp. Für den Gehaltsrahmen spielt eine Rolle, was der Kandidat im vorherigen Job bekommen hat. Fürs Unternehmen ist wichtig, wie ist das fachliche Spektrum gemacht? Hopp: "Wenn jemand nur öffentliche Strukturen kennt, ist das etwas anderes, als wenn er im freien Markt tätig war." Der Sprung aus dem Beamtenverhältnis oder dem Politikgeschäft in die Spitzenposition wäre demnach erschwert.

Ohnehin "wird heute genauer geguckt", versichert Dagmar Bleiker, Sprecherin der Finanzsenatorin. Gesellschaften und ihre Strukturen würden stärker kontrolliert, neue nicht mehr so einfach gegründet.

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