Fake-Shops im Internet Der falsche Handel

Unseriöse Online-Shops setzen auf die Unaufmerksamkeit der Kunden. Häufig kommt die Ware nicht an oder sie ist ein Plagiat, das Geld ist jedoch meistens trotzdem weg.
18.04.2018, 21:41
Lesedauer: 5 Min
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Von Tobias Denne und Marlo Mintel

Plötzlich kosten die schönen Schuhe von Adidas nur noch 30 statt 70 Euro. Oder für die Drohne, die man sich schon so lange wünscht, muss man nicht mehr über 500 Euro zahlen, sondern lediglich 40. Die Angebote sind verlockend. Schließlich möchte man so wenig Geld wie möglich ausgeben. Da reizen die zahlreichen Portale im Internet mit ihren unzähligen Angeboten und Rabatten.

Doch Vorsicht: Möglicherweise steckt hinter dem vermeintlich seriösen Händler ein sogenannter Fake-Shop. Die Folgen können für Kunden gravierend sein. Das Geld ist weg, aber die Ware kommt nicht an – oder es handelt sich um ein Plagiat. Dabei werden die Unterschiede zu den seriösen Händlern immer geringer und sind meist kaum auszumachen. Immer professioneller ziehen die Seitenbetreiber ihren falschen Marktplatz auf.

Doch auch trotz dieser immer weiter steigenden Zahlen unseriöser Händlern trauen sich laut einer repräsentativen Umfrage des Digitalverbandes Bitkom drei von vier Online-Einkäufern in Deutschland zu, einen seriösen von einem unseriösen Online-Händler zu unterscheiden. Unter 1152 befragten Internetnutzern ab 14 Jahren gaben 15 Prozent an, einen „Fake-Shop“ definitiv zu erkennen. 57 Prozent trauen sich eher zu, den Unterschied auszumachen. Lediglich zwei Prozent der Befragten sehen sich nicht imstande, einen unseriösen Händler zu erkennen.

Allein zwischen Dezember 2016 und Januar 2017 – also einem Zeitraum von lediglich zwei Monaten – haben laut dem Amt der Europäischen Union für geistiges Eigentum in Deutschland, Schweden, Großbritannien und Spanien 27.000 Online-Shops mutmaßlich gefälschte Waren verkauft. Mehr als 700.000 Geschädigte vermuten die Polizeibehörden jährlich.

Nach Angaben von Nils Matthiesen, Sprecher der Bremer Polizei, erstatteten im vergangenen Jahr in der Hansestadt 865 Personen Anzeige wegen Warenbetrugs – 30 weniger als 2016. Wie viele Fälle davon auf „Fake-Shops“ zurückzuführen sind, bleibt laut Matthiesen offen, da sie statistisch nicht separat erfasst würden. Oliver Prothmann, Präsident des Bundesverbandes für Online-Handel (BVOH), sieht in dem unseriösen Online-Handel einen Trend. „Die Betrügereien nehmen leider zu“, sagt er.

Das Erfolgsrezept von windigen Händlern hat Gerrit Cegielka ausgemacht. „Sie arbeiten mit dem flüchtigen Blick der Verbraucher“, sagt der Experte der Bremer Verbraucherzentrale. Betrüger imitieren Online-Shops bekannter Markenhersteller – etwa von Elektrogeräten und Bekleidung. Sie kopieren Beschreibungen und Bilder. Die gefälschte Seite wirkt auf den ersten Blick seriös und echt. Cegielka warnt: „Dass es sich um eine Fälschung handelt, ist nur ganz schwer zu erkennen.“

Möglichst nur in bekannten Shops einkaufen

Das liegt unter anderem auch daran, dass Fake-Shops gerne kopierte Gütesiegel wie etwa „Trusted Shops“ nutzen, ohne dieses Zertifikat zu besitzen. Cegielka rät, auf den Internetseiten der Siegelanbieter zu überprüfen, ob die Händler dort aufgelistet werden. „Das machen aber nur ganz wenige Verbraucher“, bemängelt er. „Man muss sich schon die Mühe machen und sich nicht unbedingt nur vom Preis leiten lassen.“ Sein Tipp: möglichst nur in bekannten Shops einkaufen.

Fabian Randt von der Bremer Anwaltskanzlei Walter-Randt sieht das ähnlich. „Nur weil ein Händler ein Gütesiegel auf seiner Seite platziert, heißt das nicht, dass er dieses auch wirklich besitzt“, sagt der Anwalt für IT-Recht. Indizien, die auf einen unseriösen Händler hindeuten, seien oft Rechtschreibfehler oder Tippfehler bei der Internet-Adresse.

Darüber hinaus gibt es noch weitere Merkmale, um einen „Fake-Shop“ auszumachen. Zum Beispiel, wenn ausschließlich Zahlung per Vorkasse möglich ist. Davon rät Cegielka ausdrücklich ab. „Denn so können die Betrüger schnell das Geld abgreifen. Sie liefern keine Ware und sind verschwunden.“ Dasselbe sei bei einer Sofortüberweisung der Fall. Es müsse eher gelten: „Erst die Ware, dann das Geld.“ Daher empfiehlt Cegielka Verbrauchern Zahlungsmethoden wie Lastschriftverfahren oder den Kauf auf Rechnung.

Dazu rät auch die Bremer Polizei. Etwa beim Lastschriftverfahren können vorgenommene Abbuchungen noch nach einigen Tagen storniert werden. Von Zahlungsdiensten wie Western Union, paysafe oder Ukash-Gutscheinen rät die Polizei ab. Oliver Prothmann rät generell dazu, besonders bei der Zahlungsart vorsichtig zu sein.

„Manche Betrüger kapern das Konto eines Händlers auf Amazon oder eBay, aber weisen den Kunden darauf hin, das Geld nicht über die Plattform, sondern direkt zu überweisen. Das sollte man niemals tun“, sagt der BVOH-Präsident. Um unseriösen Anbietern nicht in die Falle zu tappen, empfiehlt Cegielka, sich das Impressum der Shops genau anzusehen. „Ist keines vorhanden, ist das ein No-Go.“

Das Impressum muss unter anderem einen Verweis auf das Handelsregister mit entsprechender Nummer, einen Vertretungsberechtigten und eine Anschrift enthalten. „Dabei darf es keine x-beliebige Adresse sein, sondern die offizielle, an die die Post zugestellt wird“, sagt der Verbraucherexperte. Das Webangebot ist unseriös, wenn nur eine Mailadresse genannt wird. Cegielka: „Wenn ein Anbieter offen mit seinen Kunden umgeht, listet er sämtliche Kontaktmöglichkeiten auf.“

Nicht nur auf Bewertungen verlassen

Wenn die Preise dazu übertrieben günstig sind, deute es eindeutig auf ein Schein-Portal hin. „Wenn zum Beispiel das iPhone um 50 Prozent günstiger ist als sonst, dann würde ich da ein ganz großes Fragezeichen dahintersetzen“, sagt Cegielka. „Ist es lediglich zehn Prozent günstiger, dann nicht.“ Er warnt davor, sich als Kunde nur auf die Bewertungen innerhalb eines Shops zu verlassen. Vor allem, wenn ausschließlich positive Kommentare angezeigt werden.

Cegielka: „Wenn alles über den grünen Klee gelobt wird, würde ich hellhörig werden.“ Laut BVOH-Präsident Prothmann sollten sich Kunden nicht nur auf die Rezensionen einer Internetseite verlassen: „Sollte der Preis deutlich unter dem auf etablierten Plattformen wie Amazon, eBay, real.de oder Online-Shops liegen, wäre ich sehr skeptisch.“

Gleichzeitig sollten mögliche Kunden die Augen offenhalten, und das beginnt schon bei der Internetadresse. „Wenn diese Adresse wenig bis gar nichts mit dem Shop zu tun hat, ist das ein klares Alarmsignal“, sagt Prothmann. Er zieht den Vergleich zu Menschen, die auf der Straße Waren besonders günstig anbieten. Da sei man ebenfalls skeptisch, weil der Handel wenig vertrauenswürdig erscheine.

Strafrechtliche Verfolgung ist schwierig

Wer allerdings doch auf einen „Fake-Shop“ hereingefallen ist, dem rät Verbraucherexperte Cegielka, schnell zu handeln und bei der Polizei Strafanzeige zu erstatten. Um Beweise zu sichern, sollten Opfer Screenshots des Online-Shops machen und Bestellbestätigungen sowie E-Mails ausdrucken und aufbewahren. Die Bremer Polizei rät Geschädigten, umgehend ihre Bank zu informieren und die Zahlung rückgängig zu machen.

„Dies ist innerhalb eines bestimmten Zeitraums in der Regel noch möglich“, sagt Sprecher Nils Matthiesen. Bei anderen Zahlungsarten wie Bargeldtransfer sollten Opfer sofort den Dienstleister kontaktieren und die Transaktion stoppen lassen. Die Aussichten, die Betreiber der „Fake-Shops“ zu ermitteln, stehen allerdings schlecht. „Die strafrechtliche Verfolgung von Tätern ist schwierig, weil diese teilweise aus dem Ausland agieren“, erklärt Matthiesen.

Das bestätigt IT-Rechtsanwalt Fabian Randt: „Zwar ist der juristische Anspruch da, aber das Problem ist, das Geld ist schnell weg.“ Dass das Geschäft der unseriösen Online-Händler überhaupt so gut funktioniert, ist für BVOH-Präsident Prothmann logisch: „Wir sind zu Schnäppchenjägern erzogen worden. Der Mensch will gerne günstig kaufen, aber der gesunde Menschenverstand sollte vor der Gier stehen.“

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