Bremen Der Kampf um die Arbeitskräfte beginnt

Bremen. Handwerk und Handel werben angesichts rückläufiger Schulabgängerzahlen händeringend um Lehrlinge. Schon in wenigen Jahren wird sich der Arbeitskräftemangel in Deutschland deutlich bemerkbar machen. Auch in der Hansestadt beginnt bereits der Kampf um die Köpfe.
06.08.2010, 06:00
Lesedauer: 2 Min
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Der Kampf um die Arbeitskräfte beginnt
Von Matthias Lüdecke

Bremen. Handwerk und Handel werben angesichts rückläufiger Schulabgängerzahlen händeringend um Lehrlinge. Schon in wenigen Jahren wird sich der Arbeitskräftemangel in Deutschland deutlich bemerkbar machen. Auch in der Hansestadt beginnt bereits der Kampf um die Köpfe.

In Bremen sei der Saldo von angebotenen Lehrstellen und Bewerbern derzeit noch ausgeglichen, sagt der Hauptgeschäftsführer der Bremer Handwerkskammer, Michael Busch. Das ist die Momentaufnahme. Aber dass es auch in Bremen früher oder später zu einem Kampf um die besten Köpfe, oder in diesem Fall, um die besten Hände kommt, davon geht Busch aus. Erste Anzeichen dafür hat er schon erkannt. Viele Betriebe bildeten wieder selbst aus und verließen sich nicht mehr darauf, dass andere über Bedarf ausbilden. Zudem sei eine Tendenz zu erkennen, die Verträge mit Lehrlingen schneller abzuschließen, wenn die Betriebe einen gefunden haben. Früher ließen sich die Handwerker dafür mehr Zeit.

Diesen Kampf um die Köpfe sieht auch Karlheinz Heidemeyer kommen, der Geschäftsführer für Aus- und Weiterbildung bei der Bremer Handelskammer. Hier gibt es derzeit durchaus noch Probleme bei der Besetzung der Lehrstellen. Die Herausforderung sei, diejenigen Jugendlichen in den Ausbildungsmarkt zu integrieren, die Startschwierigkeiten hätten und eben noch nicht auf Anhieb ausbildungsreif seien. Busch spricht von einem Anteil von etwa 20 bis 25 Prozent der Jugendlichen. Viele Unternehmen schulten ihre Auszubildenden bereits nach, sagt Busch, und in Zukunft werde das Thema noch an Bedeutung gewinnen.

Kein Zweifel: Der Ausbildungs- und Arbeitsmarkt befindet sich im Umbruch. In den vergangenen Jahren konnten die Betriebe noch aus dem Vollen schöpfen - das wird sich deutlich ändern. Der demografische Wandel führt dazu, dass die Zahl der Erwerbspersonen stark abnimmt. Nach Prognosen von Forschungsinstituten sinkt die Bevölkerung in Deutschland bis 2050 um zehn auf 72 Millionen Menschen.

Bereits heute gibt es in einigen Bereichen Probleme. So werden etwa Ingenieure händeringend gesucht. 'Die Situation wird sich in den nächsten zehn Jahren deutlich verschärfen', sagt Günter Warsewa, Direktor des Instituts Arbeit und Wirtschaft an der Uni Bremen. Mangel an Arbeitskräften sieht er in einigen Jahren nicht nur bei den Hochqualifizierten, sondern 'in allen Bereichen'.

Also beste Aussichten, dass in Deutschland mittelfristig wieder Vollbeschäftigung herrscht? Warsewa warnt vor zu viel Euphorie. Entscheidend sei, die heutigen Schul- und Lehrstellenabbrecher in Zukunft besser auszubilden und zu fördern. Ansonsten würden diese jungen Menschen keine Chance auf dem Arbeitsmarkt haben. 'Wir hätten dann einerseits einen eklatanten Mangel an qualifizierten Arbeitskräften, auf der andere Seite eine dennoch verstetigte Arbeitslosigkeit.'

Firmen müssen Umdenken

Potenzial sieht er neben diesen Jugendlichen auch bei Älteren und bei Frauen, die nach der Familienpause wieder mehr arbeiten wollten. Ein Umdenken der Firmen sei dazu nötig. Sie müssten den Kontakt zu den Frauen, die für die Kinder ein paar Jahre aus dem Beruf aussteigen, aufrechterhalten und sie etwa an Weiterbildungsmaßnahmen beteiligen. Bei älteren Arbeitnehmern müsse es darum gehen, die körperlichen Belastungen zu reduzieren '20 Jahre haben die Firmen hochleistungsfähige Belegschaften organisiert, jetzt müssen sie mehr Rücksicht auf die Bedürfnisse und Lebenssituation der Beschäftigten nehmen.'

Einen für Arbeitnehmer positiven Effekt könnte das veränderte Verhältnis von Angebot und Nachfrage auf dem Arbeitsmarkt haben: 'Höhere Löhne sind dann leichter durchsetzbar', sagt Annette Düring, DGB-Chefin für die Region Bremen-Elbe-Weser. 'Aber es geht auch darum, die Arbeitsbedingungen zu verbessern. Wir brauchen bessere Arbeitszeitmodelle, mehr Gesundheitsschutz. Dafür müssen die Gewerkschaften kämpfen.'

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