Willenbrock-Chef Lutz Peper

"Der Kampf um die Köpfe hat begonnen"

Bremen. Fachkräftemangel? Klar, das Problem kennt auch Lutz Peper. Derzeit sucht der geschäftsführende Gesellschafter von Willenbrock Fördertechnik 27 Mitarbeiter. Und elf Auszubildende noch dazu. Doch die Laune lässt sich der Zwei-Meter-Mann davon nicht verderben.
07.11.2010, 05:00
Lesedauer: 5 Min
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Von Günther Hörbst
"Der Kampf um die Köpfe hat begonnen"

Lutz Peper, geschäftsführender Gesellschafter des Stapler-Handelsunternehmens Willenbrock Fördertechnik, in der Lagerhal

MARIO WEZEL

Bremen. Fachkräftemangel? Klar, das Problem kennt auch Lutz Peper. Derzeit sucht der geschäftsführende Gesellschafter von Willenbrock Fördertechnik, dem bundesweit zweitgrößten Vertragshändler für Stapler der Marke Linde, 27 Mitarbeiter. Und elf Auszubildende noch dazu. Doch die Laune lässt sich der Zwei-Meter-Mann davon nicht verderben. Er krempelt lieber die Ärmel hoch und tut was dagegen.

Er krempelt lieber die Ärmel hoch und tut was dagegen. Zum Beispiel setzt er Anreize für seine Mitarbeiter, die Augen nach guten Leuten offen zu halten. 1500 Euro kann sich jeder der derzeit rund 400 Willenbrock-Mitarbeiter verdienen, wenn er eine Empfehlung für einen guten neuen Kollegen bringt. Bedingung: Er oder sie muss mindestens die Probezeit überstehen. Außerdem wird demnächst eine Straßenbahn der BSAG durch die Stadt rollen, die mit einer Willenbrock-Werbung eingekleidet sein wird. 'Darauf wird dann zu lesen sein: Willenbrock sucht Sie!', sagt der 57-jährige.

Peper, zuletzt drei Jahre lang Präses der Handelskammer Bremen und ein zutiefst politisch sowie strategisch denkender Mensch, schüttelt insgeheim den Kopf über die Haltung vieler Unternehmen in Deutschland. 'Der Mittelstand, aber auch viele große Betriebe, haben noch nicht realisiert, wie wichtig es ist, sich um gute Mitarbeiter richtig zu bemühen. Der Kampf um die besten Köpfe hat längst begonnen.'

Deshalb investiert Willenbrock massiv in die Ausbildung und geht ganz offensiv und konkret daran, potentielle Mitarbeiter gezielt anzusprechen. 'Wir gehen auf Jobmessen, setzen auf persönliche Kontakte, werben auf unserer Homepage, machen interne Ausschreibungen, werben auf Bussen und demnächst Bahnen', sagt Peper. Investition in Ausbildung, das hat der Willenbrock-Chef früh für sich beschlossen, ist der Schlüssel gegen den absehbaren Mangel an Fachkräften. 'Der Markt ist weitgehend abgegrast', sagt der Vize-Präses der Handelskammer. 'Deshalb ist unsere Reaktion auf den Fachkräftemangel: Wir bilden uns die Fachkräfte selber aus.'

Ausgezeichnete Ausbildung

Lehrlinge des Bremer Linde-Handelsunternehmens bekommen seit Jahren immer wieder Auszeichnungen. Zuletzt gewann ein Willenbrock-Azubi den Hermann-Leverenz-Preis der Handelskammer für die beste Abschlussprüfung. Den jungen Mann hat Peper sofort auf eine leitende Position gesetzt: Er ist verantwortlich für Internet und Intranet der Firma. Ein anderer Lehrling, der 2005 den Ausbildungspreis des AGA Unternehmensverbandes gewonnen hatte, ist heute Geschäftsführer der Willenbrock-Sparte Arbeitsbühnen. 'Übernächste Woche', sagt Peper stolz, ' erhalten wir den Ausbildungspreis der Bundesagentur für Arbeit'.

Der Firmenchef verspricht, dass dieses und auch kommendes Jahr alle willigen Lehrlinge übernommen werden, insgesamt 17 Auszubildende. Von dreien weiß Lutz Peper aber jetzt schon, dass sie anschließend studieren wollen. Bei Willenbrock gibt es dabei die Möglichkeit, den Abschluss Bachelor of Arts und Bachelor of Engineering anzustreben. Für den Firmenchef sind das heute alles Selbstverständlichkeiten. 'Wir müssen jetzt übermäßig viel in die Ausbildung investieren, um für die Zukunft gerüstet zu sein', sagt er. 'Wir haben dann einen klaren Vorteil gegenüber den Wettbewerbern, die das nicht machen.'

Denn schließlich hat der gebürtige Bremer das Ziel, den Stapler-Händler weiter wachsen zu lassen. Das, sagt er, kann er jedoch nur mit guten, jungen Leuten erreichen. Und da schließt sich dann der Kreis der Peperschen Firmenphilosophie. Denn um diese jungen Leute gut ausbilden und sie anschließend auf verantwortliche Positionen setzen zu können, benötigt er die nötigen Mittel. Und die, sagt Peper, 'bringt mir Wachstum.' Wenn er den Begriff definieren soll, dann spricht der gelernte Industriekaufmann Wirtschafts-Klartext: 'Wachstum heißt, anderen etwas wegzunehmen, wenn wir uns in gesättigten Märkten bewegen', sagt er. 'Dazu müssen wir besser sein als die Wettbewerber.'

Das Wachstumsziel hat der Hobbyrennfahrer, der das Rennlenkrad seines Porsche 911 gerne auf der Fensterbank in seinem Büro platziert, konkret formuliert: 'Wir wollen unseren Marktanteil von derzeit 30 auf 35 Prozent steigern. Bis Ende 2011 werden wir dann rund 440 Mitarbeiter haben.' Der Unternehmenserfolg - der Umsatz der gesamten Firmengruppe beträgt rund 114 Millionen Euro pro Jahr - ist jedoch abhängig von der Marke Linde. 'Das ist jedoch eine Symbiose. Die Marke lebt auch von uns.'

Und diese Symbiose besteht seit fast 50 Jahren. Heinz-Georg Willenbrock hatte das Unternehmen 1962 gegründet. Der Gründer ist heute schon über 90 Jahre alt. Er wird in Gesprächen mit einem Autoren dabei helfen, eine Firmenchronik herzustellen. Die soll dann pünktlich zum 50. Jubiläum der Firmengründung im Jahr 2012 fertig sein. 'Historie ist uns wichtig', betont Lutz Peper. '50 Jahre sind in Bremen zwar nicht viel, wir sind dennoch sehr stolz darauf. Wir können noch nicht von Tradition sprechen - Geschichte haben wir aber bereits.' Peper, der nebenberuflich auch als Handelsrichter tätig ist und im Aufsichtsrat der Sparkasse Bremen sitzt, hat Willenbrock zusammen mit Hermann Richter 1986 übernommen. Damals hatte das Unternehmen knapp 25 Mitarbeiter. Peper hat aus ihm ein in der Branche führendes mittelständisches Unternehmen gemacht.

Die Krise im vergangenen Jahr hat sein Unternehmen aber wie viele Händler der Investitionsgüter-Branche schwere getroffen. Die Aufträge sind in einer Weise eingebrochen, wie es nie zuvor geschehen ist. Um bis zu 50 Prozent weniger Bestellungen gab es im Krisenjahr 2009. Es war die bislang größte Herausforderung für den Stapler-Händler. Dennoch gab es keine Entlassungen. Im Gegenteil. Willenbrock hat 2009 sogar weiter ausgebildet.

Jetzt, wo die Auftragsbücher plötzlich wieder so voll sind, dass die Bestellungen kaum abgearbeitet werden können, zahlt sich die Strategie aus, das Stammpersonal gehalten zu haben. Wobei der Firmenchef klagt, dass er noch produktiver sein könnte, wenn er die nötigen Leute für die Wachstumsbereiche finden würde. Doch mit Lamentieren will sich Peper nicht aufhalten. Er ist einer, der lieber macht. Und das Machen fällt einem Chef leichter, wenn er was darstellt. Peper stellt was dar: Fast zwei Meter groß, ein Kreuz wie ein Ringer, die Stimme fest und unmissverständlich. Der Willenbrock-Chef ist ein Typ.

Service als tragende Säule

Seine Führungsphilosophie sei denkbar einfach, sagt er. 'Ich will meine Mitarbeiter dazu motivieren, den bestmöglichen Mehrwert für unsere Kunden zu bieten. Dazu spreche ich viel mit den Leuten. Und ich respektiere sie.' Wenn was schief läuft, könne er auch mal laut werden. Das sei jedoch nie persönlich gemeint. Er sei jemand, dem es immer um die Sache ginge.

Service ist bei Willenbrock eine tragende Säule des Geschäftsmodells. In der Logistikwirtschaft - BLG, Fiege und Eurogate gehören zu Pepers Hauptkunden - muss ein Rädchen ins andere greifen. Wer Zeit verliert, verliert Geld. Um den Kundenforderungen nach kurzen Reaktionszeiten entsprechen zu können, unterhält Willenbrock ein flächendeckendes Servicenetz mit 160 speziell geschulten Technikern. 'Wir reagieren in Windeseile, um Stillstandszeiten so minimal wie möglich zu halten', sagt Peper. Und er betont, dass seine Monteure selbst an Feiertagen rund um die Uhr erreichbar sind.

Dieser Kundendienst ist eins der Geheimnisse des Willenbrock-Erfolgs. Findet zumindest Lutz Peper. 'Wir sind ganz nah dran, haben in unserem Verkaufsgebiet in Norddeutschland ein dichtes Netz an Service-Stellen. Und der 24-Stunden-Notdienst funktioniert. Zudem haben wir die Ersatzteile für die rund 170 verschiedenen Fahrzeugtypen hier in Bremen vor Ort. Die Kunden müssen nicht lange darauf warten, weil wir sofort liefern können.'

Richtig stolz ist Lutz Peper auf die Sonderanfertigungen, die seine Ingenieure und Techniker für Firmen bauen. Fr eine Behindertenwerkstatt in Ostfriesland hat Willenbrock einen Stapler gebaut, auf dem sich ein Rollstuhlfahrer mit seinem Gefährt so befestigen lässt, dass auch er das Gerät bedienen kann. Für Nordland-Papier in Dörpen hat der Bremer Stapler-Händler einen Papierrollentransporter gebaut. Auf dem können Papierrollen mit einem Gewicht bis zu 7,5 Tonnen zu den Schneidemaschinen transportiert werden.

Viel zu tun also für Lutz Peper - auch deshalb, weil er in vielen anderen Funktionen und Ehrenämtern tätig ist. In den 90er Jahren hat sich Peper auch als Politiker versucht. 'Damit', sagt er jedoch bestimmt, 'bin ich ein für alle mal durch.'

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