Autobahnen um Bremen herum Der Ring wird erst in ferner Zukunft geschlossen

Bremen. In den kommenden Monaten stehen wichtige Weichenstellungen für den Autobahn-Ringschluss um Bremen bevor. Das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig entscheidet über die Klage der Bürger in Kattenturm. Außerdem nimmt der Tunnelbau in Seehausen klare Konturen an.
24.04.2010, 07:40
Lesedauer: 4 Min
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Der Ring wird erst in ferner Zukunft geschlossen
Von Michael Brandt

Bremen. In den kommenden Monaten stehen wichtige Weichenstellungen für den Autobahn-Ringschluss um Bremen bevor. Das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig entscheidet über die Klage der Bürger in Kattenturm. Außerdem nimmt der Tunnelbau in Seehausen klare Konturen an. Zuständig für die Umsetzung des Autobahnbaus ist seit einigen Monaten die Deges Deutsche Einheit Fernstraßenplanungs- und -bau GmbH. Mit Deges-Geschäftsführer Dirk Brandenburger sprach Michael Brandt über Fristen und Finanzierungsprobleme.

Derzeit ist der Bauabschnitt 3/2 der Autobahn281 in Bau. Er führt am Güterverkehrszentrum vorbei in Richtung Seehausen. Verzögert sich die Fertigstellung durch den langen Winter?

Dirk Brandenburger: Der Winter hat uns ganz schön zu schaffen gemacht. Aber der Termin für die Freigabe dieses Teilstücks ist nicht in Gefahr. Ende 2013, Anfang 2014 wollen wir fertig werden.

Wann ist die Autobahn-Eckverbindung fertig, von der A 27-Anschlussstelle Industriehäfen bis nach Brinkum?

Die geplante Bundesstraße B6n, in Bremen auch als 5. Bauabschnitt bezeichnet, die vom Flughafen bis Brinkum führen soll, passt nur bedingt in diesen Rahmen. Die B6n ist im Bundesverkehrswegeplan in die Kategorie 'weiterer Bedarf' eingestuft, während sich die A281 im vordringlichen Bedarf befindet. Wenn der Bund von der A281 spricht, meint er den Ringschluss durch den Wesertunnel und den Anschluss an die A1 durch den Arster Zubringer.

Dann klammern wir den 5. Bauabschnitt aus. Wann ist die A281 fertig? Als letztes kommt doch dann wahrscheinlich der Wesertunnel bei Seehausen?

Den Planfeststellungsbeschluss für den 4. Bauabschnitt, also den Wesertunnel, erwarten wir noch im zweiten Quartal 2010, also bis Ende Juni. Dann müssen wir abwarten, ob wie beim Bauabschnitt 2/2 von betroffenen Bürgern Klage erhoben wird. Nach der Konzessionärssuche kommen drei bis vier Jahre Bauzeit. Wir streben die Fertigstellung 2016 an.

Bleibt es beim Einschwimm- und Absenk-Verfahren, gegen das die Bürger in Seehausen bereits rechtliche Schritte angekündigt haben?

Ich sehe keinen Ansatzpunkt, warum wir im laufenden Verfahren eine Änderung vornehmen sollten. Ob es aufgrund von Einwendungen und Klagen zu Änderungen kommen muss, müssen wir abwarten.

Geplant ist, den Tunnel von einem privaten Investor bauen zu lassen, der dafür über einen Zeitraum von vielen Jahren Maut erheben darf. Gibt es Gespräche mit Interessenten?

Im Augenblick führen wir Gespräche mit dem Bund darüber, wie wir mit dem Tunnel im Rahmen einer öffentlich-privaten Partnerschaft an den Markt gehen können. Die Konzessionärssuche kann erst erfolgen, wenn wir gültiges Baurecht für das Vorhaben absehen können. Generell sind Partnerschaften mit der öffentlichen Hand interessant für die Unternehmen, wie bisherige ÖPP-Projekte zeigen.

Kein Teilstück ohne Streit: Die betroffenen Bürger klagen vor dem Bundesverwaltungsgericht gegen den Abschnitt 2/2 zwischen Flughafen und Kattenturm. Wann erwarten Sie das Urteil?

Wir haben Signale aus Leipzig, dass sich die Richter im Sommer äußern wollen. Das war unsere Hoffnung, damit wir im Spätsommer weiterbauen können.

Was ist Stand beim 5. Bauabschnitt?

Bremen soll für die Planungen zur B6n die Federführung übernehmen. Darüber wird gemeinsam mit dem Land Niedersachsen eine Vereinbarung vorbereitet.

Wann kann man auf diesem Abschnitt fahren?

Wir sind bei diesem Projekt gerade dabei, die ersten Schritte zu machen. Wir müssen zunächst mit dem Bund die Frage klären, ob die B6n in der Dringlichkeit hochgestuft wird. Im Bedarfsplan des Bundes ist diese Strecke außerdem noch als zweistreifig vorgesehen - also mit einer Spur je Richtung. Die Verkehrsprognosen haben ergeben, dass das nicht ausreicht und voraussichtlich vier Fahrstreifen, je zwei in eine Richtung, erforderlich werden.

Gemeinsam mit dem Runden Tisch, an dem auch die Bürgerinitiativen sitzen, hat Bremen eine Wunsch-Variante entwickelt: unter der Rollbahn des Flughafens hindurch und möglichst weit entfernt von der Wohnbebauung - bleibt es dabei?

Die letzte Entscheidung darüber liegt beim Bund. Dort ist die Wunschvariante bekannt. Man muss dabei die Kostenentwicklung einerseits und den Nutzen andererseits betrachten. Aber grundsätzlich ist es so, dass die Finanzierungslast beim Bund liegt und dort auch - in Abstimmung mit Bremen - über die Linienführung entschieden wird.

Letzte Schätzungen beziffern die Kosten für den Abschnitt unter der Startbahn hindurch nach Brinkum auf 270 Millionen Euro.

Wir haben keinen Anhaltspunkt dafür, dass die Lösung noch teurer werden könnte. Wir werden uns die Planungen vor weiteren Abstimmungen mit dem Bund aber noch einmal genau ansehen. Technisch ist die Untertunnelung der Start- und Landebahn machbar. Dass dies unter laufendem Betrieb geschehen soll, macht den Bau natürlich teuer. Wenn es da eine andere Lösung gäbe, würde sich das bei den Kosten deutlich bemerkbar machen.

Stimmen die Signale, dass der Bund nur die Kosten für eine ebenerdige Führung übernimmt, Bremen also das Extra für den Tunnel aus eigener Tasche zahlen muss?

Ich kenne solche Signale nicht.

Noch einmal die Frage: Wann können die Bremer und die Unternehmen den Abschnitt nutzen? Die Rede ist von 2020.

Die Planungen nehmen rund eineinhalb bis zwei Jahre in Anspruch. Das Planfeststellungsverfahren ebenfalls. Danach kommt der Bau mit rund drei bis vier Jahren. Es kann also in diese Richtung gehen.

Bekommen Sie da nicht den Druck der Unternehmen und der Anwohner zu spüren, die auf Entlastung warten?

Die Deges hat in den vergangenen 16 Jahren 1200 Autobahnkilometer verwirklicht. Jedes Autobahnprojekt steht dabei unter Druck. Dass die Wirtschaft ihre Interessen verfolgt und aufs Tempo drückt, ist nichts Neues. Aber eine Autobahn in so großer Nähe zur Stadt, das ist auch im Bundesvergleich ein herausforderndes Projekt.

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