Schiffbau in der Krise

Verband fordert Subventionen für Schiffbau

Bis zur Pandemie waren Kreuzfahrtschiffe das Rückgrat des deutschen Schiffbaus. Um künftig dort und im Bereich neuer Antriebstechnologien führend zu sein, fordert der Schiffbauverband Subventionen.
05.05.2021, 05:00
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Verband fordert Subventionen für Schiffbau
Von Peter Hanuschke
Verband fordert Subventionen für Schiffbau

Bis zur Pandemie boomte der Kreuzfahrtschiffbau in Deutschland – in erster Linie auf der Papenburger Meyer-Werft. Er war das Rückgrat für den deutschen Schiffbau. Der Verband für Schiffbau und Meerestechnik fordert nun für die Branche bessere Rahmenbedingungen für Europa insgesamt, um eine Wettbewerbsgleichstellung vor allem mit China zu schaffen.

INGO WAGNER/DPA

Der deutsche zivile Schiffbau steckt in der Krise – nicht nur wegen der Corona-Pandemie. Der Verband für Schiffbau und Meerestechnik (VSM) fordert deshalb verbesserte Voraussetzungen und Rahmenbedingungen, die politisch allerdings auf europäischer Ebene umgesetzt werden müssten. Dabei gehe es unter anderem auch um Subventionen, etwa bei der Entwicklung von klimaneutralen Antriebstechnologien, so der VSM. „Wir reden dabei nicht über Protektionismus“, so Hauptgeschäftsführer Reinhard Lüken im Rahmen der VSM-Jahresbilanz, die am Dienstag vorgestellt wurde. Vielmehr gehe es genau um das Gegenteil. „Wir wollen den Wettbewerb wiederherstellen“, sagte Lüken im Bezug auf die seit Jahren stattfindende Subventionspolitik in China.

Seit der Wirtschafts- und Finanzkrise 2008 ist der Bau von herkömmlichen Handelsschiffen komplett von Deutschland und Europa nach Asien abgewandert. Den Schiffbau in Deutschland machte in der letzten Dekade die Fertigung von Kreuzfahrtschiffen, Jachten sowie Behörden- und Marineschiffen aus – und das sehr erfolgreich bis die Pandemie kam: Während sich die Auftragseingänge im Bereich Passagierschifffahrt bei deutschen Seeschiffswerften laut VSM in den letzten fünf Jahren vor der Pandemie im Durchschnitt pro Jahr noch auf 4,3 Milliarden Euro beliefen, fiel der Wert der Neubestellungen in 2020 um 80 Prozent auf 0,9 Milliarden Euro.

"Schon vor der Pandemie hatten wir weitere wichtige Marktsegmente, zuletzt bei den RoRo-Schiffen und Fähren, aufgrund von massiven Subventionen und Marktverzerrungen an chinesische Wettbewerber verloren", so VSM-Präsident Harald Fassmer. Europa habe dagegen nichts unternommen. Vielleicht sei der Leidensdruck nicht hoch genug gewesen, weil bis zur Pandemie der Kreuzfahrtschiffbau boomte. Nun müssten die strukturellen Schwächen des europäischen Schiffbaus auch für die Politik deutlich sichtbar geworden sein. „Als Mittelständler können Sie gegen strategisches Handeln des chinesischen Staates nicht ankommen." Werde da nicht gegengesteuert, werde das weitreichende Folgen haben, so Fassmer: Es gehe nicht nur um die 20.000 Arbeitsplätze auf den Werften, sondern um die gesamte Wertschöpfungskette im Schiffbau mit insgesamt mehr als 200.000 Arbeitsplätzen in Deutschland.

Seit 2000 habe China die Produktion im eigenen Land laut einer US-Studie mit Schiffbau-Subventionen von über 200 Milliarden Euro explodieren lassen, so Lüken. Zudem sei China seit ein paar Jahren sehr aktiv im Marineschiffbau unterwegs und habe die größte Marine der Welt aufgebaut.

Noch stehe der Marineschiffbau in Deutschland im Vergleich zum zivilen Schiffbau besser da, so VSM-Präsidiumsmitglied Friedrich Lürßen von der Bremer Lürssen-Gruppe. Der größte Kunde, die Deutsche Marine, habe auch einen Nachholbedarf, weil viele ihrer Schiffe älter als 30 Jahre seien. Sorge bereite die steigende Staatsverschuldung, weil sich das eventuell negativ auf die Budgets der Marine auswirken könne. Wünschenswert wären leichtere Exportbedingungen wie es sie in anderen europäischen Ländern gebe.

Hilfreich wären insgesamt staatliche Innovationshilfen, so Bernard Meyer von der Meyer-Werft und stellvertretender VSM-Präsident. Aber auch die Reeder sollten sich künftig überlegen, wo sie ihre Schiffe bestellen. Es mag ja nett gewesen sein, Schiffe zu Dumpingpreisen in China zu bestellen. Aber die chinesische Subventionspolitik ziele nicht nur auf die europäischen Werften ab, langfristig wolle China auch 50 Prozent der weltweiten Handelsflotte besitzen. Das könne wohl kaum im Sinne der Reeder sein.

Neben Innovationshilfen sei auch wichtig, dass Politik den Rahmen setze, in welche Richtung klimaneutrale Antriebe entwickelt werden sollen, so Uwe Lauber von MAN Energy Solutions, ebenfalls stellvertretender VSM-Präsident. Technologisch sei alles möglich, „doch wir müssen aufs richtige Pferd setzen, sonst können wir nicht investieren.“

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