Deutsches Milchkontor DMK baut neuen Firmensitz

Das DMK hat sich für eine neuen Standort seiner Verwaltung entschieden. Wann der Umzug für 700 Mitarbeiter beginnt und was die Corona-Pandemie mit der Entscheidung für einen Neubau zur Miete zu tun hat.
26.03.2021, 06:06
Lesedauer: 3 Min
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DMK baut neuen Firmensitz
Von Stefan Lakeband

Das Deutsche Milchkontor (DMK) spürt die Corona-Pandemie in vielerlei Hinsicht. Am auffälligsten dürfte wohl sein, was bis 2023 in Laufweite der aktuellen Niederlassung entsteht: Das DMK plant eine neue Zentrale für die rund 700 Verwaltungsmitarbeiter in Bremen.

Nicht erst seit der Pandemie wisse man, dass die Welt des Arbeitens immer flexibler und kooperativer werde, heißt es in einer Mitteilung von Donnerstag. Themen wie Homeoffice, zeit- und ortsunabhängige Flexibilität oder standort- und länderübergreifende Teamarbeit hätten das DMK schon länger beschäftigt. „Neues Arbeiten benötigt aber auch die richtigen räumlichen Rahmenbedingungen“, sagt Personalchefin Ines Krummacker. „Neben den Arbeitsbedingungen für unsere Mitarbeiter waren die Wirtschaftlichkeit des Gebäudes sowie der Standort ausschlaggebend.“ Zudem laufe der Mietvertrag der aktuellen Immobilie aus. Auch ins neue Gebäude wird das DMK zur Miete einziehen.

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Mit dem neuen Gebäude, das von Justus Grosse entwickelt und gebaut wird, will das DMK daher auf die neuen Bedürfnisse eingehen. Die Raumaufteilung im Neubau solle besser und flexibler werden; feste Arbeitsplätze stünden hingegen nicht so sehr im Fokus. „Das Büro wandelt sich zu einem Ankerpunkt für Infrastruktur, Austausch und Sozialkontakte“, heißt es in der Mitteilung. Die neuen Räume sollen einerseits Platz für Gespräche und Vernetzung geben, andererseits sollen sich die Mitarbeiter auch zurückziehen können, um konzentriert zu arbeiten. Auch die Nachhaltigkeit soll eine Rolle spielen. So soll das neue Gebäude ein Blockheizkraftwerk bekommen, ein Gründach und eine Fotovoltaikanlage. Das DMK wird auch ins neue Gebäude zur Miete einziehen.

Wirtschaftssenatorin Kristina Vogt freut sich über solche Nachrichten. „Bremen ist ein bedeutender Standort der Nahrungs- und Genussmittelwirtschaft. Und eine Stärke dieser Industrie ist, dass sie sich regelmäßig neu erfindet.“ Dass sich mit dem DMK ein „Schwergewicht der Branche“ zu Bremen bekenne, sei ein gutes Zeichen.

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Welche Vorteile so ein „Schwergewicht“ haben kann, zeigt sich beim Blick auf das vergangene Jahr. So liegt das vorläufige Geschäftsergebnis bei etwa 24,9 Millionen Euro – und damit trotz der Pandemie in etwa auf dem Niveau des Vorjahres. „Der Lebensmittel-Einzelhandel mit Edeka, Lidl, Rewe und Aldi an der Spitze hat in der Krise zugelegt, was damit auch für unsere Marken- und Handelsprodukte gilt“, sagte Finanzvorstand Frank Claassen diese Woche auf den regionalen Mitgliederveranstaltungen der Genossenschaftsmolkerei, die coronabedingt digital durchgeführt wurden. Doch während das DMK dort profitierte, sei es im sogenannten Foodservice-Markt eng gewesen. Die Kunden in diesem Segment kommen aus der Gastronomie und Hotellerie und verarbeiten Käse, Sahne oder Butter für ihre eigenen Zielgruppen weiter. Normalerweise gehöre dieser Markt zu den absoluten Wachstumstreibern, sagt DMK-Vorstandschef Ingo Müller. „Dementsprechend schmerzt der Lockdown, der dieses Geschäftsfeld maßgeblich beeinflusst.“ Daher ist er auch für das laufende Geschäftsjahr vorsichtig. Insgesamt beziffert das DMK den Corona-Effekt auf etwa 100 Millionen Euro. Darunter fallen Kosten für erhöhten Mehraufwand, aber auch ausgebliebener Umsatz.

Erfreuliche Nachrichten gab es für die Landwirte, die Milch an das DMK liefern. „Auch wenn wir wissen, dass das branchenweite Milchpreisniveau bei den notwendigen Investitionen für Tierwohl oder Nachhaltigkeit auf den Höfen insgesamt zu niedrig ist – DMK gehört zu den wenigen Molkereien, die den Auszahlungspreis im Jahr 2020 im Vergleich zum Vorjahr erhöhen konnten“, sagt Claassen. In der gesamten Branche sei der Preis hingegen um knapp einen Cent gefallen. Seit Anfang des Jahres zeichne sich zudem weitere Besserung ab, da die Preise für Molkereiprodukte steigen. Ziel des DMK sei es, diese Steigerung an die Landwirte weiterzugeben.

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Zur Sache

Bremerland erfolgreich

Vor gut einem Jahr reaktivierte das DMK eine vor allem in Bremen alte bekannte Marke: Seit April 2020 gibt es wieder Bremerland-Produkte in den Supermärkten der Region. Mit dem Neustart ist das Unternehmen bislang sehr zufrieden. „Es ist uns gelungen, mitten im ersten Lockdown ins Rennen zu gehen“, teilt Sprecher Oliver Bartelt mit. Innerhalb kürzester Zeit habe man die Milchtüten in vielen Bremer Supermärkte und mit Lidl bei einem großen Discounter in die Kühlregale gebracht. Konkrete Zahlen zum Bremerland-Absatz nennt das Unternehmen nicht. Man habe jedoch festgestellt, dass die Marke „im Bremer Bewusstsein immer noch tief verankert und positiv besetzt“ ist. 1965 wurde der Name Bremerland erdacht, 2005 wieder abgeschafft und durch die DMK-Eigenmarke Milram ersetzt. Vor einem Jahr gab die Molkerei dann das Comeback bekannt. Seitdem liefern 15 Bremer Landwirte mit rund 1000 Kühen Milch, die nun mit 1,5 oder 3,7 Prozent Fett in Bremen und der Region verkauft wird.

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