Streit um Sanierungskosten

„Gorch Fock“: Bremerhavener Bredo-Werft geht leer aus

Im Gerichtsstreit um die Kosten für die Sanierung der „Gorch Fock“ hat die Bremerhavener Bredo-Werft gegen das Verteidigungsministerium verloren.
21.11.2020, 05:00
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„Gorch Fock“: Bremerhavener Bredo-Werft geht leer aus
Von Jürgen Hinrichs
„Gorch Fock“: Bremerhavener Bredo-Werft geht leer aus

Das Marine-Segelschulschiff "Gorch Fock" im Dock der Bredo-Werft. Heute liegt es bei Lürssen in Bremen und wird dort fertig gebaut.

Mohssen Assanimoghaddam /dpa

Kein Geld vom Bund für die Bredo-Werft in Bremerhaven: Nach einer Entscheidung des Bremer Landgerichts von Freitag erhält die Dockgesellschaft vom Verteidigungsministerium kein Geld für Arbeit, Material und Dockkosten im Zusammenhang mit der Sanierung des Segelschulschiffes „Gorch Fock“. Bredo hatte 10,5 Millionen Euro gefordert. Das Gericht schlug im Juni einen Vergleich über 2,35 Millionen Euro vor. Das lehnten beide Seiten ab.

Bredo-Geschäftsführer Dirk Harms sagte unmittelbar nach dem Termin im Landgericht gegenüber dem WESER-KURIER, dass er unverändert von der Rechtsposition seines Unternehmens überzeugt sei. Sie werde durch entsprechende Gutachten untermauert. Das Urteil nehme er zur Kenntnis. Der im Juni vom Gericht vorgeschlagene Vergleich sei zu dem Zeitpunkt nicht infrage gekommen. Bredo werde mit seinen Gesellschaftern und Anwälten nun prüfen, in die Berufung zu gehen. Trotz des finanziellen Ausfalls, der bislang durch die Kosten beim Auftrag für die „Gorch Fock“ entstanden sei, stehe die Werft mit ihren rund 300 Beschäftigten gut da. „Wir haben genug zu tun“, erklärte Harms.

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Die Bremerhavener Werft war bei der „Gorch Fock“ Ende 2015 als Subunternehmer hinzugenommen worden. Hauptauftragnehmer war die Elsflether Werft AG, die bereits vorher viele Aufträge von der Marine bekommen hatte. Sie machten 80 Prozent des Umsatzes aus. Den Zuschlag für die „Gorch Fock“ bekamen die Elsflether für ihr Angebot, den Großsegler mit einem Aufwand von 9,6 Millionen Euro instandzusetzen. Bredo kam mit ins Boot, weil die Werft ein hinreichend großes Trockendock besitzt.

Gut zwei Jahre später, im März 2018, stand es schwarz auf weiß in einer Vereinbarung, was bis dahin nur vermutet wurde: Die Baukosten waren geradezu explodiert und lagen nun bei einer Obergrenze von 135 Millionen Euro. Auf diesen Deckel hatte sich die Elsflether Werft AG mit der Marine geeinigt. Gezahlt waren bis dahin knapp 70 Millionen Euro.

Der Fall wurde zum Politikum

In den Monaten danach verfestigte sich im Verteidigungsministerium der Eindruck, dass die Sanierung ein Fass ohne Boden ist. Der Fall wurde zum Politikum und zu einer Bedrohung für die damalige Ministerin. Ursula von der Leyen (CDU), heute Präsidentin der Europäischen Kommission, veranlasste Ende 2018 schließlich einen Zahlungsstopp. Für die Elsflether Werft bedeutete das die Insolvenz, nichts ging mehr, die Arbeiten ruhten.

Doch was hatte die Kosten so sehr in die Höhe getrieben? Für von der Leyen gab es keinen Zweifel: „Die alte Geschäftsführung hat, soweit wir das bisher aufklären konnten, Summen in Millionenhöhe, die die Bundeswehr ihr bereits für die ,Gorch Fock‘ bezahlt hat, nicht an die Subunternehmer weitergeleitet.“ Stattdessen sei das Geld in ein Firmengeflecht geflossen, dass die Vorstände unabhängig von der Werft aufgebaut hätten. Die Gegenseite konterte damals mit dem Hinweis, dass die Marine bei der Sanierung ständig etwas Neues gewollt und die „Gorch Fock“ damit immer teurer gemacht habe.

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Wie es tatsächlich war, werden die Gerichte klären. Zunächst müssen aber die Ermittlungen abgeschlossen sein. Zuständig ist die Staatsanwaltschaft Osnabrück. Sie beschuldigt zwei ehemalige Werftvorstände und einige Marineangehörige wegen Betrugs, Untreue und Korruption. Auch Zulieferer sind im Visier. Der Gesamtkomplex zählt nach Angaben der Staatsanwälte mehr als 100 Einzelverfahren.

3,6 Millionen Euro Schadenersatz

Die Bredo-Werft kann nichts dafür, dass sie Teil des ganzen Schlamassels geworden ist. Ein Subunternehmer trage aber das Risiko, wenn ein Hauptauftragnehmer insolvent werde, sagte Gerichtssprecher Gunnar Isenberg. Deshalb sei die Klage der Werft abgewiesen worden. Auch die Gegenklage des Bundes sei nicht stichhaltig gewesen. Die Marine hatte von der Bredo-Werft 3,6 Millionen Euro Schadenersatz für angeblichen Baupfusch auf der „Gorch Fock“ verlangt.

Seit Herbst 2019 hat nicht mehr die insolvente Werft in Elsfleth den Auftrag, die „Gorch Fock“ zu sanieren, sondern die Lürssen-Werft in Bremen. Das Schiff soll Ende Mai 2021 fertig werden.

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