Quetschies für Kinder

Die Kariesgefahr aus der Tüte

Quetschies sind praktisch und bei Kindern äußerst beliebt. Doch die Verbraucherzentrale Bremen kritisiert bei dem Fruchtpüree aus dem Plastik-Quetschbeutel nicht nur den hohen Zuckergehalt.
06.11.2017, 17:54
Lesedauer: 3 Min
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Die Kariesgefahr aus der Tüte
Von Florian Schwiegershausen

Sie heißen Quetschies und liegen in den Regalen meist neben dem Babybrei. Dabei handelt es sich um Fruchtpüree aus dem Quetschbeutel. Die Kinder können daran nuckeln und sich den Inhalt selbst aus der Tüte herausdrücken. Aber tun Eltern ihrem Kleinkind mit diesen Quetschies wirklich etwas Gutes? Das wollte die Verbraucherzentrale Bremen wissen und hat im September und Oktober zehn verschiedene Quetschies gecheckt.

Sieben Hersteller warnen auf ihren Produkten

Bequem sind sie ja. Aber der Blick auf den Zucker gibt schon einen ersten Hinweis. Zwar bewerben die Hersteller ihre Fruchtpüree-Produkte mit „ohne Zuckersatz“ oder „ausschließlich fruchteigene Süße“. Doch der Fruchtzuckergehalt ist teilweise sehr hoch. Die Hälfte der Produkte enthält mehr als 12,5 g Zucker pro 100 g. Äpfel, die der Hauptbestandteil der meisten Quetschies sind, enthalten von Natur aus 10,3 g Zucker pro 100 g. „Doch das Fruchtpüree Apfel-Aprikose vom Hersteller Genuss Plus Kids mit dem höchsten Zuckeranteil, 16,8 g pro 100 g, enthält neben dem Zucker aus püriertem Obst auch noch Fruchtsüße aus Traubensaftkonzentrat, also völlig überflüssigen, zusätzlichen Zucker“, sagt Annabel Oelmann, Vorstand der Verbraucherzentrale Bremen.

Ein weiteres Problem ist das Dauernuckeln an den Quetschbeuteln. Dass sei nicht nur aufgrund der erhöhten Kariesgefahr schädlich. So weist der Deutsche Bundesverband für Logopädie darauf hin, dass Eltern ihre Kleinkinder frühzeitig, also bis zum Alter von drei Jahren, beim Abgewöhnen des Nuckelns (Schnuller, Flasche) unterstützen sollten. Dadurch ließen sich andere Probleme wie kieferorthopädische Eingriffe im Kindes- und Jugendalter verhindern. Wird dagegen frisches Obst, wie etwa ein kleingeschnittener Apfel gegessen, fördert dies die Kaumuskulatur und die kindliche Sprachentwicklung. „Einige Hersteller haben diese Problematik erkannt. Drei Hersteller empfehlen, das Fruchtpüree mit dem Löffel zu geben oder es dem Kind zum Löffeln zu überlassen, so wie Eltern es auch bei einem Babybrei tun würden“, so Oelmann weiter.

Sieben Hersteller warnen auf ihren Produkten vor Karies durch häufiges oder dauerhaftes Umspülen der Zähne mit dem Beutel-Fruchtpüree. Drei weisen dabei auch auf regelmäßige Zahnpflege hin. Doch gerade von den fünf Produkten mit dem höheren Zuckeranteil warnen zwei nur vor dem Dauernuckeln, ohne dabei weiter auf die kariesfördernde Wirkung hinzuweisen. Apfelino vom Hersteller Spreewaldkonserve mit dem zweithöchsten Zuckeranteil enthält als einziges keinen Warnhinweis.

Viel Plastikmüll

Zurück zur Zusammensetzung: Mit bis zu 77 Prozent ist die Hauptkomponente pürierter Apfel. Manche Produkte bestehen nur aus püriertem Obst, einigen sind auch Saft und Saftkonzentrate zugefügt. Bis auf zwei Ausnahmen wird ausschließlich bio-zertifiziertes Obst verwendet. Zwei Produkte enthalten Ascorbinsäure, also Vitamin C, zwei weitere Zitronensaftkonzentrat. „Ascorbinsäure wird als Antioxidationsmittel zugesetzt, um Reaktionen mit Sauerstoff zu verhindern“, erklärt Gertraud Huisinga, Ernährungsexpertin der Verbraucherzentrale Bremen. „Zitronensaftkonzentrat wiederum ist ein Säuerungsmittel, wird also als geschmacklicher Ausgleich zu den süßen Früchten eingesetzt. Dabei besteht jedoch das Risiko, dass der Zahnschmelz durch die Säure angegriffen wird. Dies gilt erst recht bei längerem Nuckeln“ warnt Huisinga.

Annabel Oelmann kritisiert auch, dass Quetschies im Vergleich zu frischem Obst viel Plastikmüll verursachen: "Neben der Tüte fällt bei jeder Portion auch der große Verschluss an. Diese Übergröße macht den Verschluss zwar verschlucksicherer, führt aber zu weiterem Müll.“ Außerdem seien Quetschies im Vergleich Babyobstbrei teuer. 100 Gramm Fruchtpüree aus dem Quetschbeutel kosten bis zu 0,94 Euro, das günstigste Produkt kostet 0,47 Euro pro 100 g. Babyobstbrei im Glas ist für etwa 0,30 bis 0,50 Euro pro 100 g erhältlich. Oft enthält Babybrei jedoch neben Fruchtpüree auch ein paar günstigere Zutaten wie Zwieback, Reisstärke, Apfelsaft aus Apfelsaftkonzentrat oder einen stark erhöhten Apfelanteil.

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