Risiko Geschäftsreise

Was man bei Dienstreisen ins Ausland beachten muss

Trotz Pandemie gibt es immer noch Menschen, die geschäftlich im Ausland unterwegs sein müssen. Schon vor der Reise sorgen Unternehmen daher vor.
02.03.2021, 20:45
Lesedauer: 3 Min
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Was man bei Dienstreisen ins Ausland beachten muss
Von Stefan Lakeband
Was man bei Dienstreisen ins Ausland beachten muss

Ungewohntes Bild: Auch am Londoner Flughafen Heathrow fehlen die Geschäftsreisenden. Viele Unternehmen schicken ihre Mitarbeiter nur in Ausnahmefällen los.

May James/dpa

Leere Bahnsteige, kaum befahrene Straßen, verwaiste Gates am Flughafen: Die Corona-Pandemie hat das Reisegeschehen zum Erliegen gebracht. Vor allem Urlaube finden kaum statt. Doch auch bei geschäftlichen Reisen hat sich einiges verändert. Ende Februar gaben in einer Umfrage des Verbands Deutsches Reisemanagement (VDR) 14 Prozent der befragten Unternehmen an, Geschäftsreisen ausnahmslos verboten zu haben; 77 Prozent gestatten sie nur in wirklichen Ausnahmefällen.

Arbeitgeber haben eine Fürsorgepflicht für ihre Beschäftigten

Mit solchen Ausnahmen haben Marco Röschmann und Sven Aumann aktuell immer wieder zu tun. Die beiden sind Geschäftsführer des Bremer Unternehmens Medical Helpline, eines Dienstleisters, der sich um die Notfallversorgung von Reisenden im Ausland kümmert. Gehörten früher viele Urlauber zu ihrer Kundschaft, sind es seit gut einem Jahr vor allem Menschen auf Dienstreise. „Manche Unternehmen müssen trotz Corona Mitarbeiter ins Ausland senden“, sagt Röschmann. In einigen Branchen sei das unumgänglich, etwa wenn es um große Bauprojekte gehe, aber auch in der internationalen Zusammenarbeit. „Die Unternehmen stehen mit dem Rücken zur Wand. Denn als Arbeitgeber haben sie eine Fürsorgepflicht für ihre Beschäftigten. Gleichzeitig müssen Aufträge erfüllt werden.“

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In diesem Zwiespalt sollen Notfalldienste helfen und Sicherheit geben, die über das hinausgeht, was eine Auslandskrankenversicherung anbietet. Ein großer Teil der Arbeit bei Medical Helpline besteht daher aus Planung. „Wenn uns ein Kunde sagt, dass einer seine Mitarbeiter beispielsweise in den Kongo muss, fangen wir mit der Recherche an“, sagt Röschmann. Wie ist die aktuelle Corona-Lage vor Ort? Welche diagnostischen Möglichkeiten gibt es in der Region? Und wie kann man Patienten aus dem Land bekommen? „Bei einem Notfall muss man schnell reagieren“, sagt Aumann. „Deswegen spielen wir alles schon vorher durch.“ Da gehe es um die medizinische Versorgung, aber auch um banal erscheinende Fragen. „Wir überlegen schon direkt, mit welchem Transportdienst wir einen Kunden vom Hotel zum Flughafen bekommen und über welche Route. Solche Dinge können wir nicht erst organisieren, wenn das Kind in den Brunnen gefallen ist. Das muss im Vorfeld klar sein.“

Nur ein gutes Dutzend Dienstreisen im vergangenen Jahr

Beim Bremer Raumfahrtunternehmen OHB wird vor jeder Dienstreise geprüft, ob sie unbedingt notwendig ist. Vieles könne man per Videokonferenz erledigen. Falls es für das Geschäft doch unabdingbar sei, vor Ort zu sein, analysiere man jeden Einzelfall. „Reise ist nicht gleich Reise“, sagt OHB-Sprecher Günther Hörbst. Jedes Reiseziel werde daher individuell bewertet. Wie ist die Lage vor Ort? Wie nah ist das nächste Krankenhaus? Wie kommen Mitarbeiter im Notfall zurück? Bislang habe es noch keine Probleme gegeben. Zuletzt seien OHB-Mitarbeiter in den Niederlanden und Frankreich unterwegs gewesen. Hörbst betont, dass das aber Ausnahmen seien. Im vergangenen Jahr seien etwa ein gutes Dutzend Dienstreisen absolviert worden.

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Das Bremer Industrieunternehmen Kaefer hat alle Dienstreisen aus administrativen Gründen eingestellt. Stattdessen wird die Arbeit von der Niederlassung im Land organisiert. „Wir führen regelmäßige Ge­fährdungsbeurteilungen durch und ergreifen, falls notwendig, entsprechend zu­sätz­liche Maßnahmen“, teilt eine Sprecherin mit.

Bei Medical Helpline machen mittlerweile Corona-Fälle bei Geschäftsreisenden 80 bis 90 Prozent der Einsätze aus. Wird eine Infektion festgestellt, steht laut Aumann die medizinische Versorgung an oberster Stelle. Mehrmals am Tag werden dann Fieberwerte an die Ärzte des Bremer Unternehmens weitergeleitet. In etwa 20 Prozent der Erkrankungen müssten Patienten zur Behandlung nach Deutschland transportiert werden. Die Geschäftsführer erinnern sich etwa an den Fall eines 39-Jährigen, der im Ausland Corona bekam. Erst sei seine Lage stabil gewesen, dann seien neben dem Fieber aber auch noch Atemprobleme und Herzstolpern aufgetreten. „Da sind wir skeptisch geworden und haben einen Rücktransport in die Wege geleitet“, sagt Röschmann. Als es dem Patienten am nächsten Tag wieder besser gegangen sei, habe man den Transport aber wieder absagen können.

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Zur Sache

Was Dienstreisen aktuell erschwert, ist nicht nur das Virus. Auch die Einreisebestimmungen sind für viele Unternehmen eine Herausforderung – denn jedes Land geht anders damit um. Innerhalb Europas und für den Trip in die USA brauchen Geschäftsreisende etwa häufig einen negativen Corona-Test, um die Quarantäne zu umgehen. Kommen sie zurück nach Deutschland, müssen sie aber meist für mehrere Tage in die Isolation. Und wer nach China will, muss sich in der Regel mehrere Wochen in Quarantäne begeben, bevor er seiner Arbeit vor Ort uneingeschränkt nachgehen kann.

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