Alternative zum E-Antrieb Dieselkraftstoff aus Erdgas

Der Bremer Mineralölhandel ist in die Vermarktung von Diesel aus Erdgas eingestiegen. Laut dem Geschäftsführer verursacht der synthetische DIesel bis zu 25 Prozent weniger Ausstoß an Feinstaub und Stickoxiden.
11.10.2018, 21:12
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Dieselkraftstoff aus Erdgas
Von Florian Schwiegershausen

Autos mit Elektromotoren seien ja schön und gut, aber Ronald Rose kritisiert, dass die Ladeinfrastruktur noch lange nicht reicht. Er ist Geschäftsführer des Unternehmens Bremer Mineralölhandel (BMÖ). Mit Blick auf die Zukunft muss sich seine Firma neu erfinden. Vor diesem Hintergrund ist BMÖ nun in die Vermarktung von Diesel eingestiegen, der aus Erdgas hergestellt wird. Dabei arbeitet das Unternehmen mit dem Mineralölkonzern Shell zusammen. Aber auch andere Konzerne produzieren bereits den Kraftstoff. Der synthetische Diesel, kurz GTL, soll laut Rose bis zu 25 Prozent weniger Ausstoß an Feinstaub und Stickoxiden verursachen.

„GTL wird in Katar aus Erdgas mithilfe von Sonnenenergie hergestellt und dann per Schiff wie herkömmliches Erdöl an den Zielort verschifft", erläutert Rose. Das Herstellungsverfahren dazu wurde 1922 von den deutschen Wissenschaftlern Franz Fischer und Hans Tropsch entwickelt und nach ihnen benannt. Zum Ende des Zweiten Weltkriegs wurden in Deutschland täglich 1600 Barrel Kraftstoffe aus Kohle hergestellt – und damit ebenfalls synthetisch. Shell wiederum baute die erste Anlage für GTL 1993 in Malaysia.

Verkauf nur an registrierte Kunden

GTL ist farblos, geruchlos und sieht aus wie Wasser. BMÖ-Geschäftsführer Rose hat es für die Demonstration rot eingefärbt. Der Kraftstoff ist auch als Heizöl verwendbar. In Bremen und der Region will Rose den Diesel vor allem an Unternehmen mit größeren Fuhrparks verkaufen. Aus rechtlichen Gründen darf er den synthetischen Diesel an den BMÖ-Tankstellen nur an registrierte Kunden verkaufen.

Rose sagt: Wenn ein freier Verkauf möglich wäre, „würde der Liter für den Endkunden etwa zehn Cent pro Liter mehr kosten als herkömmlicher Diesel“. Die Dieselmotoren können mit dem Kraftstoff betankt werden, ohne dass ein einziger Schlauch oder eine einzige Dichtung ausgetauscht werden muss. Einige Unternehmen in Bremen und umzu konnte Rose bereits als Abnehmer gewinnen. Im Blick hat der Geschäftsführer aber auch Fuhrparks der öffentlichen Hand, so könnten etwa Verkehrsunternehmen den Diesel nutzen.

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Damit der synthetische Diesel aber auch von Privatkunden getankt werden kann, muss in Deutschland der Gesetzgeber die Bundesimmissionsschutzverordnung um die europäische Kraftstoffnorm EN 15940 ergänzen. Denn GTL erfüllt bei der Dichte nicht die Spezifikationen der derzeit für herkömmlichen Diesel geltenden Norm EN 590. Andere Länder sind da schon weiter: Die Niederlande beispielsweise erlauben den Verkauf von Kraftstoffen, die nicht der Norm EN 590 entsprechen. In Finnland ist der alternative Diesel sogar steuerbegünstigt.

Dass Rose sich als BMÖ-Geschäftsführer mehr politische Unterstützung für den synthetischen Diesel-Kraftstoff wünscht, wundert nicht. Er will ihn ja schließlich verkaufen. Aus seiner Sicht sprechen die Argumente jedoch für sich: „Bis die Logistik für Elektroautos in Deutschland ein vernünftiges Maß erreicht hat, brauchen wir auf alle Fälle eine Alternative“, meint der Unternehmer. Wie langfristig die Entwicklungsintervalle bei Elektroautos sind, sehe man bei den wasserstoffbetriebenen Elektrofahrzeugen mit Brennstoffzelle, die Roses Meinung nach in den vergangenen Jahren eher ein Schattendasein gefristet haben. Aber auch hier gebe es inzwischen immer mehr Tankstellen, die die Versorgung sicherstellten.

Um den Platz am Markt kämpfen

Seinen eigenen Tankstellen will Geschäftsführer Rose mit seinem Werbefeldzug für den synthetischen Diesel zugleich ein moderneres Image verpassen. Sie sollen in Zukunft stärker als BMÖ-Tankstelle wahrgenommen werden – als Unternehmen, das seinen Sitz in Bremen hat, und zwar im Industriehafen. Damit die Tankstellen Bremer Lokalkolorit haben, verkaufen sie beispielsweise Union-Kaffee und Bier der Union-Brauerei aus Walle – also ebenfalls neuen Kraftstoff für den persönlichen Konsum.

Für den Übergang in die Zeit neuer Energiequellen und Antriebskonzepte sei also gesorgt, sagt Rose. Aber auch danach werde die BMÖ um ihren Platz im Markt kämpfen. „In den Städten kann mit einem grundsätzlichen Einsatz von Elektromobilität gerechnet werden. Aus diesem Grund setzen wir auf die Brennstoffzellen-Technologie.„ So werde die BMÖ im Juli 2019 an ihrer Shell-Tankstelle in Oldenburg in Zusammenarbeit mit der H2-Mobility eine Wasserstofftankstelle errichten. “Auf diese Weise können bereits heute Erfahrungen mit dieser Technologie gesammelt werden.“

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