Frost sprengt Schlaglöcher in Straßen

Dieser Winter wird für Bremen teuer

Bremen. Der Schnee ist weg, jetzt kommen die Rechnungen: Die Räumflotten haben jede Menge Sonderschichten geschoben, und die Straßen litten unter dem Wechselspiel von Schneematsch, Streusalz und frostigen Nächten. Es ist von Mehrkosten im sechsteiligen Bereich die Rede.
21.01.2010, 03:00
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Von Arno Schupp

Bremen. Der Schnee ist weg, jetzt kommen die Rechnungen: Die Räumflotten der Entsorgung Nord (Eno) und des Amts für Straßen und Verkehr (ASV) haben jede Menge Sonderschichten geschoben, und die Straßen litten unter dem Wechselspiel von Schneematsch, Streusalz und frostigen Nächten. Das ASV spricht von Mehrkosten im sechsteiligen Bereich für den Winterdienst, bei der ENO ist von 50 Prozent höheren Kosten die Rede. Völlig offen ist, was es kosten wird, die vielen Schlaglöcher zu stopfen. Und der Winter ist noch lange nicht vorbei.

'In diesem Jahr zahlen wir deutlich drauf', sagt Michael Drost, Sprecher der Eno, die in weiten Teilen der Stadt dafür zuständig ist, Straßen und Radwege zu räumen. Schon Mitte Januar lagen die Kosten für den Winterdienst etwa 50 Prozent über dem Durchschnitt der vergangenen Jahre. Und da die Eno laut Vertrag mit der Stadt eine Fixkosten-Pauschale erhält, haben das Tiefdruckgebiet Daisy und seine Kollegen für ein Minus in der Konzernkasse gesorgt. 'Das ist eben unternehmerisches Risiko', findet Drost. 'Aber unser Vertrag mit der Stadt gilt bis 2018. Das wird sich also hoffentlich wieder ausgleichen.'

Auch im Amt für Straßen und Verkehr, zuständig für den Winterdienst auf Autobahnen, Bundesstraßen sowie in Oberneuland, Borgfeld, Blockland, Habenhausen, Arsten, Huchting und Seehausen, hat der grimmige Winter für Arbeit und Überstunden gesorgt. Und das wird er auch künftig tun, denn kaum ist der Schnee von den Straßen verschwunden, zeigt sich das ganze Ausmaß der Schäden - selbst auf Straßen, die erst vor wenigen Jahren saniert worden sind.

Die kalte Witterung hat laut ASV bisher vor allem an den Asphaltdecken der Hauptverkehrsachsen genagt. Denn während der Schnee in den Nebenstraßen zumeist liegen gelassen wurde, ist auf den wichtigen Straßen der Stadt Salz gestreut worden. Der Schnee ist geschmolzen, Wasser konnte in die kleinen Risse und Unebenheiten der Straßenbeläge eindringen und sie bei Frost auseinander sprengen. Zu beobachten ist das im Moment überall im Stadtgebiet. Die Krater seien allerdings nicht besonders gefährlich für die Autofahrer, heißt es beim ASV. Gleichwohl sind die Verkehrsexperten vorsichtig mit irgendwelchen Prognosen. 'Wir haben es hier mit einer schwer einzuschätzenden Gemengelage zu tun, da wir nicht genau wissen, wie sich das ganze Streusalz auf die Straßen auswirken wird', erklärt ASV-Sprecher Martin Stellmann. Zudem 'müssen wir noch bis Ende Februar mit Frost und Schnee rechnen'. Daher könnten die tatsächlichen Winterschäden auch erst Ende des Frühjahrs bilanziert werden.

Allerdings stehe schon jetzt fest, dass 'wir die Straßen nicht wieder in den Zustand bringen können, in dem sie vor dem Winter waren', sagt Stellmann. Das ist allerdings auch nicht verwunderlich, denn da nicht genügend Mittel zum Straßenerhalt bereitstehen, schiebt die Straßenbaubehörde schon seit Jahren einen enormen Investitionsstau vor sich her.

Eine der Reaktionen darauf war im vorigen Winter, in zwei maroden Straßen das zulässige Tempo auf zehn Stundenkilometer zu begrenzen. 'Das waren jedoch Pflasterstraßen', erläutert Stellmann. Auf diese Straßenart werde der Winter vermutlich keinen großen Einfluss haben. Dafür greift er die Hauptverkehrsstraßen um so mehr an.

Im Verkehrsressort beobachtet man diese Entwicklung mit Sorge - und mit einem leicht hilflosen Schulterzucken. Zwar habe der Senat in den Jahren 2009 und 2010 mit rund elf Millionen Euro deutlich mehr Geld für den Erhalt der Straßen eingeplant als in den Jahren zuvor, 'aber auch das reicht beileibe nicht', räumt Michael Ortmanns ein. Trotzdem, unterstreicht der Sprecher des Verkehrssenators Reinhard Loske, dürfe man die Bremer Infrastruktur deswegen nicht schlechter reden, als sie ist. Für Autofahrer heißt das dann aber schlimmstenfalls, dass sie sich nach dem matschigen Winter auf einen Sommer voller Schlaglöcher einstellen müssen.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+