Neuer Anteilseigner Dieter Petram steigt bei Lloyd-Werft ein

Bremerhaven. Ein Schiffbauunternehmer aus Bremerhaven ist seit gestern Gesellschafter der traditionsreichen Lloyd Werft: Dieter Petram, unter anderem Eigentümer der MWB Motorenwerke Bremerhaven AG, hat den Anteil des italienischen Schiffbaukonzerns Fincantieri übernommen.
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Von Alexander Klay

Bremerhaven. Ein Schiffbauunternehmer aus Bremerhaven ist seit gestern Gesellschafter der traditionsreichen Lloyd Werft: Dieter Petram, unter anderem Eigentümer der MWB Motorenwerke Bremerhaven AG, hat den 20-prozentigen Anteil des staatlichen italienischen Schiffbaukonzerns Fincantieri übernommen. Mittelfristig möchte sich Petram als Mehrheitsgesellschafter an der Lloyd Werft beteiligen - und mit seinem Engagement eine Werftenkooperation in Bremerhaven voranbringen.

Die Verträge sind gestern Vormittag unterschrieben worden, wenig später haben die Mitarbeiter - sofern sie nicht schon im Weihnachtsurlaub waren - per Aushang am Schwarzen Brett vom Einstieg des Bremerhavener Unternehmers erfahren. Für welche Summe die Anteile gestern den Besitzer gewechselt haben, wollte Dieter Petram nicht preisgeben. Stattdessen erklärte er, dass es nicht bei der 20-prozentigen Beteiligung bleiben soll: Bereits Anfang 2011 möchte er weitere Anteile an der Lloyd Werft kaufen, so dass er "knapp über 50 Prozent" an der Werft hält. Weitere Details wollte der Schiffbauunternehmer auch dazu nicht nennen.

Fest steht aber, dass das Land Bremen sich weiterhin an der Lloyd Werft beteiligen wird. Über die Wirtschaftsförderung Bremen (WFB) sitzt Bremen mit 13,16 Prozent mit im Boot. Entgegen früherer Pläne werde der Anteil nicht verkauft, bekräftigte Wirtschaftssenator Martin Günthner (SPD) gestern bei einer eilig einberufenen Pressekonferenz auf dem Werftgelände. Schließlich habe das Land ein großes Interesse am Erhalt des Werftenstandorts Bremerhaven. "Ein Teil unserer industriellen Strategie", erklärte Günthner: "Langfristig ist das die richtige Entscheidung", entgegnete er Kritikern der WFB-Beteiligung.

Freude über Bremerhavener Lösung

Dass einen Tag vor Heiligabend eine Perspektive besiegelt werden konnte, freut besonders Werner Lüken. Der frühere Chef der Lloyd Werft und nun Aufsichtsratsvorsitzender, ist "heilfroh" über die "Bremerhavener Lösung". Schließlich hat Lüken in der Vergangenheit einiges versucht, um die Zukunft "seiner" Werft zu sichern. Mit dem Einstieg von Finanzinvestoren habe es nicht gut geklappt, bedauerte er. Und die Beteiligung des italienischen Staatskonzerns scheiterte schließlich an einer Neuausrichtung bei Fincantieri: Die Lloyd Werft passte einfach nicht mehr ins Konzept. Bei einer "freundschaftlichen Zusammenarbeit" zwischen den Bremerhavenern und Fincantieri solle es aber bleiben, unterstrich Lüken.

Das neue Ziel hat Dieter Petram bereits gesetzt: Bremerhavener Dockgesellschaft (Bredo), Lloyd Werft und die Motorenwerke Bremerhaven sollen im Interessenverband Dockbetriebe enger zusammenrücken, dabei aber ihre Eigenständigkeit beibehalten. Zu einer Fusion solle es nicht kommen, aber an einem Strang könne man trotz des Wettbewerbs ziehen. Denn alle drei Werften haben heute ein im wahrsten Sinne des Wortes großes Problem: immer größer werdende Schiffe. Zwar besitzen sie jeweils mehrere Docks an ihren Standorten. Diese sind aber zu klein für Containerschiffe der aktuellen Generation. Gemeinsam könnte das Bremerhavener Werftenbündnis die Mittel für ein Großdock aufbringen und dieses auch auslasten. Bei den Kosten ist von 50 Millionen Euro die Rede.

Und noch etwas wird sich mit dem Zusammenrücken der Bremerhavener Schiffbauer ändern - nämlich die Arbeitsbedingungen für die Belegschaft der Lloyd Werft und MWB. Nicht zum Schlechten, betonte Dieter Petram: Es soll keine Einbußen bei der Bezahlung geben, die Arbeiter beider Werften sollen weiterhin Tariflohn erhalten, aber er will mehr Flexibilität einfordern. So könnten die Werften gegenseitig Personal ausleihen, wenn spezielle Fachkräfte benötigt werden oder große Aufträge anstehen. "Wenn ich im Dock der Motorenwerft arbeite, ist es das Gleiche, als wenn ich im Dock der Lloyd Werft arbeite", kommentierte Petram. Das habe viele Vorteile: sichere Arbeitsplätze für die krisengebeutelten Bremerhavener und gleichmäßigere Arbeitszeiten, betonten Lüken und Petram. "Die Belegschaft arbeitet dann nicht mehr auf einer Werft, sondern auf den Bremerhavener Werften."

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Einwilligung und Werberichtlinie

Ich erkläre mich damit einverstanden, dass die von mir angegebenen Daten dazu genutzt werden, regelmäßig per E-Mail redaktionelle Inhalte des WESER-KURIER seitens der Chefredaktion zu erhalten. Die Daten werden nicht an Dritte weitergegeben. Ich kann diese Einwilligung jederzeit formlos mit Wirkung für die Zukunft widerrufen, z.B. per E-Mail an widerruf@weser-kurier.de.
Weitere Informationen nach Art. 13 finden Sie unter https://www.weser-kurier.de/datenschutz

Schließen

Das Beste mit WK+