Start der Integrationswoche Diskussion: Ausbildung für Flüchtlinge

Mit Hilfe eines Workshops will die Handelskammer Bremen das Ausbildungspotenzial von Flüchtlingen stärker auf die Agenda bringen. Ziel ist die Gründung eines neuen Netzwerkes.
11.10.2014, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Diskussion: Ausbildung für Flüchtlinge
Von Kristin Hermann

Die Zahl der Flüchtlinge hat in den vergangenen Monaten rapide zugenommen. Die Handelskammer hat diese Tatsache zum Anlass genommen, um sich mit der Eingliederung junger Flüchtlinge in den Ausbildungsmarkt zu beschäftigen. Im Zuge der Integrationswoche lädt die Kammer zu einem Workshop ein, bei dem ein Netzwerk geschaffen werden soll, das sich verstärkt um die Ausbildung dieser Jugendlichen bemüht.

In der Debatte um Flüchtlinge dreht sich momentan alles um die richtige Unterbringung und Betreuung. Im Zuge der Integrationswoche, die am Sonntag startet, will die Handelskammer am kommenden Donnerstag nun über ein anderes wichtiges Thema diskutieren. Die Kammer und Partner haben zu einem Workshop eingeladen, der klären soll, ob und wie Ausbildungspotenziale von jugendlichen Flüchtlingen genutzt werden können.

Die Frage ist berechtigt, denn der Bedarf wächst: Nach Angaben der Sozialbehörde sind allein seit 2012 etwa 3000 Flüchtlinge nach Bremen gekommen. Das Ressort schätzt, dass circa ein Drittel davon im ausbildungsfähigen Alter ist. „Das Potenzial dürfte durch die anhaltenden Flüchtlingsströme noch erheblich steigen“, sagt Björn Wedtke von der Handelskammer. Ziel des Workshops sei es deshalb, ein Netzwerk aus Unternehmen aufzubauen, das sich verstärkt um die Ausbildung dieser Jugendlichen kümmert.

Wie wichtig es für die Flüchtlinge ist, möglichst schnell einen Beruf zu erlernen, weiß Udo Casper vom Bremer Integrationsnetz. Er kümmert sich täglich um die Vermittlung von jungen Flüchtlingen in Ausbildung und Beruf. „Sich beruflich zu integrieren, ist ein ganz wesentlicher Teil der sozialen Integration, deshalb ist die Aufnahme einer Ausbildung für die jungen Menschen von großer Bedeutung“ , sagt er.

Wann ein Flüchtling eine Berufsausbildung antreten darf, hängt von seinem individuellen Aufenthaltsstatus ab. Nach Angaben des Sozialressorts dürfen Flüchtlinge ohne Arbeitserlaubnis nicht arbeiten und auch keine Ausbildung machen. Für Asylsuchende und Geduldete ist die Arbeit in den ersten neun Monaten ihres Aufenthalts gänzlich verboten. Das soll sich bald ändern. Im Rahmen der Asylrechtsänderung wurde der Arbeitsmarktzugang für Asylbewerber erleichtert und auf eine Wartefrist von drei Monate verkürzt. „Es wurde auch Zeit, dass die Gesetzgeber erkannt haben, dass sie schneller mit der Integration der Jugendlichen beginnen müssen“, so Ausbildungsvermittler Casper.

Eine von der Stadt festgelegte Quote, wie viele neu zugewanderte Flüchtlinge jährlich eine Ausbildung antreten müssen, gibt es zwar nicht, trotzdem erkennt die Stadt mittlerweile, dass sie spezielle Projekte für junge Flüchtlinge anbieten muss. Nach Angaben der Finanzbehörde hat die Stadt deshalb in Kooperation mit Firmen 23 junge Erwachsene im Alter zwischen 17 und 22 Jahren in unterschiedliche Ausbildungen vermittelt. „Vor Beginn der regulären Ausbildung hat im September ein einjähriger Vorbereitungskurs mit berufsbezogenem Sprachunterricht begonnen“, sagt Dagmar Bleiker vom Finanzressort. Gefördert wird diese Maßnahme durch die Agentur für Arbeit und das Jobcenter. „Darüber hinaus sichert das Land Bremen Ausbildungsbetrieben zu, dass junge Flüchtlinge ihre Ausbildung beenden können, ohne eine Abschiebung fürchten zu müssen“, sagt Udo Casper. „Das schafft für alle Beteiligten Rechtssicherheit.“

Dass die Ausbildung junger Flüchtlinge diesen nicht nur eine Chance zur Integration bietet, sondern in Unternehmen ein Baustein sein kann, der zur Fachkräftesicherung beiträgt, soll ebenfalls auf der Agenda des Workshops stehen. „Ein erheblicher Teil der Flüchtlinge kommt mit sehr guter schulischer Vorbildung nach Deutschland. Zudem bringen sie etwas mit, das für die exportorientierte bremische Wirtschaft von Belang ist. Nützliche Fremdsprachenkenntnisse“, sagt Casper.

◼ Am kommenden Donnerstag veranstaltet die Handelskammer in Kooperation mit dem Zentrum für Schule und Beruf und der Allgemeinen Berufsschule Bremen den Workshop „Ausbildung – Chancen für Flüchtlinge“. Im Zuge der Integrationswoche diskutieren Experten mit den Teilnehmern über Ausbildungspotenziale von Flüchtlingen. Der Workshop gliedert sich in vier Themenbereiche: Rechtsstatus und Aufenthaltsrecht von Flüchtlingen, sprachliche Ausbildungsvorbereitung, Förderungsmöglichkeiten für Unternehmen und pädagogische Begleitung während der Ausbildung. Die Veranstaltung findet in der Zeit von 16.30 Uhr bis 19 Uhr in der Handelskammer statt. Neben Unternehmen können auch Privatpersonen an dem Workshop teilnehmen. Anmeldungen nimmt Claudia Fings bis 14. Oktober unter Telefon 3 63 72 83 oder per E-Mail unter fings@handelskammer-bremen.de entgegen.

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