Bremer Unternehmen vor großem Deal

DMK bestätigt Gespräche mit Alete

Wird Alete demnächst ein Teil von Deutschlands größter Molkereigenossenschaft DMK, die ihren Sitz in Bremen hat? Die DMK-Gruppe ist mit der Tochter Humana selbst einer der größten Hersteller von Babynahrung.
09.01.2019, 14:55
Lesedauer: 4 Min
Zur Merkliste
DMK bestätigt Gespräche mit Alete
Von Florian Schwiegershausen
DMK bestätigt Gespräche mit Alete

Das Deutsche Milchkontor DMK in Bremen ist vor allem für seine Marke Milram bekannt. Doch schon jetzt gehört das Unternehmen mit seiner Tochter Humana zu den größten Babykost-Herstellern Deutschlands.

DMK

Das Deutsche Milchkontor (DMK) mit Sitz in Bremen, Deutschlands größte Molkereigenossenschaft, will den Babykost-Hersteller Alete übernehmen. Das berichtet das „Manager Magazin“ und beruft sich dabei auf Informationen aus gut informierten Quellen. Der DMK-Sprecher Oliver Bartelt bestätigte dem WESER-KURIER den Kontakt zu dem Unternehmen mit Sitz im hessischen Bad Homburg. Bartelt sagte, dass es konkret um die Übernahme des kompletten Vertriebsgeschäfts der AleteGmbH und der German Baby Food GmbH gehe: „Die DMK-Group beabsichtigt, ihre Wachstumsstrategie für diesen Markt zu vertiefen und weitere Segmente zu erschließen.“

Am Mittwoch sollten zuerst die Mitarbeiter von Alete über diesen Schritt informiert werden. Auch sei eine entsprechende Voranmeldung beim Bundeskartellamt eingegangen. Denn die angestrebte Übernahme unterliegt der kartellrechtlichen Freigabe. Das sei auch der Grund, weshalb die DMK-Gruppe keine weiterführenden Informationen geben könne. DMK-Sprecher Bartelt sagte jedoch: „Im Rahmen der Neuausrichtung legt die DMK-Group ihren Fokus auf Wertschöpfung und geht dabei sehr marktorientiert vor. Der Markt für Babynahrung ist für die Molkereigruppe von hoher Bedeutung.“ So lässt DMK gerade für 145 Millionen Euro sein bisheriges Milchwerk in Strückhausen in der Wesermarsch für die Marke Humana umbauen. Im März soll die Produktion dort anlaufen.

Marktanteile liegen bei fünf Prozent

Bisher wurden Humana-Produkte zusammen mit dem Mitbewerber Hipp am Standort Herford produziert. Das Werk hatte DMK an Hipp verkauft. In Zukunft will das Unternehmen die Produktion alleine fortführen. Das ist auch eine wichtige Information für das Bundeskartellamt, das bei seiner Genehmigung darauf achtet, dass es hier nicht zu einer zu großen Marktkonzentration kommt.

Alete gehört laut „Manager Magazin“ derzeit dem ehemaligen Henkel-Manager Horst Jostock, der seit dem Verkauf durch den Nestlé-Konzern im Jahr 2015 bereits 20 Prozent Anteile am Unternehmen hatte. Zum Jahresende hatte er auch die restlichen Anteile vom Finanzinvestor BWK übernommen. Die Marktanteile von Aleteliegen momentan bei fünf Prozent. In den 1970er-Jahren war das Unternehmen noch Marktführer, die Anteile lagen bei 50 Prozent. Doch seitdem haben Mitbewerber wie Hipp und die DMK-Tochter Humana stetig aufgeholt. Schon jetzt gehört DMK mit den Töchtern Humana und der Eigenmarkensparte Sunval zu den größten Babynahrungsherstellern Deutschlands. Zu Alete gehört auch die Marke Milasan, deren Produkte bei Aldi verkauft werden.

Lesen Sie auch

Die geplante Übernahme passt zur allgemeinen Strategie des DMK. Das Unternehmen möchte in Zukunft mehr als Lebensmittelhersteller und weniger als Molkerei wahrgenommen werden. Dazu hatte sich die DMK-Gruppe in den vergangenen Jahren selbst ein Programm zur Umstrukturierung mit dem Namen „Move“ auferlegt. Dadurch wurde das Unternehmen neu organisiert. Erst vor wenigen Wochen sagte der Eigenmarken-Chef des Konzerns, Thorsten Rodehüser, im Interview mit dem WESER-KURIER: „Ursprünglich kommen wir als Unternehmen vom Rohstoff Milch und waren dabei sehr landwirtschafts- und produktionsorientiert. Durch die Einführung von sechs verschiedenen Unternehmenseinheiten versuchen wir, besser und gezielter die Anforderungen der Konsumenten zu verstehen.“ Dadurch seien Vertrieb, Marketing und Produktion anders gefordert.

Ein Baustein für die Zukunft der DMK-Gruppe ist, sich mit Markenprodukten mehr Alleinstellungsmerkmale zu sichern, um so gegenüber dem Handel noch stärker agieren zu können. Wenn die DMK-Gruppe nur das Vertriebsgeschäft von Aleteübernehmen will, könnte das für die eigene Unternehmenstochter Humana dennoch von Vorteil sein. Denn Alete ist in allen gängigen Supermärkten vertreten. Davon könnte Humana profitieren und der eigenen Marke einen zusätzlichen Schub verleihen. Aletebringt der Verbraucher vor allem mit Babybrei im Glas in Verbindung. Auch wenn Humana diese Babykost selbst im Portfolio hat, bringen junge Mütter die Marke eher mit Folgemilch und ähnlichen Produkten in Verbindung. Daher würden sich auch hier die beiden Marken gut ergänzen.

Erfahrung des DMK gefragt

Die Erfahrung, die die DMK-Gruppe in den vergangenen Jahren gesammelt hat, wobei sie an der eigenen Wahrnehmung gearbeitet und am Produktportfolio gefeilt hat, kann Alete gerade im richtigen Augenblick zur Hilfe kommen. Denn noch vor Monaten stand Alete nach Angaben des „Manager Magazins“ vor der Insolvenz. Laut dem Magazin ist der Umsatz von ursprünglich rund 150 Millionen Euro auf zuletzt rund 55 Millionen Euro gesunken. Derzeit beschäftigt Alete am Standort Weiding in Bayern etwa 200 Mitarbeiter. Zum Vergleich: Der Umsatz der DMK-Gruppe lag zuletzt bei 5,8 Milliarden Euro. Für das Unternehmen arbeiten etwa 7700 Mitarbeiter an mehr als 20 Standorten.

Hier geht es also darum, einer Marke im Winterschlaf neues Leben einzuhauchen. Die DMK-Gruppe ist gerade dabei, die Produktsparte bei der Marke „Milram“ auszubauen. Außerdem ist DMK seit Jahren im russischen und asiatischen Markt unterwegs, in dem ebenso qualitativ hochwertige Babynahrung geschätzt wird.

Auch in der öffentlichen Wahrnehmung kann Alete Unterstützung gebrauchen. Denn 2017 wählten die Verbraucher einen Alete-Babykeks zur Werbelüge des Jahres. Das Produkt wurde beworben als „Keks zum Knabbernlernen“, es bestand allerdings zu 25 Prozent aus Zucker und fördert Karies. Der Zuckergehalt war höher als der eines Butterkekses. Die DMK-Gruppe hatte bereits vor einem halben Jahr angekündigt, in Milram-Produkten weniger Zucker zu verwenden.

Das letzte Wort zur geplanten Übernahme des DMK hat nun das Bundeskartellamt. Auf alle Fälle wird der Babykost-Marktführer Hipp, deren Holding ihren Sitz in der Schweiz hat, alle Nachrichten dazu aufmerksam verfolgen.

Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+