Markt in Deutschland wächst E-Zigaretten sind nicht nur in Bremen ein Trend

Der Markt wächst rasant: Die E-Zigarette ist im Trend. In Bremen beschäftigt sich sogar eine ganze Messe mit dem dampfenden Produkt. Es gibt immer mehr Läden, aber auch Bedenken.
07.09.2019, 06:02
Lesedauer: 3 Min
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E-Zigaretten sind nicht nur in Bremen ein Trend
Von Lisa Schröder

Der Laden ist schick – eine Inszenierung wie in einem Apple-Store. In den Regalen hängen unzählige Geräte an weißen Ladekabeln, auf drehenden Podesten werden die verschiedenen Modelle mit Namen wie „SXmini“ präsentiert. Tablets liegen an einem Rundtisch aus. Doch bei „Riccardo“ geht es nicht um Handys. Die Kette verkauft hier in Bremens bester Einkaufsstraße seit März E-Zigaretten. Die Auswahl an Aromen, Verdampfern, Aufsätzen und Marken ist groß.

Nico Drewes hat bereits 2012 einen kleinen Laden für Elektro-Zigaretten in Bremen eröffnet. Inzwischen hat „E-Smoke-4-You“ sechs Standorte im Norden, es gibt die Kette in Bremervörde, Delmenhorst, Rotenburg, Syke und Vegesack. „Die Geschäfte laufen alle sehr gut. Dass es so groß wird, habe ich nicht gedacht.“ Die meisten Kunden seien Ex-Raucher, die umsteigen wollten – wie er selbst. Das Geschäft habe er denn auch aus Überzeugung aufgemacht. „Viele kommen von der normalen Zigarette weg. Ich war vorher starker Raucher“, sagt Drewes. Nun dampft er nur noch, wie es bei der E-Zigarette heißt, weil es keine Verbrennung gibt.

An diesem Wochenende ist Drewes gut beschäftigt. Denn der Unternehmer wird bei Bremens Dampfermesse „Vape Convention“ am Sonnabend und Sonntag dabei sein. Zur Premiere des Formats kamen im vergangenen Dezember mehr als 7000 Besucher. Wie Drewes stellen auf der Messe rund 100 Aussteller ihre neusten Produkte vor. Drewes hat sogar eigene Aromen im Angebot – besonders gut läuft Tabak. „Das ist handgemacht und ohne künstliche Zusätze. Wir vertreiben es auch an Großhändler.“

Das Interesse an den E-Zigaretten sei stark. Gleich an mehreren Messen in Deutschland nimmt Drewes teil. Derzeit beobachtet er, dass auch die Tabakkonzerne zunehmend in das Geschäft einsteigen. So hat British American Tobacco die Kette Highendsmoke mit mehr als 100 Läden in Deutschland – darunter auch Bremerhaven – im vergangenen Jahr übernommen. Philip Morris hat mit der „Iqos“ ein eigene elektrische Zigarette im Angebot.

Gesamtumsatz von 570 Millionen Euro

Der Markt mit E-Zigaretten in Deutschland wächst. Laut einer Umfrage des Bündnisses für Tabakfreien Genuss geht die Branche in diesem Jahr von einem Gesamtumsatz von 570 Millionen Euro aus. Das entspreche einem Plus von fast einem Viertel gegenüber dem Vorjahr. Dieses Wachstum soll sich auch 2020 fortsetzen. Das Bündnis hat mehr als 100 Hersteller und Händler befragt.

"Tabac & Pfeife" gehörte damals nach eigenen Angaben zu den Pionieren in Bremen. Schon vor Jahren verkaufte das Geschäft, das heute in der Katharinenpassage sitzt, eine E-Zigarette aus China der Marke Ruyan. "Wir haben damals schon viele davon verkauft", sagt der Geschäftsleiter Michael Gieseke. Er erinnert sich, dass das Modell noch wesentlich komplizierter war und mit Watte funktionierte. "Heute ist die E-Zigarette total einfach zu handhaben." Gieseke unterscheidet dabei zwischen E-Zigarette und den E-Shisha. Letztere seien größere Geräte, die ordentlich Dampf machten, im Prinzip "wie Nebelmaschinen in der Disco".

"Das ist nicht wirklich was für unsere Klientel, sondern mehr für die Jüngeren, die mit dem Rauch spielen wollen." Dabei gehe um das "Shisha-Feeling" – mit Aromen von Banane bis Minze. E-Zigaretten mit Tabakaroma seien dagegen bei Rauchern beliebt, die von der Zigarette wegkommen wollen. "Da geht es um das Gefühl: Ich rauche." Schaut er auf die Zahlen ist es aber weiter eindeutig. "Wir verkaufen natürlich immer noch mehr Zigaretten, aber das Interesse am elektronischen Markt ist riesig." Die Nachfrage habe auch damit zu tun, dass es gesellschaftlichen Druck gebe, immer mehr Rauchverbote. "Das spielt da rein."

Bedenken gibt es aber genauso bei der E-Zigarette. In Hamburg ist gerade eine Studie zum Umgang mit Suchtmitteln unter Schülern vorgestellt worden. Demnach sind E-Shishas und E-Zigaretten unter Jugendlichen zunehmend beliebt. Hamburgs Gesundheitssenatorin Cornelia Prüfer-Storcks (SPD) plädiert deshalb für eine Ausweitung des Tabakwerbeverbots auf die E-Branche. Denn während Erwachsene die Geräte oft zum Ausstieg aus dem Rauchen nutzten, seien sie bei Jugendlichen nicht selten der Einstieg in den Nikotinkonsum. Der Verkauf der E-Zigarette an unter 18-Jährige ist eigentlich untersagt.

Notwendiges Werbeverbot

Der Vorsitzende der Stiftung Bremer Herzen und Chefarzt im Klinikum Links der Weser, Rainer Hambrecht, hält ein Werbeverbot für E-Zigaretten und E-Shishas ebenfalls für notwendig. Erst vor Kurzem äußerte sich der Herzspezialist zum Thema. E-Zigaretten seien alles andere als eine gesunde Alternative: „Sie enthalten Nikotin, das abhängig macht. Darüber hinaus enthalten sie eine Vielzahl an Schadstoffen, über deren Gefahrenpotenzial wir noch nicht viel wissen, weil es noch keine Studien gibt.“

Nico Drewes ist dagegen von den Dampfmachern überzeugt: Die E-Zigaretten enthielten im Vergleich weniger Nikotin und viel weniger Giftstoffe, weil es eben keine Verbrennung gebe. Außerdem machten sie seiner Erfahrung nach weniger abhängig als normale Zigaretten. Doch klar, man dürfe sich nichts vormachen, Nikotin sei darin enthalten. Dass viele Jugendliche zur E-Zigarette greifen, decke sich nicht mit seinen Beobachtungen: „Das ist völliger Blödsinn.“ In seinem Laden kämen die Käufer vor allem aus der Alterskohorte 30 bis 40 Jahre. Danach folgten die Älteren von 40 bis 50 Jahren.

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