Der rote Faden: Horst Dierking, Gründer und Chef der Bremer Popo Sitzmöbel + Stehschränke GmbH Ein Fachmann für edle Innenausstattung

Sie ist so etwas wie eine Design-Institution in Bremen. Die Popo Sitzmöbel + Stehschränke GmbH im Viertel kümmert sich seit mehr als 30 Jahren um edle Einrichtungen von Häusern und Büros. Horst Dierking, Gründer und Geschäftsführer von Popo, kam dabei aber eher zufällig und unkonventionell zu seinem Glück.[GRUNDTEXT]
11.06.2012, 13:27
Lesedauer: 4 Min
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Von Günther Hörbst

Sie ist so etwas wie eine Design-Institution in Bremen. Die Popo Sitzmöbel + Stehschränke GmbH im Viertel kümmert sich seit mehr als 30 Jahren um edle Einrichtungen von Häusern und Büros. Horst Dierking, Gründer und Geschäftsführer von Popo, kam dabei aber eher zufällig und unkonventionell zu seinem Glück.[GRUNDTEXT]

Bremen. 1977. Zwei Studenten der Hochschule für Künste (HfK) in Bremen beschließen, sich mit dem Versandhandel eines eigens entwickelten Möbelprogramms selbstständig zu machen. Horst Dierking war von der Idee seines Kumpels Siegfried Schellbach sofort begeistert. Jetzt brauchte das Kind nur noch einen Namen. „Ihr macht doch Sitzmöbel“, sagte dann eine Freundin nach einem längeren Abend in der Kneipe. „Warum nennt ihr euch nicht Popo?“

„Das hat uns überzeugt“, lacht Dierking, wenn er heute von diesen Anfangstagen erzählt. Der 61-Jährige sitzt dabei an einem großen Tisch im Erdgeschoss des Popo-Stammhauses in der Straße Auf den Häfen, einem wunderschönen alten Haus im Jugendstil. Im ersten Stock präsentieren Dierking und sein Geschäftspartner Kurt Neuenfeind Büromöbel. Beim Umbau ist vor Jahren eine Wand mit einem Mosaik aus Fliesen entdeckt worden. Die Wand zeigt eine Ansicht des Teerhofs um die Jahrhundertwende.

Im Kellergeschoss ist nicht nur ein Raum, in dem Kunden stundenlang in zahlreichen Regalmetern mit Ausstellungskatalogen schmökern können – Dierking spricht von „unserer Bibliothek“ –, sondern dort gibt es auch den Stühle-Raum. Darin stehen Hunderte Sessel und Stühle jeden Designs und jeder Epoche. „Das ist bei uns Programm“, sagt der studierte Innenarchitekt. „Wenn wir Kunden genau zeigen können, wie der Stuhl in dem Raum, den sie sich vorstellen, aussieht, wird es für sie sofort begreifbar und damit realer“. Das Sehen, die genaue Vorstellung von einer Idee – das sei die Grundlage für eine am Ende glückliche Beziehung zwischen dem Innenarchitekten und seinen Kunden.

Schwierige Anfangszeit

Doch bis es so weit war, hatte Dierking eine Menge erlebt und auch eine zwar sehr lustige, wie er sagt, aber auch schwierige Anfangszeit durchgemacht. „Das ging schon mit dem Kredit bei der Bank los“, erzählt er. Er macht eine kleine Pause und lächelt, so als ob er das, was er gleich erzählen wird, selbst nicht mehr glauben kann. „Die erste Bank, bei der wir für unser Versand-Programm 20000 D-Mark haben wollten, lehnte ab. Die Begründung lautete: Eine Firma, die Popo heißt, kann nicht seriös sein.“ Die nächste Bank gewährte den Kredit – allerdings mit der Ansage, man werde Popo genau beobachten. „Als wir uns ins Handelsregister eintragen ließen, verlangte die Handelskammer damals eine genaue Begründung, warum wir Popo heißen“, sagt der gebürtige Menslager (das ist ein Örtchen bei Osnabrück).

Sich einen neuen Namen zu suchen, kam für ihn aber nicht infrage. Dazu war die Zeit irgendwie auch zu aufmüpfig, in der Dierking mit seinen Mitstreitern loslegte. Ende der 70er-Jahre war das Viertel in Bremen ein Hort jugendlichen Aufbruchs. „Das hat alles ziemlich gut gepasst“, sagt der gelernte Raumausstatter.

Aus der Versand-Idee ist am Ende übrigens nichts geworden. Und zwar, weil Dierking und Schellbach für einen Freund ein Sofa aus Italien besorgt hatten. Der war aber kurzfristig verreist, weshalb die beiden das gute Stück ins Schaufenster gestellt hatten. „Noch am selben Vormittag war es für 1700 Mark verkauft. Für die damalige Zeit eine irre Summe.“ Und so beschloss das noch recht kleine Popo-Team: „Italienisches Design. Das ist unsere Sache.“

So richtig los sei es dann 1983 gegangen. „Damals kam Kurt Neuenfeind als Geschäftspartner zu uns“, sagt Dierking. „Das war entscheidend. Er war Betriebswirt, kam von Jacobs und hat aus Popo eine ernsthafte Firma gemacht – mit Rechnungen, Lieferscheinen und all dem, was man dazu braucht.“

Im Lauf der Zeit sind Wochenzeitschriften auf die talentierten Jungs aus Bremen aufmerksam geworden. Das hat neue Kunden gebracht. Und bald kamen auch Aufträge für Büroausstattungen dazu, das heutige Kerngeschäft von Popo. Gutes Design ist für den Innenarchitekten Horst Dierking eine gelungene Mischung aus Praktikabilität und Schönheit. Das sei inzwischen auch bei den meisten Unternehmen angekommen. „Eine schöne Arbeitsumgebung, eine, in der man sich wohl fühlt, sich vielleicht sogar ein bisschen prädestiniert vorkommen kann – die kann viel für die Motivation tun“, sagt er. Büros hätten sich stark verändert in den letzten Jahren. „Kommunikation wird immer wichtiger, auch in der Belegschaft. Dem muss auch die Innenarchitektur Rechnung tragen“, sagt Dierking und deutet hinauf auf die Empore im hinteren Teil des Geschäfts. Dort sitzen die Mitarbeiter in offener Runde zusammen und grübeln, planen, organisieren. „Wir praktizieren das, was wir den Kunden sagen, natürlich selbst. Und fahren wunderbar damit.“

Nicht ganz billig

Dennoch stellt Dierking bei seinen Kundengesprächen fest, dass Firmen die Bedeutung offener Kommunikation und einer Wohlfühl-Arbeitsumgebung noch immer zu wenig berücksichtigen. Dabei sei die Atmosphäre am Arbeitsplatz neben dem Gehalt längst das wichtigste Entscheidungskriterium für Arbeitskräfte. „Das Innere ist genauso wichtig wie das Äußere“, bringt Dierking es auf den Punkt.

Und wer edle Innenausstattung sucht, scheint bei Popo in besten Händen zu sein. Das zumindest lässt der Rundgang durch das imposante Geschäftshaus im Viertel schließen. Nicht ganz billig, das gibt Dierking zu. Aber dafür besonders, individuell und einzigartig. Da gibt es Lampen, die beschirmt sind mit edlen Stoffen aus Mailand, Tische aus lackierten kleinen Brettern des holländischen Designers Piet Hein Eek oder das unverwüstliche Schweizer Regelsystem USM Haller.

Wer all das auf Messen sowie über enge und langjährige Kontakte mit bekannten Designern (Philippe Starck, Ingo Maurer) entdecken und der Kundschaft vermitteln muss, dem bleibt nicht viel Zeit übrig. Dierking verbringt sie am liebsten mit seinen beiden Enkelkindern. Das dritte ist gerade unterwegs. Aber sein Partner Neuenfeind, sagt er, der würde täglich trainieren. Und zwar für die Schwimm-WM der Senioren, die kommende Woche in Italien über die Bühne gehen wird. Zum alten Eisen zählten sie sich beide noch nicht, sagt der Popo-Gründer: „Im Moment macht das alles noch viel zu viel Spaß.“ Und um die Nachfolge macht er sich auch keine Sorgen: „Hier arbeiten so viele tolle junge Leute, die sich dafür anbieten. Was will man denn mehr?“

Horst Dierking reicht den roten Faden weiter an Ulrich Emde, Partner und Geschäftsführer der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Gruppe Emde und Partner.

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