Geschäftsidee im Schnelldurchlauf

Eine App für die Liebe in knapp 48 Stunden

Beim ersten Media Hack Nord haben sechs Teams Geschäftsideen entwickelt, wofür manches Unternehmen ein halbes Jahr braucht. Bei der besten Idee hat sich am Ende die Liebe durchgesetzt.
15.09.2018, 20:00
Lesedauer: 2 Min
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Eine App für die Liebe in knapp 48 Stunden
Von Florian Schwiegershausen
Eine App für die Liebe in knapp 48 Stunden

Die Gewinner für die beste Idee beim ersten Media Hack Nord in der Bremer Überseestadt zusammen mit dem Veranstalter (von links): Tobias Pollmann, Max Gehrke, MSP-Geschäftsführer Tim Greve und Nicolas Autzen. Die Gewinner überzeugten damit, wie sie Kennenlern-Apps weiterentwickeln wollen.

FLS

Es gibt viele Möglichkeiten, um jemanden über das Internet kennenzulernen – ein lukratives Geschäft. Allein die Smartphone-Kennenlern-App Tinder rechnet für dieses Jahr mit einem Umsatz von umgerechnet 690 Millionen Euro. Doch eine Kennenlern-App geht noch besser, wie am Sonnabendnachmittag Nicolas Autzen, Max Gehrke und Tobias Pollmann beim ersten Media Hack Nord in der Bremer Überseestadt gezeigt haben. Die fünfköpfige Jury hat die drei jungen IT-Leute für die beste Idee mit 1000 Euro Preisgeld ausgezeichnet.

Sie haben das Kennenlernen per Internet bereits einen Schritt weiter gedacht. Statt nur mit Fotos wollen die drei IT-Leute in ihrer App mit Videos arbeiten, weil die Singles so direkt mehr Eigenheiten des Gegenübers erkennen als nur von einem Foto. „Außerdem minimiert das die Fake-Profile, von denen es so einige gibt in den Kennenlern-Portalen“, ist sich Nicolas Autzen sicher. Wenn es ein Match gibt, wenn also zwei Singles anklicken, dass sie sich gegenseitig sympathisch finden, stellt die App drei Fragen, um das erste Eis zu brechen. Das soll Kontaktkiller-Sätze wie „Na Du, auch hier?“ vermeiden. Außerdem soll die App spontane Fragen stellen, damit die Teilnehmer nicht schon vorher wissen, was sie schreiben müssen.

An diesem Hackathon unter Federführung des IT-Dienstleisters MSP haben knapp 20 junge Menschen aus ganz Deutschland teilgenommen. Ein Hackathon ist eine Mischung aus Hack und Marathon. Das bedeutet, dass meist junge Menschen in nur wenigen Tagen eine neue Geschäftsidee auf die Beine stellen, und vielleicht Teile davon auch schon programmieren. Einige von ihnen kamen auch von den Mitveranstaltern, um hier freiwillig teilzunehmen. Es ging darum, medienaffine Programme und virtuelle Werkzeuge zu entwickeln, die das Geschäftsleben oder den Alltag verbessern. Bis zur Präsentation am Sonnabend hatten sie knapp 48 Stunden Zeit.

Entsprechend lagen in der einen Ecke des Präsentationsraums beim Team Neusta in der Überseestadt Karteikarten und Filzstifte, in der anderen Ecke lag der typische Geruch von einem Energiegetränk in der Luft, das Flügel verleiht. Das war für manche Teilnehmer auch nötig. Denn sie hatten in diesen zwei Tagen kaum geschlafen – für einen von ihnen diente sogar das Auto vor der Tür als Bett.

Die Ideen waren vielfältig. Ein Team überlegte sich ein Programm, mit dem Anzeigenberater besser auf die Kunden eingehen können. Ein weiteres Team entwickelte ein Programm mithilfe von künstlicher Intelligenz. Es soll Zeitungen beim Check auf ihren Internetseiten helfen, herauszufinden, ob Leserkommentare den Richtlinien entsprechen. Eine Chinesin, die in Bremen Industriedesign studiert, überlegte sich transparente Packstationen auch zur Privatnutzung.

Insgesamt wurden Preise im Wert von knapp 4000 Euro vergeben. DPA-Aufsichtsratsmitglied Achim Twardy saß mit in der Jury und sagte begeistert: „Tolle Leute, tolle Ideen, und dass sie die so schnell umgesetzt haben.“ So sah es auch Jurymitglied Lars Reckermann, Chefredakteur der „Nordwest-Zeitung“. Für ihn war es der erste Hackathon ebenso wie für die Jurymitglieder Eric Dauphin, Vorstand der Bremer Tageszeitungen AG, und MSP-Geschäftsführer Tim Greve. Für Jurymitglied Dirk Zeiler war es dagegen der 40. Hackathon. Er ist von Next Media Accelerator in Hamburg und kümmerte sich auch um Ablauf und Organisation. Zeiler sagte: „Alle Teilnehmer hier nehmen etwas für sich mit – egal Preisträger oder nicht. Womöglich treffen sie hier auf ihren künftigen Arbeitgeber.“ Teilnehmer Vincent Ertel, der bei der „Freien Presse“ Chemnitz im Kundenmanagement arbeitet, ergänzte: „Das, was wir hier in so kurzer Zeit entwickelt haben, dafür braucht man in einem Unternehmen mindestens ein halbes Jahr.“

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