Made in Bremen Eine besondere Schnapsidee aus der Neustadt

Markus Ballweg stellt seit 2016 mit Marco Nölker in der Neustadt Basilikum-Ingwer-Likör in Eigenregie her. Was zunächst als Weihnachtsgeschenk gedacht war, hat sich zu einem zweiten Standbein entwickelt.
18.02.2018, 06:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Insa Lohmann

Erst schmeckt man nur den leicht scharfen Ingwer heraus. Dann kommt im Abgang der leicht süßliche und etwas pfeffrige Geschmack des Basilikums durch – die Kostprobe von „Basingwer“ lässt Erinnerungen an vergangene WG-Partys wach werden. „Er schmeckt tatsächlich jedes Mal etwas anders“, sagt Markus Ballweg. Der Bremer stellt seit 2016 gemeinsam mit seinem Kompagnon Marco Nölker in der Neustadt Basilikum-Ingwer-Likör in Eigenregie her. Was zunächst als Weihnachtsgeschenk für Freunde und Verwandte gedacht war, hat sich für die beiden inzwischen zu einem zweiten Standbein entwickelt.

Eigenen Schnaps beim Fußballgucken trinken

Die Idee für einen eigenen Schnaps kam den ehemaligen WG-Bewohnern und Freunden auf einem Festival. „Da gab es immer nur sehr deftige Schnäpse“, erinnert sich Nölker, der hauptberuflich als Grafiker tätig ist. „Die wollten wir durch etwas Frisches und Leichtes ersetzen.“ Gesagt, getan: Im Frühjahr 2016 zogen die Wahl-Bremer los und kauften sich quer durch die Lebensmittelregale im Supermarkt. Rund ein halbes Jahr experimentierten die Schnaps-Liebhaber, bis die Rezeptur für den heutigen „Basingwer“ feststand: Wodka, Basilikum, Ingwer, Limette, Rohrzucker und Wasser.

Mit 20 Flaschen ihres selbstgemachten Likörs im Gepäck fuhren Ballweg und Nölker zum nächsten Festival. „Der Gag war eigentlich, es erstmal da zu verkaufen“, sagt Ballweg. Doch die Nachfrage dort sei größer als erwartet gewesen: „Der Likör kam echt gut an.“ Danach sei bei den Bremern immer mehr die Idee gereift, weitere Flaschen zu produzieren und zu verkaufen. Die Vorstellung, zum Fußballgucken in der Eckkneipe ihren eigenen Schnaps trinken zu können, spornte die beiden an.

16 Euro pro Stunde

Die „Basingwer“-Erfinder fingen an, sich mit Themen wie Firmengründung, Rechtlichem, Herstellung und Hygienestandards auseinanderzusetzen. „In Masse zu produzieren ist echt nochmal eine andere Geschichte“, sagt Ballweg. Dass daraus für die Gründer mal ein kleines Business werden könnte, war ihnen anfangs selbst nicht klar. „Wir haben uns gesagt: Wir fangen einfach an und gucken, was passiert.“ Die Produktion neben ihren eigentlichen Berufen als Sozialarbeiter und Grafiker zu bewerkstelligen, sei gar nicht so einfach. „Wir sind froh, dass wir zu zweit sind“, sagt Ballweg. Alleine die Suche nach einem geeigneten Produktionsort gestaltete sich schwieriger als gedacht, wie Ballweg und Nölker berichten. Zwar konnten sie in Bremen verschiedene Mietküchen ausmachen, doch die meisten Angebote waren für sie nicht bezahlbar.

Fündig wurden die Schnaps-Produzenten schließlich in der Neustädter Kulturküche. Die Räumlichkeiten auf dem Teerhof umfassen neben Veranstaltungsräumen auch eine Gewerbeküche, die tage- oder stundenweise angemietet werden kann. Inzwischen produzieren die beiden etwa alle zwei Monate rund 100 Flaschen ihres Basilikum-Ingwer-Likörs in der Kulturküche. Mehr als 1000 Flaschen haben sie schon abgefüllt. Für die Herstellung buchen sie bei der Kulturküche ein festes Stundenkontingent, das sie ohne feste Laufzeiten nach Bedarf aufbrauchen können. Für eine einzelne Stunde zahlen sie rund 16 Euro. „Das ist schon verdammt günstig“, sagt Ballweg.

Leidenschaft im Vordergrund

Meistens sind die Gründer über einen Zeitraum von vier bis fünf Stunden auf dem Teerhof, um Ingwer zu schälen, Basilikum zu pflücken, Flaschen abzufüllen und diese zu etikettieren. Die Herstellung finanzieren sie selbst. Doch der Verein, der auch als Kulturort für Künstler, Musiker und Kreative gestartet ist, will nun nach drei Jahren eine Pause einlegen. Ballweg und Nölker hoffen dennoch, künftig weiter in den Räumlichkeiten produzieren zu können.

Obwohl ihr Schnaps in Bremen inzwischen in mehreren Bars erhältlich ist und sich die Gründer eine kleine Fangemeinde aufgebaut haben, soll „Basingwer“ weiterhin ein Liebhaber-Projekt bleiben. Um zu wachsen, müssten beide viel Kapital investieren. „Damit geht man immer ein Risiko ein“, sagt Ballweg. Für die beiden steht nicht das Geld, sondern die Leidenschaft im Vordergrund. „Es ist wichtig, dabei immer Spaß zu haben“, sagt Ballweg, der seinen Likör am liebsten mit Ginger Beer, Basilikum und Eis kombiniert. Trotz des positiven Feedbacks sei ihr Likör eben doch ein Nischenprodukt. „Die Konkurrenz ist groß. Mit einem guten Produkt zu bestehen, ist auch nicht einfach.“

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