Umtausch im Bremer Textilhaus Einkaufen mit der D-Mark

Bremen. Die Deutsche Mark hat bis heute überlebt. Noch immer sind Millionen alter Scheine und Münzen unterwegs. Sie sind zwar kein offizielles Zahlungsmittel mehr, aber einkaufen kann man mit ihnen in Bremen trotzdem.
07.08.2012, 05:00
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Einkaufen mit der D-Mark
Von Petra Sigge

Bremen. Vor zehn Jahren, sieben Monaten und sieben Tagen wurde der Euro als Gemeinschaftswährung eingeführt. Doch die Deutsche Mark hat bis heute überlebt. Noch immer sind Millionen alter Scheine und Münzen unterwegs. Sie sind zwar kein offizielles Zahlungsmittel mehr, aber einkaufen kann man mit ihnen trotzdem.

Auch mehr als ein Jahrzehnt nach der Euro-Umstellung gibt es Kunden, die im Bremer Modehaus C&A wie in alten Zeiten mit Pfennigen, Groschen und Mark zahlen wollen. Für das Unternehmen kein Problem. "Die D-Mark wird bei uns nicht anders behandelt als Fremdwährungen wie US-Dollar oder britisches Pfund, mit denen man bei uns ja auch bezahlen kann", erklärt C&A-Sprecher Thorsten Rolfes. "In der Kasse ist der aktuelle Wechselkurs hinterlegt. Das wird auf Knopfdruck einfach umgerechnet." Am Wechselkurs der D-Mark hat sich allerdings seit Anfang 2002 nichts geändert. Mit ihrem Wert von rund 51,13 Cent wurde die Mark fest an den Euro gebunden.

Anfangs war es nur als eine einmalige Werbeaktion gedacht. Die kam so gut an, dass C&A-Kunden seit November 2003 unbefristet in allen Filialen mit der alten Währung einkaufen können. Wenn das alte Geld nicht reicht, kann der Restbetrag auch in Euro bezahlt werden. Wechselgeld wird ausschließlich in Euro herausgegeben. Zur Zeit bewegen sich die monatlichen DM-Umsätze in den fast 500 deutschen Filialen der Textilkette zwischen 100000 und 150000 D-Mark, sagt der Unternehmenssprecher. "Für uns ist das einfach ein Kundenservice", so Rolfes. "Und solange die Menschen in Mark und Pfennig zahlen wollen, bieten wir diese Umtauschmöglichkeit an."

Täglich 40 Geldwechsler

In Bremen sei das Modeunternehmen damit eine Ausnahme, heißt es auf Nachfrage beim Einzelhandelsverband Nordsee. Dort sind keine anderen großen Händler bekannt, die diesen Service anbieten. Verpflichtet sind sie dazu ohnehin nicht. Nicht einmal die Banken und Sparkassen. Die einzigen, die die D-Mark-Rückläufer annehmen müssen, sind die Filialen der Deutschen Bundesbank. Dort ist der Umtausch kostenfrei und zeitlich unbegrenzt.

In der Niederlassung im Zentrum Hannovers seien es täglich etwa 40 Kunden, die altes in neues Geld wechseln wollen, berichtet Hartmut Ahrendt, Sprecher der dortigen Bundesbank-Hauptverwaltung. Pro Tausch waren das im vergangenen Jahr im Schnitt fast 500 D-Mark. In der Bremer Zweigstelle lag der Durchschnittsbetrag bei 360 D-Mark. Auch mehr als zehn Jahre nach dem Währungswechsel kommen jeden Tag immer noch 20 bis 30 Kunden an die Bundesbank-Schalter in der Kohlhökerstraße, um dort alte Barschaften abzugeben. In vielen Fällen sind es auch Münzsammlungen, die aufgelöst werden. Die alten Scheine werden geschreddert, die Münzen entwertet und das Metall von der Verwertungsgesellschaft des Bundes verkauft.

Gerade bei Münzsammlungen allerdings lohnt es sich, vor dem Umtausch noch mal genauer hinzuschauen, sagt Helmut Caspar vom Verband der Deutschen Münzenhändler in Berlin. "Die meisten D-Mark-Münzen sind zwar nur wenig wert, weil sie in millionenfacher Auflage geprägt wurden, doch es gibt auch seltene Stücke." Dazu gehöre zum Beispiel das Fünf-Mark-Stück aus dem Jahr 1958, bei dem auf der Wertseite der Buchstabe J eingeprägt sei. "Davon sind seinerzeit nur 60000 Münzen geprägt worden. Für die werden jetzt Liebhaberpreise ab 500 Euro aufwärts gezahlt."

"Insgesamt gibt es vielleicht ein halbes Dutzend solcher Prägungen, die noch aus den ersten Jahren nach Gründung der Bundesrepublik stammen und im freien Handel einen deutlich höheren Wert als den Nominalwert erzielen", sagt Bundesbank-Sprecher Ahrendt. Die Kassierer in den Filialen müssten Sondermünzen ohnehin einzeln auf ihre Echtheit prüfen. "Eine seltene Münze würden die sofort erkennen und dem Besitzer den Rat geben, lieber zu einem Münzhändler zu gehen, um einen höheren Preis zu erzielen." Die Bundesbank darf nur den Nominalwert auszahlen.

In den meisten Fällen aber kommt die alte Währung nicht schön verpackt in der Sammlermappe daher. In der Regel sind es unsortierte Zufallsfunde, die abgegeben werden. "Zu den Klassikern gehören zum Beispiel Haushaltsauflösungen und Kellerentrümpelungen, bei denen dann plötzlich alte Geldscheine auftauchen", weiß ein Bremer Bundesbanker.

Häufig finden sich D-Mark-Überbleibsel auch in abgelegter Kleidung, die endlich mal aussortiert werden soll. Und immer wieder stoßen Erben, die den Nachlass von Eltern oder Großeltern sichten, auf sogenanntes Matratzengeld. Erspartes, das im vermeintlich sicheren Versteck für schlechte Zeiten gehortet und dann offenbar vergessen wurde. Nicht immer sind das nur Kleinbeträge. Der Bankangestellte kann sich noch gut erinnern: "Es kam mal jemand, der hatte einen alten Bauernhof gekauft und bei der Sanierung unter den Dielenbrettern tatsächlich 300000 Mark gefunden."

Dass der Rückfluss des alten Geldes so bald versiegen wird, glaubt Bundesbank-Sprecher Ahrendt nicht. Ende Juni dieses Jahres waren offiziell immerhin noch Banknoten und Münzen im Wert von insgesamt 13,2 Milliarden D-Mark im Umlauf. "Aber es gibt sicher auch einen gewissen Schwund – verloren, verbrannt oder verlegt – der wohl nie mehr den Weg zu uns finden wird."

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