ECE-Chef Otto über Online-Boom und Einzelhandel

"Einkaufen zum Erlebnis machen"

Bremen. ECE-Chef Alexander Otto, dessen Unternehmen in Europa fast 200 Einkaufsmärkte betreibt, blickt trotz des wachsenden Onlinehandels optimistisch in die Zukunft. Im Interview erklärt er, warum.
28.03.2014, 00:00
Lesedauer: 4 Min
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"Einkaufen zum Erlebnis machen"

Alexander Otto glaubt fest an ein Miteinander von Online-Handel und dem Geschäft in den Läden. Mit seiner ECE Projektmanagement GmbH testet er gerade verschiedene Brücken zwischen diesen beiden Bereichen.

Frank Thomas Koch

Handelskammer und Einzelhandelsverband hatten am Mittwoch zum Gästeabend eingeladen und einen prominenten Redner verpflichtet: Alexander Otto, Chef der ECE Projektmanagement GmbH, die in Europa fast 200 Einkaufsmärkte betreibt. Otto sprach über die Auswirkungen des Online-Booms beim Einkaufen. Jürgen Hinrichs hat ihn dazu befragt.

Herr Otto, als Hamburger in Bremen. Haben Sie sich heute die Stadt angeguckt?

Alexander Otto: Ein Shopping-Center, ja. Das mache ich oft, wenn ich unterwegs bin. So halte ich mich auf dem Laufenden.

Waren Sie im Roland-Center? Es ist ja eines der ersten Einkaufszentren, die Ihr Unternehmen entwickelt hat und nun schon über 40 Jahre alt.

Ich weiß, mein Vater hat damals selbst das Grundstück ausgesucht. Aber dort war ich nicht, ich habe die Waterfront besucht.

Und? Ihr Eindruck?

Das Center hat sich prächtig entwickelt. Es ist wirklich beeindruckend, wenn man bedenkt, wie schwierig nach dem Scheitern des Space Parks die Startvoraussetzungen waren.

Einer der Renner dort ist Primark.

Ja, das ist ein starker Magnet. Eine Erfolgsgeschichte im preisaggressiven Segment. Wir selbst arbeiten auch sehr gerne mit Primark zusammen und werden im Herbst in Stuttgart eine weitere Filiale eröffnen.

Die Waterfront mutet sehr amerikanisch an, groß und großzügig, der Food Court zum Beispiel. Mein Eindruck ist, dass die Leute dort nicht nur zum Einkaufen hingehen.

Und genau darauf wird es in Zukunft ankommen: Das Einkaufen zum Erlebnis machen. Die Gastronomie, möglichst vielfältig und modern, nimmt dabei einen immer höheren Stellenwert ein. Genauso aber auch Veranstaltungen, Konzerte, Bastelnachmittage, Wettbewerbe, alles Mögliche. Wir haben es sogar geschafft, Stabhochsprungmeisterschaften ins Center zu holen. Alles mit dem Ziel, dass die Menschen länger bei uns verweilen, um ihnen dann etwas Besonderes zu bieten.

Früher die Kneipe an der Ecke oder der Park – heute das Shopping-Center als sozialer Treffpunkt?

Absolut. Wir messen kontinuierlich die Kundenfrequenz und stellen fest, dass es immer mehr werden. Auch die Jungen kommen, obwohl es ja immer heißt, dass sie lieber im Internet einkaufen. Tatsächlich sind es nach unseren Erkenntnissen aber mehr Menschen im Alter zwischen 30 und 50, die im Netz bestellen. Berufstätige, die auf diese Weise Zeit und Aufwand sparen.

Der Online-Handel explodiert geradezu. Es gibt Prognosen, die ihn in zehn Jahren bei 25 Prozent des gesamten Handels sehen. Eine gewaltige Marge. Wie wollen Sie mit Ihren Centern dagegenhalten?

Es klingt profan, aber am wichtigsten wird sein, die bestehenden Standorte so attraktiv wie möglich zu machen. Wir müssen immer wieder neu auf der Höhe der Zeit sein. Der Online-Handel ist insofern auch eine Art Katalysator für eine weitere Entwicklung des stationären Handels. Aber klar: Nicht alle werden diesen Weg mitgehen können, es wird eine Auslese geben.

Was heißt das heute konkret – auf der Höhe der Zeit?

Dass man erstens, wie ich schon sagte, das Einkaufen zum Erlebnis macht. Und zweitens sich intensiv mit dem Internet und seinen Chancen beschäftigt. Sie können als Händler auf Facebook aktiv werden oder andere soziale Netzwerke nutzen. Sie sollten im Center WLAN anbieten und eine auf das Center zugeschnittene App.

Eine App? Wofür?

Um Angebote zu machen. Wir testen das gerade. Der Kunde gibt ein, für welche Produkte und Sortimente er sich besonders interessiert. Auf seinem Smartphone bekommt er dann beim nächsten Besuch die Information, was im Center gerade nach seinem Geschmack ist oder besonders günstig angeboten wird.

Sie verkuppeln Kunde und Händler.

So könnte man das sagen, ja. Es gibt dafür noch andere Möglichkeiten. Der Kunde recherchiert im Netz, findet ein Produkt, das ihm gefällt und kann sofort sehen, wo er es möglicherweise gleich um die Ecke im Laden findet. Sie sehen, Online muss keine Einbahnstraße sein, es gibt da spannende Wechselwirkungen.

Auch negative: Im Center etwas anprobieren, um es später günstig im Netz zu kaufen.

So etwas gibt es, klar. Aber umgekehrt ebenfalls, sehr viel stärker sogar, wir haben das untersucht. Der Kunde informiert sich im Netz und geht dann los, um das Produkt im Laden zu kaufen.

Sie haben mal gesagt, Computer hätten keinen Charme, Verkäufer aber schon. Ein klarer Vorteil.

Na ja, das ist relativ. Auch dazu haben wir Befragungen machen lassen. Der Service im Geschäft fällt demnach bei den Kunden nicht so stark ins Gewicht wie die Informationen, die sie sich im Internet über das jeweilige Produkt besorgen. Trotzdem ist die Betreuung im Laden ein wichtiger Faktor für den stationären Handel. Und das bleibt auch so.

Zuletzt noch einmal zu Bremen. Wie ist der Standort aus Ihrer Sicht aufgestellt?

Bremen ist beim Einzelhandel gut ausgestattet. Allerdings mehr am Rand, mit Dodenhof, Weserpark oder Waterfront. Die City hat bei Weitem nicht die Bedeutung wie in anderen vergleichbaren Städten. Da muss sicherlich nachgebessert werden.

Was mit dem geplanten City-Center gerade versucht wird. Sie haben Ihre Bewerbung zurückgezogen. Kein Interesse mehr an Bremen?

Aber natürlich haben wir weiterhin Interesse. Bremen ist eine spannende Stadt. Einkaufscenter zu entwickeln, ist generell aber ein schwieriges Geschäft geworden. Sie müssen heute viel Geld für die Flächen zahlen und haben mit Händlern zu tun, die ihre Mieten genau kalkulieren müssen. Sicher spielt auch eine Rolle, dass stadtplanerische Ansprüche, die ihre Berechtigung haben, mit den funktionalen Anforderungen eines Centers kollidieren können.

Zur Person: Alexander Otto, 46 Jahre alt, ist der jüngste Sohn des Hamburger Versandhausgründers Werner Otto. Seit dem Jahr 2000 führt er die ECE-Projektmanagement GmbH und entwickelt Großimmobilien jeder Art.

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