Stromanbieter

Einsparung oft nur im ersten Jahr

Strom wird auch in diesem Jahr teurer werden. Dennoch ist in Bremen Strom deutschlandweit am günstigsten - was es auf der Suche nach dem passenden Stromanbieter zu beachten gilt.
11.03.2018, 22:50
Lesedauer: 3 Min
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Von Olaf Grahl
Einsparung oft nur im ersten Jahr

Wichtig für die Tarifanalyse, wenn man den Wechsel selbst organisiert, ist: Der Preis sollte mindestens für zwölf Monate festgeschrieben sein.

dpa

Strom wird auch in diesem Jahr teurer werden. Die bisherigen Preiserhöhungen von 97 Anbietern liegen im Schnitt bei 2,8 Prozent, ermittelte das Vergleichsportal Check24. Die Suche nach einem günstigeren Stromanbieter lohnt fast immer. Seit 2007 sind die Energiepreise um 45 Prozent gestiegen. Dennoch ist in Bremen Strom deutschlandweit am günstigsten. 4000 Kilowattstunden für eine vierköpfige Familie kosten im Grundtarif bei der swb Bremen Vertrieb 1063 Euro im Jahr.

Dennoch kann sich ein Wechsel auszahlen, zumindest auf den ersten Blick. Laut dem Vergleichsportal Check24 verspricht die Bayerische Energieversorgungsgesellschaft (BEV Energie) als günstigster Anbieter mehr als 300 Euro an verschiedenen Boni im ersten Jahr. Im zweiten Jahr liegt der Strompreis ohne Boni dann aber schon rund 100 Euro über dem aktuellen swb-Preis, bezogen auf den Grundtarif.

Die Einsparung von 227 Euro, die das Vergleichsportal Check24 ermittelt, gilt also nur im ersten Jahr. Schon im zweiten Jahr fällt die Stromrechnung teurer aus als beim regionalen Bremer Stromversorger. Wer nicht jedes Jahr den Stromanbieter erneut wechseln will, kann sich auch einen Vergleich ohne Einberechnung der Boni bei Check24 anzeigen lassen. Dann fällt die Ersparnis nur halb so hoch aus, der Verbraucher hat aber die Chance, im nächsten Jahr noch einmal diesen Betrag einzusparen, sofern die Preise nicht angehoben werden.

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Wem das alles zu kompliziert ist, dem bieten jetzt neue Dienstleister an, den Wechsel für den Kunden zu übernehmen. Jährlich wählen sie einen günstigen Tarif aus. Je nach Geschäftsmodell ist der Service kostenlos, oder der Kunde muss 20 bis 30 Prozent der Einsparung abgeben. „Wir bieten einen Service, den wir selbst vermisst haben“, sagen die Gründer des Unternehmens Wechselpilot, Jan Rabe und Maximilian Both.

Beide sind Physiker und haben Erfahrungen im Energiehandel gesammelt. Sie kennen die Tricks der Anbieter. „Unsere Tarifempfehlung ist nie der günstigste Anbieter“, sagt Both. „Bei uns kommt die Provision vom Kunden und nicht vom Energieanbieter. So können wir unabhängig agieren.“ Vermittelt werden Energie- und Gastarife, auch für gewerbliche Kunden wie Hausverwaltungen.

Der Kunde meldet sich auf der Internetplattform Wechselpilot an und erhält danach eine Empfehlung mit vier Tarifen: einen Tarif, der von Wechselpilot anhand von Preis, Vertragsbedingungen und Service als bester eingestuft wird. Dann den Preissieger, einen Ökostromtarif und einen Tarif ohne Boni für Kunden, die möglichst niedrige Abschläge zahlen wollen. Der Kunde kann einen der vier Tarife auswählen, und Wechselpilot übernimmt alle weiteren Formalitäten. „Wir haben diese Prozesse automatisiert und nehmen dem Kunden den Papierkram ab“, sagt Both.

Wechselservice kostet

Wenn der Kunde auf die Empfehlung nicht reagiert, kommt er automatisch in den von Wechselpilot favorisierten Tarif. Nach einem Jahr wiederholt sich die Prozedur, so lange, wie der Kunde den Service in Anspruch nehmen will. „Wir achten auf den Kündigungstermin des Stromtarifs und versenden dann neue Empfehlungen“, sagt Rabe. Der Service kostet 20 Prozent der tatsächlich erzielten Einsparung.

„Ich halte das für einen legitimen Service, wenn man selbst keine Lust hat, die Tarife ständig neu zu vergleichen und auf Kündigungsfristen zu achten“, sagt die Energieexpertin Ines Rutschmann vom unabhängigen Verbraucherportal Finanztipp. „Wenn allerdings immer mehr Verbraucher solche Dienste in Anspruch nehmen, werden die Boni in Zukunft geringer ausfallen.“

Das wissen auch die Gründer von Wechselpilot. „Doch wer neue Kunden gewinnen will, wird um Boni nicht herumkommen“, sagt Rabe. Der Konkurrent Switchup bietet einen ähnlichen Service für Strom- und Gastarife. Für die Kunden ist er kostenlos, Switchup wird über Provisionen vom neuen Anbieter finanziert. „Für uns erschließt sich nicht, wie sich das für den Anbieter und den Energieversorger rechnen soll“, sagt Ines Rutschmann.

Preis sollte mindestens für zwölf Monate festgeschrieben sein

Denn der Stromlieferant muss fürchten, dass ihn der Kunde nach einem Jahr schon wieder verlässt. Der Trend geht auch bei anderen Anbietern in Richtung Bezahlung durch den Kunden. Der Wechselservice Cheapenergy24 verlangt im ersten Jahr 30 Prozent der Einsparsumme. Vom dritten Jahr an sind es 20 Prozent. Bleibt die Ersparnis unter 100 Euro, ist der Wechselservice kostenlos. Auch SwitchMe24 berechnet 25 Prozent Provision.

Wichtig für die Tarifanalyse, wenn man den Wechsel selbst organisiert, ist: Der Preis sollte mindestens für zwölf Monate festgeschrieben sein. Allerdings garantieren die meisten Anbieter nur Preisbestandteile, die nichts mit Steuern und anderen staatlichen Abgaben zu tun haben. Neben Laufzeit und Kündigungsfristen (meist sechs Wochen zum Vertragsende) sind weitere Kriterien wichtig. Pakettarife mit einer Mindestabnahmemenge Strom und Vorkasse sollten ausgeschlossen sein.

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