Tesla-Manager in Niedersachsen Elon Musk zieht es ins Emsland

Sowohl in Emden als auch im Emsland haben sich Tesla-Manager Flächen für ein mögliches Europa-Werk angeschaut. Tesla-Chef Elon Musk könnte sich am Ende für Dörpen und Papenburg im Emsland entscheiden.
23.08.2019, 05:08
Lesedauer: 3 Min
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Von Peter Mlodoch und Florian Schwiegershausen

Der E-Autobauer Tesla zeigt konkretes Interesse an einem Produktionsstandort im niedersächsischen Emsland. Ende Juli sondierten Manager der Amsterdamer Europazentrale und der Deutschlandvertretung des US-Unternehmens in Dörpen und Papenburg potenzielle Flächen für die Fertigung von Fahrzeugen. „Die gemeinsame Bewerbung des Wirtschaftsraums Papenburg-Dörpen hat dazu geführt, dass sich ein Tesla-Team bei uns vor Ort umgeschaut hat“, bestätigte Dörpens Bürgermeister Hermann Wocken (CDU) am Donnerstag entsprechende Informationen des WESER-KURIER. „Dieser Besuch ehrt uns sehr; wir freuen uns über das Interesse“, sagte Wocken. „Jetzt müssen wir die Entscheidung von Tesla abwarten.“

Dörpen und Papenburg seit 2016 im Gespräch

Es geht zunächst um den reinen Fahrzeugbau. Im Gespräch ist eine neue Fabrik mit 1000 bis 2000 Arbeitsplätzen. Vor einem Jahr hatte Tesla-Vorstandschef Elon Musk angekündigt, in Europa nach Standorten für zwei sogenannte Giga-Factories zu suchen. Darunter versteht der US-Konzern die kombinierte Produktion von Antriebsbatterien und Autos. Deutschland sei dabei „die bevorzugte Wahl für Europa“, erklärte Musk damals. Dörpen und Papenburg hatten sich gemeinsam bereits vorher – nämlich im Dezember 2016 – bei Tesla ins Spiel gebracht. Neben Standorten in Rheinland-Pfalz und im Saarland steht auch Emden ganz oben auf der Liste der Amerikaner.

„Eine gute Lage im europäischen Verkehrsnetz samt Hafenanbindung, eine dynamische Forschungslandschaft und erneuerbare Energien vor der Haustür: Niedersachsen ist eine der weltweiten Topregionen der Automobilwirtschaft, das ist auch Tesla bekannt“, beschrieb Niedersachsens Wirtschaftsminister Bernd Althusmann (CDU) die Vorzüge der heimischen Bewerber. „Ich würde mich über ein Engagement des Unternehmens und die damit verbundenen neuen Arbeitsplätze in unserem Land freuen.“ Man werde die Suche Teslas weiter positiv begleiten und für Niedersachsen als innovativen Automobilstandort werben, kündigte der Ressortchef an. Bislang hatte es zwar mehrere Kontakte, auch schon zu rot-grünen Zeiten 2016, zum Elektro-Pionier gegeben, konkrete Zusagen folgten aber nicht.

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Für den Nordwesten sprechen die gute Infrastruktur und die üppige Versorgung mit sauberer Windenergie. Dörpen an der Ems verfügt über den zweitgrößten Binnenhafen Niedersachsens, Papenburg mit dem Sitz der Meyer-Werft über den südlichsten Seehafen Deutschland. Beide Kommunen sind über die A 31 an das Autobahnnetz angebunden und liegen an der Bahnlinie Münster-Emden. Dazu kommt die Grenznähe zu den Niederlanden – für Tesla mit Blick auf den Markt in den Benelux-Ländern ein weiterer potenzieller Pluspunkt. Das Emsland liegt außerdem im Dreieck der bereits bestehenden Automobilstandorte Emden und Osnabrück (jeweils VW) sowie Bremen mit dem Mercedes-Werk.

VW-Werk in Emden steht vor Jobverlusten

Das nicht weit entfernte Emden wiederum bietet seinen Seehafen mit dem Schwerpunkt Autoumschlag und schnellen Schiffsverbindungen zum für Tesla lukrativen Markt in Skandinavien. Das dortige VW-Werk beschäftigt derzeit noch 9000 Mitarbeiter, steht allerdings vor einer völligen Umstellung auf E-Mobilität und damit verbundenen Jobverlusten. Das wirft natürlich die Frage nach möglichen Synergien auf. Meldungen über einen Einstieg der Wolfsburger Autobauer bei Tesla dementierte Volkswagen aber umgehend.

Die IG Metall Küste freut sich grundsätzlich über solche Nachrichten, wie Sprecher Heiko Messerschmidt sagte: „Es macht durchaus Sinn, ein Werk dort zu bauen, wo auch der Windstrom für die Autos produziert wird.“ Im Hinblick auf die entstehenden Arbeitsplätze fügte er aber hinzu: „Das Engagement sollte dann aber nachhaltig sein, und das Unternehmen sollte die Tarifbindung akzeptieren ebenso wie die Mitarbeitermitbestimmung.“

Dörpen und Papenburg hatten sich bereits Ende 2016 mit einem Brief an Tesla-Chef Elon Musk gewandt und für den Standort im Emsland geworben. Das hatten auch Bremen und Bremerhaven versucht. Bereits Anfang 2016 schickten der damalige Wirtschaftssenator Martin Günthner und Bremerhavens Oberbürgermeister Melf Grantz (beide SPD) Musk einen Brief. Im Frühjahr 2017 hatte Bremens Wirtschaftsförderung per E-Mail Werbung für einen Standort im kleinsten Bundesland gemacht. Doch beide Male gab es keine Reaktionen aus Kalifornien, dem Stammsitz von Tesla.

Seit Jahren Verlust bei Tesla

Angebote für Werksstandorte erhielt Elon Musk von überall her. Dabei macht der Hersteller von Elektroautos seit Jahren Verlust. 2018 lag der vor Steuern und Zinsen bei mehr als 900 Millionen Euro bei einen Umsatz von umgerechnet mehr als 19 Milliarden Euro. Zumindest konnte Tesla im dritten und vierten Quartal Gewinne vermelden. Beim neuen Model 3 gab es in diesem Jahr Lieferschwierigkeiten nach Europa und China.

Umso wichtiger für das Unternehmen, dass es dort in Zukunft auch Werke geben soll. Was am Ende als weicher Faktor in Niedersachsen für das Emsland gegenüber Emden spricht, ist der Vorteil beim Autokennzeichen: Sollte beispielsweise 2025 in Dörpen der erste Tesla vom Band rollen, könnte Musk es mit dem Kennzeichen „EL-ON 2025“ schmücken.

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