Nach dem Verkauf nun das Aus

Lürssen-Gruppe schließt Elsflether Werft

Nur wenige Monate nach der Übernahme hat die Bremer Lürssen-Gruppe das Aus für die Elsflether Werft verkündet. Die Übernahme im Oktober 2019 geschah aus einem einfachen Grund.
08.04.2020, 18:47
Lesedauer: 3 Min
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Lürssen-Gruppe schließt Elsflether Werft
Von Peter Hanuschke
Lürssen-Gruppe schließt Elsflether Werft

Die Elsflether Werft hatte in früheren Jahren die "Gorch Fock" mehrfach überholt. Das Foto aus dem Jahr 2008 zeigt das Segelschulschiff der Marine am Pier der Elsflether Werft.

Christian Kosak

Für die Elsflether Werft kommt das Aus: Aus Sicht der Bremer Lürssen-Gruppe, die die Werft im Oktober übernommen hatte, ist das Unternehmen nicht zukunftsfähig. Lürssen hatte die damals insolvente Elsflether Werft übernommen, um dadurch die „Gorch Fock“ zu Ende bauen zu können. Lürssen hatte sich bei diesem Bieterverfahren unter anderem gegen die Fassmer-Werft aus Berne durchgesetzt. Die Elsflether Werft AG war ursprünglicher Auftragnehmer für die Sanierung des Marineschulschiffs. Allen 130 Mitarbeitern will Lürssen ein Übernahmeangebot unterbreiten.

Die Generalüberholung des Dreimastseglers hatte sich seit 2015 zum Debakel für die Elsflether Werft und somit auch für die Bundeswehr entwickelt. Die Kosten waren von geplant zehn Millionen Euro auf 135 Millionen Euro gestiegen. Die Werft geriet in die Insolvenz. Außerdem ermittelte die Justiz nach Millionen Euro, die unter einer früheren Werftleitung verschwunden sind.

Der Betrieb auf der Elsflether Werft soll nach Angaben der Lürssen-Gruppe im laufenden Jahr eingestellt werden. Nach intensiver Bewertung aller analysierten Aspekte sei eine Aufrechterhaltung des Betriebs am Standort Elsfleth wirtschaftlich nicht tragfähig, teilt das Unternehmen mit. Die enorme Verschlickung des an der Hunte gelegenen Werfthafens, Altlasten auf dem Werftgelände sowie ein massiver Sanierungsstau hätten zur Aufgabe des Standortes geführt.

Im Vordergrund des laufenden Anbindungsprozesses an die Lürssen-Gruppe stünden die mehr als 130 Mitarbeiter, heißt es. „Insbesondere deren Fähigkeiten im Reparaturgeschäft hatten das Bremer Familienunternehmen in dem Entschluss bestärkt, die Werft zu übernehmen. Davon ist das Unternehmen bis heute überzeugt.“ Die erfolgreiche Einbindung zahlreicher Mitarbeiter in die Gruppe – etwa am Lürssen-Standort Berne zur Instandsetzung der „Gorch Fock“ – bekräftige diese Entscheidung.

Was die Fertigstellung des renovierungsbedürftigen Marineschulschiffs „Gorch Fock“ angeht, hatte Lürssen im März mitgeteilt, dass sich die Sanierung um etwa fünf Monate verzögern wird: Ende Mai 2021 will die Lürssen-Werft das Schiff der Deutschen Marine nun übergeben. Das war ursprünglich für kommenden Dezember vorgesehen. In einer Mitteilung des Unternehmens hieß es, dass die Leistungsbeschreibung „umfassend neu bewertet“ wurde.

Dass die Elsflether Werft keine wirtschaftliche Zukunft hat, begründet die Lürssen-Gruppe vor allem damit, dass ohne die notwendige Ausbaggerung des Schlicks alle zwei bis drei Jahre, die eine Mindestwassertiefe von mehr als vier Metern ermöglichen würde, Boote nicht bewegt werden könnten. Allerdings seien die Beseitigungskosten des Schlicks durch den Betrieb wirtschaftlich nicht leistbar. Zusätzlich zur Verschlickung sei das Werftgelände mit grundwassergefährdeten Altlasten kontaminiert, deren Beseitigungskosten laut einer Analyse nicht kalkulierbar sind.

Erschwerend komme hinzu, dass massive Investitionen in die Werftinfrastruktur notwendig seien, die ebenfalls durch den Standort nicht erwirtschaftet werden könnten. Nach Angaben von Lürssen müsste danach unter anderem eine zweite Spundwand vor die abgängige Pier gerammt und alle vier Krane modernisiert werden. Darüber hinaus wäre ein Umbau der Slipanlage erforderlich. Zudem seien die an den Werftstandort angrenzenden Flächen im Februar 2020 nach der europäischen FFH-Richtlinie als Landschaftsschutzgebiet ausgewiesen worden. Das habe zur Folge, dass Lärm, Staub, Farbnebel, und andere typische Werftemissionen nicht zulässig seien. Auch diese Einschränkung rechtfertigt keine langfristige Perspektive für diesen Standort als Werft und Industriebetrieb, so Lürssen.

Mit der Elsflether Werft verschwindet ein Traditionsunternehmen. Gegründet wurde sie 1916. Bereits bei ihrer Gründung hatte die Werft eine starke Ausrichtung auf den Reparaturbereich. Erst 1920 erfolgte der erste Neubau-Auftrag.

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