Offshore-Windenergie EnBW und Dong Energy: Offshore-Windpark ohne Subventionen

EnBW und Dong Energy wollen beim Bau von vier geplanten Offshore-Windparks mit viel weniger Förderung auskommen, als bei Projekten in der Vergangenheit. Ein Windpark soll sogar ohne Subventionen gebaut werden.
20.04.2017, 19:44
Lesedauer: 4 Min
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EnBW und Dong Energy: Offshore-Windpark ohne Subventionen
Von Maren Beneke

EnBW und Dong Energy wollen beim Bau von vier geplanten Offshore-Windparks mit viel weniger Förderung auskommen, als bei Projekten in der Vergangenheit. Ein Windpark soll sogar ohne Subventionen gebaut werden.

Die Überraschung war groß, als in der vergangenen Woche die Ergebnisse der ersten öffentlichen Ausschreibung für Windparks nach der jüngsten Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) publik wurden. EnBW und Dong Energy, die Unternehmen, die den Zuschlag bekommen haben, wollen im Schnitt mit einer Förderung aus dem EEG von 0,44 Cent je Kilowattstunde auskommen.

Einen der geplanten Windparks, „He Dreiht“ gut 80 Kilometer nördlich von Borkum, will EnbW sogar ganz ohne Hilfen bauen. Ein Paukenschlag, wenn man bedenkt dass, die staatlich gewollte Unterstützung für Offshore-Strom aktuell bei 18,4 Cent pro Kilowattstunde liegt.

Kritik an Subventionen

So wurden in den vergangenen Tagen erste Stimmen laut, die meinen, dass die Subventionen der Offshore-Windenergie in ihrer bisherigen Höhe gar nicht nötig gewesen wären. Wie sonst ist es zu erklären, dass der Förderbedarf von heute auf morgen von zuvor 18,4 Cent auf nun 0,44 Cent im Schnitt sinken kann – und bei einem einzelnen Projekt sogar auf null Cent?

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Diese Rechnung geht nicht so einfach auf, wie es auf den ersten Blick erscheinen mag. Denn der Unterschied zwischen den tatsächlichen Fördersummen ist tatsächlich weniger gering: Die neuen Projekte werden mit 20 Jahren über einen längeren Zeitraum unterstützt als die derzeitigen.

Zum Vergleich: Für aktuelle Projekte gibt es die 18,4 Cent je Kilowattstunde über einen Zeitraum von acht Jahren. Und auch die null Cent sind nur ein Teil der Wahrheit: Einer der Windparks soll mit einer Förderung von sechs Cent auskommen. Gemessen an der bisherigen Summe ist die Differenz zu den 18,4 Cent schon nicht mehr ganz so groß.

Dong und EnBW sicherten sich den Zuschlag

Und es gibt weitere Ansatzpunkte, wie sich erklären lässt, dass Dong und EnBW mit weit weniger finanzieller Unterstützung auskommen wollen als bislang. Zunächst einmal sollen die Nordsee-Windparks, die jetzt den Zuschlag erhalten haben, erst zwischen 2021 und 2025 realisiert werden.

Doch schon jetzt haben sich Dong und EnBW durch das für sie erfolgreiche Verfahren – der niedrigste Bieter bekommt den Zuschlag – nicht nur die Projekte, sondern auch den Marktzugang gesichert. Die Konkurrenz gerät damit ins Hintertreffen. Einen Wettbewerbsdruck in dieser Form hat es bislang nicht gegeben.

Auffällig ist außerdem, dass sowohl Dong als auch EnBW zumindest in Teilen der öffentlichen Hand gehören. Bei Dong ist der dänische Staat Anteilseigner, an EnBW ist das Land Baden-Württemberg beteiligt. Das heißt zwar nicht automatisch, dass die Firmen Vorteile am Markt haben. Aber es unterscheidet sie doch von privaten mittelständischen Unternehmen. Und es könnte am Ende eine Erklärung dafür sein, dass EnBW und Dong im Bieterverfahren ein Stück weit spekulativer agieren konnten.

Staatliche Anteilseigner

Ein Punkt, den auch der Bundesverband Windenergie (BWE) kritisiert. „Die Erwartungen insbesondere staatlicher Anteilseigner führen zu einem stark risikoorientierten Verhalten“, teilt der Verband mit. BWE-Präsident Hermann Albers: „Mittelständische und nicht durch staatliche Eigentümerstrukturen abgesicherte Unternehmen werden nicht so hoch spekulativ agieren können.“

Dadurch, dass die Parks erst in acht Jahren ans Netz gehen sollen, gewinnen die beiden Energiekonzerne Zeit. Bis zur Realisierung kann sich auf dem Offshore-Markt einiges ändern – das haben die Erfahrungen der vergangenen Jahre gezeigt. Einen Sprung könnte es etwa bei der Technik geben. So kommen etwa die Turbinenbauer Adwen und Siemens mit ihren Acht- und Sieben-Megawatt-Anlagen auf den Markt, auch sehr viel größere Turbinen mit zwölf Megawatt und mehr sind für die Zukunft denkbar.

Auch die Logistikkosten, bisher einer der Kostentreiber beim Bau von Windparks, dürften in nächster Zeit weiter sinken. Und in vielen weiteren technischen Bereichen sind ähnliche Entwicklungen zu erwarten. Können die Firmen in Punkten wie diesen Kosten sparen, brauchen sie am Ende auch weniger Förderung, um die Parks gewinnbringend bauen zu können.

Steigender Strompreis im Großhandel

Es gibt noch einen weiteren Faktor, der die Unternehmen begünstigen könnte: ein steigender Strompreis im Großhandel. Der Atomausstieg ist seit Langem beschlossene Sache, Veränderungen könnte es unter Umständen auch im Handel mit CO2-Zertifikaten geben, und auch ein Abschied von der Kohle scheint angesichts des Klimawandels nicht mehr undenkbar. Parallel werden alte Anlagen vom Netz genommen. All das hätte spürbare Auswirkungen auf die Marktpreise an den Strombörsen.

Martin Hoven vom Bremer Marktforschungsinstitut Trendresearch spricht von einer „brutalen Wette“ auf steigende Strompreise, sinkende Turbinenpreise und die fortschreitende, technische Entwicklung. „Entscheidend sind weiterhin wohl auch die unternehmerischen Strategien der beiden Bieter“, sagt Hoven. Sie verfolgten das Ziel, sich vom Kohle- und Kernkraftstromproduzenten zum Marktführer bei den erneuerbaren Energien zu entwickeln oder diese zumindest stark auszubauen.

Jens Eckhoff, Präsident der Stiftung Offshore-Windenergie, spricht ebenfalls von einem Spekulationsgeschäft, das allerdings nicht völlig aus der Luft gegriffen sei. „Die Konzerne werden so spät bauen, wie es nur geht“, sagt er. Eckhoff weist aber auch auf die Gefahr hin, dass sich Dong und EnBW am Ende verspekuliert haben könnten. Wenn es sich für die Unternehmen nicht lohnt, so seine Befürchtung, könnten sie sich weigern, die Parks zu bauen. „Und wenn nicht gebaut wird, stoppt auch der technologische Fortschritt.“

Auch Andreas Wellbrock, Geschäftsführer des Bremerhavener Windenergie-Unternehmensnetzwerkes WAB, meint, dass mit den Preisen die technologischen Entwicklungen der nächsten Jahre vorweggenommen werden. „Alles andere ist eher Spekulation.“ Wellbrock verteidigt außerdem die bisherige Förderung für Offshore-Strom: Diese sei zwingend notwendig gewesen, um die Windenergie dahin zu bringen, wo sie jetzt ist. „Ohne diesen Anschub hätte sich die Technologie gar nicht so schnell entwickeln können“, sagt er.

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