Strom-, Gas- und Wasserleitungen

SWB sperrt 1916 Anschlüsse

Wer seine Rechnungen nicht bezahlt, dem klemmt die SWB die Versorgungsleitungen ab. In Bremen ist die Zahl der Netzsperren im vergangenen Jahr auf ein Rekordtief gefallen.
17.04.2021, 05:00
Lesedauer: 2 Min
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SWB sperrt 1916 Anschlüsse
Von Tobias Hensel

In 1916 Fällen sahen sich die Mitarbeiter der SWB im vergangenen Jahr gezwungen, die Anschlüsse für Strom, Gas und Wasser zu sperren: Ein Rückgang von 36,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahr 2019. Doch was auf den ersten Blick so erfreulich aussehe, trüge, sagt Iris Klauck von der SWB. „Wir haben aufgrund der Pandemie drei Monate lang Zahlungsaufschub gegeben und unsere Mitarbeiter nur wenig in den Außendienst geschickt, deshalb sind die Zahlen für 2020 nicht ganz repräsentativ“.

Doch auch, wenn man davon ausgeht, dass sich die Zahl der Sperren am Ende dieses Jahres ungefähr auf das Niveau von 2019 einpendeln wird, wovon Klauck ausgeht, sind die Netzsperren insgesamt rückläufig. „Zwischen 2015 und 2019 ist die Zahl der Sperren im Land Bremen um 42 Prozent zurückgegangen.“

Um diesen Weg weiterzugehen und die Zahl der Energiesperren weiter zu senken, hat sich Ende 2014 der Runde Tisch „Energie und Wassersperren im Land Bremen vermeiden“ gegründet. In diesem Kreis kommen unter anderen Vertreter der SWB, der Senatorin für Soziales, der Umweltsenatorin, der Verbraucherzentrale und der Jobcenter zusammen um zu überlegen, wie die Zahl der Netzsperren weiter gesenkt werden kann. Doch Klauck wird schnell grundsätzlich: „So lange die Armuts- und Überschuldungsquoten so hoch sind – und so lange diese auch nicht sinken, wird es weiter Netzsperren geben“.

Annabel Oelmann, Leiterin der Verbraucherzentrale, beobachtet in ihrem Alltag verschiedene Problemlagen. „Einerseits haben wir Menschen mit Migrationshintergrund, denen wir erklären müssen, warum jeden Monat eine Rechnung der SWB kommt, andererseits kommen Leistungsbezieher zu uns, die der drohenden Sperre angesichts ihrer finanziellen Situation panisch entgegenblicken“. Die Verbraucherzentrale will mit einer Energiebudget-Beratung helfen, einerseits den eigenen Energieverbrauch zu hinterfragen und gegebenenfalls zu senken, andererseits die finanzielle Situation so zu klären, dass die Rechnungen pünktlich bezahlt werden können. „In 2019 haben wir 157 Beratungen durchgeführt, in 2020 waren es fast doppelt so viele, nämlich 301. Und allein im ersten Quartal dieses Jahres hatten wir schon 167 Beratungen, das Angebot wird also sehr gut angenommen.“

Denn wer mehrere Monate im Rückstand ist, der baut einen Schuldenberg auf, den er nicht mehr bezahlen kann. Die Menschen öffnen in solchen Situationen häufig die Briefe nicht mehr, weshalb die SWB mittlerweile Mahnschreiben per SMS ankündige. Und ein Faltblatt des Projekts „Zappenduster“, das in solchen Situationen helfen soll, wird auch beigelegt.

„Kommt zu uns, sprecht mit uns, wir sind für euch da“, sagt Oelmann in Richtung der Betroffenen. Und auch die SWB will helfen und bietet in Notsituationen niedrige Tilgungsraten an. Gemeinsam mit dem Sozialressort wurde ein Härtefallfonds aufgelegt, der in besonderen Notlagen mit einer einmaligen Finanzspritze und einem umfassenden Beratungsangebot helfen will.

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