LNG-Tankstelle Erste LNG-Tankstelle im Norden eröffnet

Der Energiekonzern Shell hat seine erste öffentliche Tankstelle für verflüssigtes Erdgas (LNG) in Deutschland eröffnet. Die Technologie gilt als Alternative zum Diesel
18.09.2018, 18:38
Lesedauer: 4 Min
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Von Peter Hanuschke und Eckart Gienke

Der Energiekonzern Shell hat am Dienstag in Hamburg seine erste öffentliche Tankstelle für verflüssigtes Erdgas (LNG) in Deutschland eröffnet. Das sei ein wichtiger Schritt für den Aufbau einer LNG-Infrastruktur für den Schwerlastverkehr, heißt es in einer Mitteilung. Damit gibt es in Deutschland bislang zwei öffentlich zugängliche LNG-Tankstellen: Die erste wurde im April 2017 von dem Energieunternehmen Liqvis östlich von Berlin in Freienbrink eröffnet.

Außerdem gibt es seit 2016 eine LNG-Versuchstankstelle von Liqvis in Ulm. LNG (Liquefied Natural Gas) ist nicht nur für Schiffe und Bahnen eine mögliche Alternative zum Dieselantrieb. Auch schwere Lkw können damit sehr viel umweltfreundlicher als bislang betrieben werden. Mit LNG angetriebene Lastwagen stoßen keinen Feinstaub aus und deutlich weniger CO2. In Europa sind bereits 5000 schwere Lastwagen unterwegs, die LNG tanken können.

Das sind, gemessen an der Zahl der Fahrzeuge, noch nicht viele. Allein in Deutschland fahren drei Millionen Lkw. In der Statistik des Kraftfahrt-Bundesamtes gibt es für LNG-Lkw noch nicht einmal eine eigene Rubrik, sie tauchen unter der Überschrift „Sonstige“ auf, die Anzahl lag am 1. Januar bei unter 500. In den nächsten Jahren wird allerdings mit einer deutlichen Zunahme gerechnet. In den USA und Asien fahren schon jetzt viele Lastwagen mit LNG.

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"Die Eröffnung der ersten LNG-Tankstelle von Shell in Deutschland ist ein Signal für den Wandel im Straßengüterverkehr", sagt Andreas Kuhlmann, Vorsitzender der Geschäftsführung der Deutschen Energie-Agentur (Dena). Dena versteht sich als unabhängiger Treiber und Wegbereiter der Energiewende – national und international. Die Gesellschafter der Dena sind die Bundesrepublik Deutschland und die KfW Bankengruppe. Kuhlmann: „Seit bald drei Jahren arbeitet die Dena in der Taskforce mit verschiedenen Stakeholdern daran, LNG als Kraftstoff zu etablieren. Unsere Arbeit trägt nun mehr und mehr Früchte."

Kauf von Lkw wird gefördert

Die Tankstelle komme für Transportdienstleister zur rechten Zeit und mache das Bundesförderprogramm für umweltfreundliche Lkw noch attraktiver, so Kuhlmann. Es sei ein Beispiel dafür, wie öffentliche Anschubfinanzierung und privatwirtschaftlicher Infrastrukturausbau den Markt für LNG-Lkw voranbringen können. "Wir sind froh, dass wir mit unserer Arbeit bereits wichtige Impulse für die Marktentwicklung geben konnten. Jetzt geht es darum, die Dynamik weiter zu verstärken.“

Zwischen 25.000 Euro und 45.000 Euro kostet ein LNG-Lkw mehr als ein herkömmlicher Diesel-Vertreter. Gefördert wird der Kauf vom Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur seit diesem Jahr mit 12.000 Euro pro Lkw. Allerdings ist LNG im Vergleich zu Diesel günstiger. LNG-Fahrzeuge mit Laufleistungen von etwa 100.000 Kilometer pro Jahr würden die Mehrkosten bereits nach ein paar Jahren herausgefahren haben.

Auch auf Herstellerseite hat sich im Segment LNG einiges getan: Iveco gilt in diesem Bereich als Vorreiter, aber auch VW-Tochter Scania hat inzwischen einen LNG-Lkw im Angebot. Auch Volvo bietet LNG-Lkws an. Außerdem haben weitere Hersteller angekündigt, im Bereich Langstreckenantriebe LNG stärker zu berücksichtigen. Deshalb wird das Thema LNG-Antrieb auch ein Bestandteil der Messe IAA Nutzfahrzeuge sein, die vom 20. bis 27. September in Hannover stattfindet. Ein Schwerpunkt der IAA: alternative Antriebe.

Die Hamburger Tankanlage im Stadtteil Harburg soll im Herbst nach einer Pilotphase in Betrieb gehen. Bei einer Kapazität von fast 30 Tonnen sollen dort täglich mehr als 200 Lastwagen das Erdgas tanken können. Für Shell ist es die neunte Station in Nordwesteuropa. Der Konzern unterhält bereits entsprechende Zapfstellen in den Niederlanden sowie eine in Belgien. Weitere sollen folgen.

„Wir treiben den Aufbau eines LNG-Stationsnetzes mit Blick auf das globale Ziel voran, den Ausstoß von Emissionen auch im Transportsektor zu begrenzen“, sagte Thomas Zengerly, Chef von Shell in Deutschland. Rund ein Fünftel der energiebezogenen CO2-Emissionen entfallen auf den Transportsektor. Spanien, die Benelux-Länder und auch Skandinavien verfügen über ein dichteres Netz von LNG-Zapfsäulen. Teils durchqueren LNG-Laster Deutschland daher und tanken im Ausland. Die Reichweite eines Fahrzeugs mit vollem Tank beträgt bis zu 1500 Kilometer.

Treibstoff kommt aus Rotterdam

Die neue Tankstelle wird per Lastwagen aus Rotterdam mit dem Treibstoff versorgt, weil Deutschland bislang über kein eigenes Import-Terminal für verflüssigtes Erdgas verfügt. Als mögliche Standorte für ein solches Terminal sind Brunsbüttel, Stade und Wilhelmshaven im Gespräch. Bremen hätte, was das Thema LNG angeht, bereits weit vorne sein können.

So hatte sich zwar 2014 das Hamburger Unternehmen Bomin Linde von seinem Vorhaben verabschiedet, in Bremerhaven ein LNG-Tanklager zu bauen, aber die Bremer HGM Energy GmbH hatte sich ebenfalls bereits seit zwei Jahren mit diesem Markt befasst. Es gab konkrete Pläne: Zunächst sollte die LNG-Versorgung in Bremen mit einem speziellen Tankwagen gewährleistet sein, bevor 2016 ein Umschlagbetrieb für das verflüssigte Erdgas mittels einer Bunkerstation im Industriehafen zur land- und wasserseitigen Abgabe fertiggestellt werden sollte.

Auch wenn die EU die Pläne und den späteren Bau des Pilotterminals mit insgesamt etwa 2,5 Millionen Euro unterstützt hätte, wurde nichts aus dem Projekt. Weshalb die Bunkerstation damals nicht gebaut wurde, dazu hatte sich das Unternehmen seinerzeit nicht äußern wollen. Allerdings ist HGM Energy im Bereich LNG immer noch aktiv: So versorgt das Unternehmen die Baggerschute „Greenports 1“ von Bremenports mit LNG. Die Betankung erfolgt per Lkw.

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