Chance für Jade-Weser-Port EU sagt Ja zur P3-Allianz

Wilhelmshaven. Nach den Wettbewerbshütern in den USA haben nun auch die Kartellwächter in der EU den Weg für die Allianz der Reedereien Maersk, MSC und CMA CGM frei gemacht. Davon soll auch der Jade-Weser-Port profitieren.
05.06.2014, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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EU sagt Ja zur P3-Allianz
Von Peter Hanuschke

2013 – im ersten vollständigen Betriebsjahr des Jade-Weser-Ports – hatte der einzige deutsche Tiefwasserhafen lediglich 76 000 Standardcontainer (TEU) statt erhoffter 700 000 TEU umgeschlagen. In diesem Jahr sollte der Hafen in Wilhelmshaven richtig durchstarten. Doch das Zustandekommen der geplanten Großallianz P 3 von Maersk Line, MSC und CMA CGM kann sich wohl noch um weitere Monate verzögern, und dadurch werden auch die erwarteten Container-Liniendienste dieser Allianz Wilhelmshaven vorerst nicht wie erhofft ab Herbst anlaufen.

Nach den Wettbewerbshütern in den USA haben nun auch die Kartellwächter in der EU den Weg für die geplante P3-Allianz der Reedereien Maersk, MSC und CMA CGM frei gemacht. Von der Allianz soll auch der Jade-Weser-Port (JWP) in Wilhelmshaven profitieren. Hafenbetreiber Eurogate geht bisher davon aus, dass die P3-Allianz ihren Container-Liniendienst ab Herbst aufnehmen wird – Maersk kann dagegen derzeit nicht einmal sagen, ob das überhaupt zum Winterfahrplan der Fall sein wird.

Diese mögliche weitere zeitliche Verzögerung habe nichts damit zu tun, dass nun noch die Entscheidungen der Kartellwächter in China ausstehen, bestätigte Maersk-Sprecher Marc Assmann am Mittwoch. Vielmehr könnten auch Südkorea oder auch andere asiatische Länder zu der geplanten Allianz ihre Bedenken äußern und so dieses Vorhaben vom zeitlichen Ablauf her beeinträchtigen. Selbst das Bundeskartellamt könne zu den Allianz-Plänen der weltweit drei größten Reedereien noch Stellung beziehen – trotz des Okays der EU-Kommission.

In der Regel würden solch große Deals ausschließlich in Brüssel behandelt, sagte Kay Weidner, Sprecher des Bundeskartellamtes. Da es sich in diesem Fall aber nicht um eine „klassische Firmenübernahme“ handle, könne es durchaus sein, dass auch noch die deutsche Bundeskartellbehörde dazu eingeschaltet werde. Wo die Entscheidungslinie liege, sei schwer zu beantworten, „dafür müsste man die Unterlagen kennen. Es liegt bei uns für ein solches Verfahren aber noch keine formelle Anmeldung der Unternehmen vor.“

Generell könne so ein Verfahren im Idealfall in einem Monat abgearbeitet sein, so Weidner, „wenn von den Marktteilnehmern nachgewiesen werden kann, dass keine wettbewerbsbedenklichen Gründe gegen eine Allianz sprechen.“ Sei das nicht überzeugend, könne das Bundeskartellamt die Prüfung des Vorhabens um drei Monate verlängern und spätestens dann zu einer Entscheidung kommen.

Für Maersk selber wäre eine weitere zeitliche Verzögerung nicht gravierend. Eine spätere Aufnahme des Container-Liniendienstes als bisher geplant werde keine Auswirkungen haben, da Maersk bei der wirtschaftlichen Jahresplanung P3 ohnehin nicht einkalkuliert habe, so Assmann.

Anders die Situation bei Eurogate: Der Hafenlogistiker müsste sich sehnlichst herbeiwünschen, dass die P3-Allianz so schnell wie möglich von allen Kartellbehörden grünes Licht bekommt und ihren Container-Liniendienst aufnimmt, von dem auch der Jade-Weser-Port profitieren soll. Wöchentlich soll der Tiefseehafen jeweils mit einem Containerschiff der 18 000- und der 13 000-TEU-Klasse angelaufen werden. Das wären für den Hafen schon erfreuliche Mengen an Umschlag: Denn der im Herbst 2012 in Betrieb gegangene Jade-Weser-Port hat nach wie vor Anlaufschwierigkeiten: Im ersten vollständigen Betriebsjahr sind 2013 lediglich 76 000 Standardcontainer (TEU) umgeschlagen worden. Geplant war eine Menge von 700 000 TEU.

Eurogate selbst ist von einem Start der P3-Allianz im Herbst ausgegangen, wie das Unternehmen vor zwei Monaten auf der Bilanzpressekonferenz in Bremen klarstellte. Zu einer weiteren zeitlichen Verzögerung wollte Eurogate keine Stellungnahme abgeben. Sprecherin Corinna Romke sagte am Mittwoch lediglich, „dass sich für uns nichts verändern wird“.

Die Verzögerung hat keine konkreten Auswirkungen auf den JWP, heißt es aus dem niedersächsischen Wirtschaftsministerium, das von einem Start der P3-Allianz weiterhin im Herbst ausgeht. Niedersachsen ist neben Bremen Eigentümerland des JWP. „Wir haben natürlich gehofft, dass möglicherweise doch schon im Mai die Entscheidung zugunsten von P3 in China fällt. Im Prinzip mussten wir aber davon ausgehen, dass erst ab Herbst die ersten Schiffe kommen werden“, sagte Sprecherin Sabine Schlemmer-Kaune. „Erfreulicherweise wurde zwischen der Unternehmensleitung des Terminalbetreibers Eurogate in Wilhelmshaven und dem Betriebsrat Ende März ein Standortsicherungstarifvertrag abgeschlossen.“ Dieser laufe noch bis April 2015.

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