Vermögensverwalter aus Hamburg Neues Family Office für reiche Bremer

Bremen habe er lange unterschätzt, sagt John Eulenburg. Nun wagt er sich mit seinem Family Office doch auf den Markt und wirbt um vermögende Bremer. Davon gebe es mehr, als man denkt.
07.09.2020, 05:00
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Neues Family Office für reiche Bremer
Von Stefan Lakeband

Wer mit seinem Geschäft neu in eine Stadt kommt, macht in der Regel Werbung. Sehr viel sogar. Alle sollen wissen: Hier bin ich, das kann ich. John Eulenburg geht den komplett anderen Weg. Seit März hat sein Hamburger Unternehmen auch eine Niederlassung in Bremen. Er sagt: „Wir denken und handeln hanseatisch, daher ist unsere größte Werbung auch das Schild vorne an der Straße.“ Und dieses Schild ist nicht einmal besonders groß – die Firma von Eulenburg aber auch alles andere als alltäglich.

Eulenburg ist ein sogenanntes Family Office. Hinter diesem Begriff verbergen sich Unternehmen, die das Vermögen wohlhabender Menschen verwalten. Manchmal sogar nur für eine einzige Familie. Die Mitglieder der Kaffeedynastie Jacobs haben mit der Jacobs Holding beispielsweise ihr eigenes Family Office. Auch der Media-Markt-Gründer und die Mitglieder der Familie Henkel verwalten ihre Vermögen so. Dem gegenüber stehen Family Offices wie das von John Eulenburg. Sie haben unterschiedliche Mandanten und sind gewissermaßen etwas weniger exklusiv. Ein gewisses Vermögen muss man aber schon mitbringen.

Späte Erkenntnis

Und das, glaubt John Eulenburg, haben in Bremen einige. „Bremen hat eine große Vielfalt an Unternehmen, ist sehr dynamisch“, sagt der Firmengründer heute. Bis er zu dieser Erkenntnis kam, hat es aber etwas gedauert. „Ich habe Bremen lange unterschätzt, aber es ist nie zu spät für einen guten Gedanken.“ Dass er nun doch einen Dependance in der Hansestadt gegründet hat, ist auch den vergangenen Entwicklungen in der Bremer Finanzbranche geschuldet. Viele Banken leiden massiv, werden übernommen. Einst stolze Institute wie die Bremer Landesbank wurden erst von Größeren geschluckt und haben Bremen als Standort dann weitestgehend aufgegeben. „Es ist ein Vakuum entstanden“, sagt Marc Pralle. Er ist seit April dieses Jahres neben Eulenburg Geschäftsführender Gesellschafter und war zuvor 14 Jahre im Wealth Management beim Bankhaus Neelmeyer. Geleitet wird die Bremer Niederlassung von Heiko Henke – auch er hat zuletzt für Neelmeyer gearbeitet. Die Banken, sagen sie, seien zuletzt viel um sich gekreist, der Kunde sei zu kurz gekommen. Das will Eulenburg nun ändern.

Dabei soll aber auch klar sein: Ein Family Office ist keine klassische Bank. „Anders als bei einer Bank steht bei uns am Ende der Beratung nicht ein Produkt, sondern eine Perspektive“, sagt Pralle. Er und seine Kollegen müssen keine Fonds oder Versicherungen verkaufen, um durch Provisionen Geld zu verdienen. Wer zu Eulenburg kommt, zahlt ein Honorar für die Beratung und bekommt dafür Lösungen für Fragestellungen wie: „Wie lege ich mein Vermögen an, um es zu erhalten? Wie baue ich es weiter aus?“, „Wie plane ich den Verkauf meines Unternehmens?“ oder „Wie verwalte ich meine Immobilien?". „Je komplexer ein Vermögen wird“, sagt John Eulenburg, „desto mehr Fragen gibt es.“

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Um eine Antwort zu finden, setzt der Gründer auf eigene Kompetenz. In seiner Firma gebe es Spezialisten für Steuern, Wertpapiere, Immobilien und Rechtsfragen. Hinzu komme ein großes Netzwerk aus Experten, die man hinzuholen könne. Dieses Ich-kenne-wen-der-wen-kennt ist Teil des Geschäfts. „Wir bringen Charaktere zusammen“, sagt Eulenburg. Auch Kunden untereinander, etwa beim gemeinsamen Kochen in der großzügigen Küche in der Bremer Niederlassung oder jährlich auf einem kleinen privaten Weihnachtsmarkt in Hamburg. Und deshalb kann das Family Office auch auf Werbeplakate und Annoncen verzichten. Neue Kunden kämen häufig über Empfehlungen.

In wohl kaum einer Branche ist das Zwischenmenschliche so wichtig wie im Finanzbereich. Schließlich geht es um viel. „Wir wollen unsere Mandanten verstehen“, sagt Pralle. Auch, um zu wissen, was sie möchten. Denn fachlich kompetent zu sein, sei die eine Sache. Menschenkenntnis und Vertrauen die anderen. Letzteres aufzubauen, gehe manchmal schnell – und manchmal brauche es ewig. Eulenburg erinnert sich an einen Unternehmer, mit dem er über Jahre immer wieder gesprochen habe, bis er schließlich dem Family Office vertraut habe. „Wir stehen nicht unter Druck. Bei einigen Mandaten reicht ein Gespräch, um sich kennenzulernen. Wenn wir mehr Zeit brauchen, ist das auch okay.“

„Alle unsere Mandanten denken unternehmerisch“

Auch wenn das Family Office in Bremen mitten in der Pandemie gestartet ist, so habe sich die Dependance wirtschaftlich schon gelohnt. Namen und genaue Zahlen nenne man selbstverständlich nicht. Zum Kundenkreis gehörten aber Unternehmer, Sportler und Führungskräfte. Sie kämen aus unterschiedlichen Richtungen. „Aber sie ticken alle ähnlich“, sagt Eulenburg. Was sie eine sei Neugier, die Fähigkeit zur Selbstreflexion und der Wille, wieder aufzustehen. „Alle unsere Mandanten denken unternehmerisch. Das bedeutet auch, nach Rückschlägen weiterzumachen. Und genau das macht den Austausch spannend.“ Und natürlich verbindet sie auch ein gewisses Vermögen. Wobei: Bei den rund 60 Kunden, die das Family Office betreut, gibt es auch Unterschiede. Laut Eulenburg gibt es Mandanten, deren Vermögen bei 500 000 Euro liegt, bei anderen sind es um die 200 Millionen. Die Summe, die das Family Office verwaltet, gehe in den Milliardenbereich.

Doch es sei nicht nur das Geld, das jemanden zum Kunden des Family Offices mache. Auch auf das Bauchgefühl komme es an. „Es passt nicht jeder zu uns“, sagt John Eulenburg, „aber wir passen wohl auch nicht zu jedem.“

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