Akteure des Jade-Weser-Ports

Eurogate droht Nordfrost-Chef

Eurogate reagiert mit einem offenen Brief auf nach eigenen Angaben vorgebrachte Vorwürfe des Nordfrost-Inhabers Horst Bartels. Beide Unternehmen sind Akteure des Jade-Weser-Ports in Wilhelmshaven.
27.03.2019, 18:50
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Eurogate droht Nordfrost-Chef
Von Peter Hanuschke
Eurogate droht Nordfrost-Chef

Der Tiefkühllogistiker Nordfrost gehört zu den großen Investoren am Jade-Weser-Port und war in den Anfangsjahren des 2012 in Betrieb gegangenen einzigen deutschen Tiefwasserhafen auch das einzige Unternehmen, das dort aktiv war.

Karsten Klama

Zwischen Eurogate, dem Terminalbetreiber am Jade-Weser-Port (JWP) in Wilhelmshaven, und Horst Bartels, Gründer und Inhaber der Nordfrost GmbH, kracht es – zum wiederholten Male: Aktuell sieht Eurogate sich veranlasst, Äußerungen von Bartels einer „rechtlichen Würdigung zu unterziehen“, wie das Unternehmen mit Sitz in Bremen in einem offenen Brief schreibt.

Der Tiefkühllogistiker Nordfrost gehört zu den großen Investoren am Jade-Weser-Port und war in den Anfangsjahren des 2012 in Betrieb gegangenen einzigen deutschen Tiefwasserhafen auch das einzige Unternehmen, das dort aktiv war. Bis Ende 2020 will Nordfrost nach eigenen Angaben 100 Millionen Euro investieren. Genau die Summe, die das Unternehmen bereits in den Bau unter anderem großer Kühl- und Tiefkühllager gesteckt hatte. Mehrfach hatte Bartels in den vergangenen Wochen und Monaten die Befürchtung geäußert, dass Eurogate aus seiner Sicht zusätzlich benötigte Containerbrücken nicht rechtzeitig bauen wird.

Wachstum soll fortgesetzt werden

Auf diese Vorwürfe reagiert Eurogate nun mit einem offenen Brief an den Unternehmer. „Seit einem knappen Jahr erzählen Sie den Menschen, Eurogate würde die Zukunft des Standortes gefährden, wenn wir nicht augenblicklich in acht weitere Containerbrücken investierten“, heißt es in dem Brief. Und weiter: „Sie begründen das mit einer Wachstumgsprognose im Containerumschlag, deren Ursprung wir nicht kennen. Ihre Container sind es jedenfalls nicht, die uns in Wilhelmshaven im Jahr 2020 auf über eine Million Standardcontainer (TEU) katapultieren könnten.“

Im vergangenen Jahr gab es am Eurogate-Terminal einen Umschlag von 650 000 TEU. Das entsprach einem Zuwachs von 18,3 Prozent und bedeutete im dritten Jahr in Folge ein zweistelliges Wachstum. 2013 – im ersten vollständigen Betriebsjahr des Jade-Weser-Ports – gab es nur einen Umschlag von 76 000 TEU. Geplant war von den am Gemeinschaftsprojekt beteiligten Ländern Bremen und Niedersachsen allerdings schon damals ein Umschlag von 700 000 TEU. Ausgelegt ist der Hafen sogar für eine Kapazität von 2,7 Millionen TEU. Derzeit gibt es acht Containerbrücken, die zur Abfertigung der Schiffe bereitstehen. Nach der ursprünglichen Planung sollten es eigentlich 16 sein.

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Das Wachstum der vergangenen drei Jahre will Eurogate fortsetzen. „Aber selbst wenn wir ein Wachstum von 25 Prozent pro Jahr erreichten und Ende 2020 auf einen Gesamtumschalg von einer Million TEU kämen, so wären das Terminal und die aktuell eingesetzten acht Brücken noch immer nicht vollständig ausgelastet“, stellt der Betreiber klar.

Eurogate weist in dem Brief darauf hin, dass die Anzahl der Brücken für andere Kunden nie ein Grund zur Beschwerde gewesen sei. Bartels male in diesem Zusammenhang schwarz. „Ihre Beweggründe dafür sind uns nicht bekannt. Aber Sie beurteilen dabei Prozesse und Entscheidungen, für die Sie nicht zuständig sind und für die Sie auch – bei allem Respekt – keine nennenswerten Erfahrungen vorweisen können.“ Bartels nehme die Rufschädigung, die durch seine Äußerungen für Eurogate entstehe, bewusst in Kauf.

"Der Jade-Weser-Port gehört nicht Ihnen allein"

In dem Schreiben fordert Eurogate Bartels auf, seinen „absurden Feldzug“ zu beenden. „Kehren Sie auf den Boden der Tatsachen zurück. Der Jade-Weser-Port ist auf einem guten Wachstumskurs, den wir alle begrüßen und fortsetzen wollen. Aber dafür müssen alle Beteiligten zunächst im eigenen Zuständigkeitsbereich die Voraussetzungen schaffen.“ Es gebe am JWP, wie in jedem anderen Hafen der Welt, gleichwertige Partner, die gemeinsam an der Zukunft des Standortes arbeiteten und Erfolg und Misserfolg teilten. „Der Jade-Weser-Port gehört nicht Ihnen (Bartels, Anm. d. Red.) allein.“

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Dass Bartels mit der Entwicklung am JWP nicht zufrieden ist, hatte sich in der Vergangenheit schon an anderer Stelle gezeigt: 2014 ging Nordfrost gerichtlich gegen gegen die landeseigene Jade-Weser-Port Logistic Zone GmbH wegen des schleppenden Umschlags im Jahr 2013 vor. Grund war die 720 000 Euro teure jährliche Erbpacht für das Grundstück, auf dem sich Nordfrost am JWP angesiedelt hatte. Die Erbpacht sei ohne laufenden Hafenbetrieb zu hoch, sagte damals Bartels. Der Betrag sei nur bei stärkerem Hafenbetrieb gerechtfertigt.

Außerdem hatte das Unternehmen eine mögliche Klage gegen Eurogate angekündigt. Denn das Umschlagsvolumen sei weit von den für das erste Betriebsjahr zugesagten 700 000 TEU entfernt. Stattdessen müsse Nordfrost Container-Ladungen aus Bremerhaven abholen. Pro Container koste dies das Unternehmen 200 Euro mehr. Zu dieser Klage ist es nicht gekommen. Was die Erbpacht angeht, habe man einen Weg gefunden, teilte das Unternehmen aktuell auf Nachfrage des WESER-KURIER mit. Eine Stellungnahme zum offenen Brief werde in den nächsten Tage erfolgen.

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