Bundeswehr will Vertrag verlängern

Neue Hoffnung für die Bremer Pilotenschule

Die Bundeswehr will den zum Jahresende auslaufenden Ausbildungsvertrag am Bremer Standort der European Flight Academy verlängern. Warum sich das positiv auf die gesamte Verkehrsfliegerschule auswirken kann.
26.09.2020, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Neue Hoffnung für die Bremer Pilotenschule
Von Peter Hanuschke
Neue Hoffnung für die Bremer Pilotenschule

Die Bremer Verkehrsfliegerschule, die seit 2017 zur European Flight Academy gehört, gibt es seit 1954.

Karsten Klama

Die Chancen für den Fortbestand der European Flight Academy (EFA) in Bremen könnten steigen. Die Bundeswehr beabsichtigt, ihren Vertrag, der Ende dieses Jahres ausläuft, zu verlängern. Die Bundeswehr lässt in der Bremer Flugschule unter anderem ihre angehenden Transportflugzeugführer für den A400M ausbilden.

Vom EFA-Standort Rostock-Laage ist in diesem Zusammenhang keine Rede. Die Gewerkschaft Verdi und die Vereinigung Cockpit waren jedoch davon überzeugt, dass die Bundeswehr dorthin ihre Ausbildung verlagern würde. Doch wie die EFA in Zukunft aufgestellt sein wird, hängt vor allem auch davon ab, in welchem Umfang die Lufthansa selber dort ihre Piloten weiter ausbilden lässt.

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Das Verteidigungsministerium hatte der Darstellung von Verdi und Cockpit bereits vor vier Wochen widersprochen: Über eine Verlagerung nach Rostock lägen keine Erkenntnisse vor, hieß es. Auch das Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr (BAAINBw) bestätigte das in dieser Woche auf Nachfrage des WESER-KURIER: Da der derzeitige Vertrag zur Leistungserbringung zum Jahresende auslaufe, finde derzeit eine neue Ausschreibung statt. „In der aktuellen Ausschreibung werden Bremen und Goodyear als Orte der Leistungserbringung angegeben“, teilt das BAAINBw mit. Das vorgelegte Angebot werde derzeit ausgewertet.

Neben Bremen gehörte zur Pilotenausbildung auch schon bislang der EFA-Standort Goodyear in den USA. Derzeit werden 36 Trainingsteilnehmer in Bremen und zwölf in Goodyear ausgebildet. „Die Bundeswehr bildet alle Transportflugzeugführer, dazu gehören auch die Luftfahrzeugführer unbemannter fliegender Systeme, bei der Lufthansaschule in Bremen aus“, so das BAAINBw.

Keine Verknüpfung mit der Bundeswehr-Thematik

„Es ist korrekt, dass unsere Ausbildungsvereinbarung mit der Bundeswehr ausläuft und wir uns um die Neuvergabe bemühen“, so Dirk Sturny, Sprecher von Lufthansa Aviation Training (LAT), die unter der Marke EFA seit 2017 alle Flugschulen der Lufthansa-Gruppe unter einem Dach vereint. „In diesem Zusammenhang möchten wir gerne richtigstellen, dass bei der Frage nach einer möglichen Restrukturierung unserer Flugschulen keine Verknüpfung mit der Bundeswehr-Thematik besteht. Die Spekulationen dahingehend sind uns bekannt, aber nicht zutreffend.“

Wenn die Bundeswehr sich weiterhin für Bremen entscheide, sei das auf jeden Fall positiv, sagt Peter Hahn, Fluglehrer bei der EFA und Personalvertreter. „Das bedeutet eine gewisse Sicherheit für die Belegschaft.“ Allerdings sei die Lufthansa Group insgesamt dabei, sich von der Struktur her neuaufzustellen.

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Wie sich der Bedarf an Personal und Fluggeräten aufgrund der Einschränkungen im Flugverkehr durch die Corona-Pandemie mittel- und langfristig entwickeln werde, sei nicht verlässlich einzuschätzen, so Hahn. Insofern sei es auch schwierig, den Bedarf an Piloten vorauszusagen. Dass die Lufthansa Group in ihrem Umstrukturierungsprozess auch die drei EFA-Standorte Bremen, Rostock-Laage und Zürich in der Schweiz einbeziehe, sei aus unternehmerischer Sicht nachvollziehbar. „Wenn die Bundeswehr in Bremen bleibt, wird das aber mit in die Betrachtung und Bewertung der Standorte einfließen.“ Schließlich sei die Bundeswehr ein verlässlicher und langfristiger Kunde. „Die Bundeswehr könnte letztlich das Zünglein an der Waage sein.“

„Wir prüfen derzeit alle EFA-Standorte dahingehend, um sie zukunftsfähig auszurichten“, heißt es von LAT.  Die Corona-Pandemie habe einen immensen Einfluss auf den Pilotenbedarf der Lufthansa Konzernairlines, der vor der Krise ein anderer war.  „Neben der weiterhin zu bewertenden Ansteckungswelle sind weitere Schritte auch abhängig von den anstehenden Restrukturierungsmaßnahmen innerhalb der Lufthansa Group, die operationelle Anpassungen auch für die EFA-Flugschulen bedeuten.“

900 Piloten zu viel

Nach wie vor gilt für alle EFA-Flugschüler eine Trainingspause bis 31. Dezember. Etwa 800 Flugschüler sind aktuell in einer Ausbildung bei der EFA und von den Auswirkungen betroffen. Etwa 50 sind derzeit in Bremen. Die EFA bildet den Pilotennachwuchs für sämtliche Airlines der Lufthansa-Gruppe aus. Wie viele der Flugschüler später einmal als Pilot im Cockpit sitzen, ist derzeit offen. So hat beispielsweise die Lufthansa nach eigenen Angaben 900 Piloten zu viel.

Für den Bremer Standort hat sich auch die Politik in den vergangenen Wochen starkgemacht. So hatte die SPD-Bundestagsabgeordnete Sarah Ryglewski angeführt, dass sie erwarte, dass sich die Bundeswehr zur Flugausbildung in Bremen und damit zu guten Arbeitsbedingungen bekenne. Das habe sie auch in einem Schreiben an Bundesverteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) deutlich gemacht.

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