Energieversorger EWE

EWE nun auch mit Personalvorstand

Marion Rövekamp von der DB Regio vervollständigt den Vorstand beim Energieversorger EWE. Die Klitschko-Affäre um den Ex-Vorstandsvorsitzenden Matthias Brückmann ist allerdings noch nicht ausgestanden.
11.12.2017, 19:57
Lesedauer: 3 Min
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EWE nun auch mit Personalvorstand
Von Florian Schwiegershausen

Die Zeit der verwaisten Vorstandsbüros bei der EWE-Konzernzentrale in Oldenburg in der Tirpitzstraße hat nun ein Ende. Denn der Energieversorger, zu dem die Bremer SWB gehört, hat seine Vorstandsriege endlich wieder komplett. Auf der Suche nach einem Personalvorstand ist das Unternehmen bei der Deutschen Bahn fündig geworden. Marion Rövekamp ist dort momentan noch bei der Bahn-Tochter DB Regio als Personalvorstand tätig. Sie wechselt spätestens zum 1. Juli 2018 nach Oldenburg.

Bei der DB Regio hatte die 56-Jährige in der Vergangenheit durch ihre Strategie von sich Reden gemacht, gezielt alleinerziehende Mütter für einen Job bei der der Deutschen Bahn zu gewinnen – gern als Lokführerin. So kaufte die DB Regio in München Kita-Betreuungsplätze ein, die den neuen Mitarbeiterinnen für deren Kinder angeboten werden sollten. Außerdem sollten die Schichtpläne so ausgearbeitet werden, dass Job und Kinder vereinbar sind.

Mehr als 100 neue Mitarbeiter gesucht

Das geschah auch aus der Not heraus, dass es die Bahn schwierig hat, Mitarbeiter in Regionen zu finden, in denen de facto Vollbeschäftigung herrscht. Welche Ideen Rövekamp nach Oldenburg mitbringt? Im Weser-Ems-Gebiet, dem Kerngebiet der EWE, herrscht in vielen Ecken zwar keine Vollbeschäftigung, doch derzeit sucht der Konzern auf den Stellenausschreibungen auf der Homepage nach mehr als 100 neuen Mitarbeitern.

Der Job von Marion Rövekamp war der letzte vakante Posten im EWE-Vorstand. Bereits seit September stand fest, dass der bisherige Vattenfall-Manager Stefan Dohler neuer Vorstandsvorsitzender von EWE wird. Der gebürtige Hamburger fängt bereits zum 12. Januar an. Anfangs war noch vom 1. April die Rede.

Und Urban Keussen soll zum 1. März als Technikvorstand beginnen. Momentan ist er noch stellvertretender Vorstandsvorsitzender des niederländischen Übertragungsnetzbetreibers Tennet und gleichzeitig Vorsitzender der Geschäftsführung bei der deutschen Tochtergesellschaft des Unternehmens.

"Gefühlter Weltkonzern"

Die verbliebenen Mitglieder der Führungsriege, Finanzvorstand Wolfgang Mücher und Vertriebsvorstand Michael Heidkamp, können sich nun wieder auf ihre eigentlichen Aufgaben konzentrieren. Es sah schon etwas leer aus vorne im Konferenzraum, als sie Ende April nur zu zweit die Jahresbilanz des Energiekonzerns präsentierten.

Zu dem Zeitpunkt war auch Heidkamp angezählt – um einen Begriff aus dem Boxer-Vokabular zu benutzen. Denn er leistete die notwendige Zweitunterschrift für die unrechtmäßige Spende in Höhe von 253 000 Euro, die der entlassene EWE-Vorstandsvorsitzende Matthias Brückmann an die Klitschko-Stiftung überweisen lies.

Über diese Episode machte so mancher Sprüche und lästerte. Radio-ffn-Comedian Dietmar Wischmeyer witzelte danach in seiner Paraderolle als „Günther, der Treckerfahrer“ über die EWE als die „Britzelbude von der Hunte“ und über den „gefühlten Weltkonzern“ aus Oldenburg. Denn gerade vor der Spende hatte sich das Unternehmen neue Compliance-Regeln auferlegt – also Regeln, nach denen das Unternehmen handeln soll.

Genug zu tun für die neue Vorstandsriege

Und das betraf auch das Spendenaufkommen des Energiekonzerns. Diese Episode kann EWE aber noch nicht beiseitelegen. Denn im Januar wird das Landgericht in Oldenburg darüber verhandeln, ob denn die Entlassung des ehemaligen EWE-Vorstandschefs rechtens gewesen ist.

Damit die neuen Vorstandsentscheidungen bei EWE getroffen werden konnten, musste zuvor auch der Aufsichtsrat neu sortiert werden. Bis Ende Mai war dort Stephan-Andreas Kaulvers, der ehemalige Chef der Bremer Landesbank, der Vorsitzende. Er wurde ersetzt durch Bernhard Bramlage, den früheren Landrat des Kreises Leer in Ostfriesland. Erst nach dieser Personalie konnte der Aufsichtsrat nach Kandidaten für die verwaisten Vorstandsposten suchen.

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Für die neue Vorstandsriege gibt es genug zu tun. So hat EWE zusammen mit der Deutschen Telekom ein Unternehmen gegründet. Wie „faz.net“ berichtete, soll die neue Firma mehr als eine Million Haushalte mit Glasfaserleitungen versorgen. So sollen Internetgeschwindigkeiten von einem Gigabit auch in der Region möglich sein. Dann geht es um den Netzausbau, um den in der Nordsee gewonnen Offshore-Strom zu speichern und in den Süden zu transportieren.

Gerade mit diesem Feld hatte der neue Technikvorstand Urban Keussen auch schon beim Netzbetreiber Tennet zu tun. Weiterhin gilt es, die Compliance-Regeln des Unternehmens so umzusetzen, wie es auch die Empfehlung aus dem Untersuchungsbericht der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG nahelegte – damit Dietmar Wischmeyer nicht auch 2018 über die EWE lästern kann.

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