Arbeitsmarkt

Fachkräftemangel spitzt sich zu

Der Nordwesten liegt bei den Arbeitslosenzahlen exakt im Bundestrend. Wie bundesweit sank die Quote um 0,1 Prozentpunkte. In Niedersachsen wurde ein neuer Tiefststand erreicht.
29.06.2018, 17:01
Lesedauer: 3 Min
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Fachkräftemangel spitzt sich zu
Von Stefan Lakeband
Fachkräftemangel spitzt sich zu

Vor allem im Gesundheitswesen sind viele Jobs in Bremen frei. Eine Reform der Ausbildung soll die Probleme lindern und den Beruf attraktiver machen.

dpa

Bremen. Es klingt wie eine gute Nachricht: 7800 Stellen im Bezirk der Arbeitsagentur Bremen-Bremerhaven sind offen – so viele wie noch nie. Doch bei genauer Betrachtung verbirgt sich hinter dem Rekord ein Problem. Und die Lage hat sich in den vergangenen Monaten immer weiter zugespitzt.

Die Zahl der unbesetzten Stellen ist zuletzt stetig gestiegen, weil es Unternehmen immer schwerer fällt, Fachkräfte zu finden. Firmen müssen nun länger suchen, bis sie einen geeigneten Kandidaten haben. Gleichzeitig kommen immer neue offene Jobs hinzu. Die Zahl wächst also. „Mit 7800 Stellen ist der Bestand schon sehr hoch“, sagt Armin Zubrägel, Geschäftsführer der Agentur für Arbeit Bremen-Bremerhaven, am Freitag.

Betroffen sind davon fast alle Branchen. Mit am meisten offene Stellen gibt es in der Leiharbeit; im Handel sind es 799. Auch in der Gesundheits- und Pflegebranche fällt es Unternehmen sehr schwer, offene Positionen zu besetzen. Hier waren im Juni 608 Stellen zu vergeben. Ein Jahr zuvor waren es 568.

Vor allem Jobs in der Pflege stehen seit längerer Zeit in der Kritik. Für viele gelten sie als nicht sonderlich attraktiv; der Job ist körperlich belastend, gearbeitet werden muss auch am Wochenende, die Bezahlung ist vielen zu gering. Um mehr Menschen dennoch für den Job des Pflegers oder der Pflegerin zu begeistern, hat die Bundesregierung bereits in der vergangenen Legislaturperiode eine Pflegereform beschlossen. So sollen Pflegekräfte für kranke Kinder, kranke Erwachsene und alte Menschen künftig in den ersten beiden Jahren eine gemeinsame Ausbildung absolvieren. Zudem müssen Auszubildende in der Pflege kein Schulgeld mehr bezahlen, sondern bekommen eine Ausbildungsvergütung.

Für Bewerber hat die hohe Zahl an offenen Stellen einen positiven Effekt. „Dadurch bieten sich gute Chancen auf dem Arbeitsmarkt“, sagt Zubrägel. Denn gerade in den Sommermonaten beendeten viele junge Leute ihre Lehre. Sie hätten es nun leichter, einen Anschlussvertrag zu finden.

Wer jedoch gerade erst mit der Schule fertig geworden ist, sollte nun die Zeit nutzen, um einen Ausbildungsplatz zu finden, rät Zubrägel. „Wir sind in der heißen Phase.“ Aktuell seien noch 1700 unbesetzte Lehrstellen in Bremen und Bremerhaven bei der Arbeitsagentur gemeldet, darunter besonders viele im Einzelhandel. Gesucht würden auch Berufskraftfahrer und Bankkaufleute. „Das Spektrum ist sehr groß.“ Den offenen Stellen stehen aktuell noch mehr als 2000 Bewerber gegenüber, die nach Daten der Arbeitsagentur bislang keine Ausbildung haben.

Gleichzeitig weist Zubrägel darauf hin, dass im Juni die Zahl der Menschen ohne Arbeit gesunken ist. Die Arbeitslosenquote für das Land Bremen lag bei 9,7 Prozent. Ein Jahr zuvor waren es noch 10,2 Prozent. Dieser Trend spiegele sich auch in den Zahlen für Bremen und Bremerhaven wider. Die Arbeitslosenquote in den beiden Städten sank auf 9,2 (-0,4 Prozentpunkte) beziehungsweise 12,5 (-0,5 Prozentpunkte) Prozent. „Hier hat sich die anhaltend positive konjunkturelle Entwicklung auf den Arbeitsmarkt ausgewirkt“, sagt der Geschäftsführer der Agentur für Arbeit. Ein Zeichen dafür sei auch die Zahl der Unterbeschäftigten: Sie sank auf 52 065. Als unterbeschäftigt gelten Menschen, die bei der Agentur für Arbeit gemeldet sind, aber nicht als arbeitslos gewertet werden, etwa weil sie eine Weiterbildungsmaßnahme machen.

Ähnlich positiv sieht es auch in Niedersachsen aus. Hier sank die Arbeitslosenquote für Juni im Vergleich zum Vorjahr von 5,6 auf 5,1 Prozent. Gleiches im Bund: Die Arbeitslosenquote lag im Juni bei fünf Prozent. Am Freitag prognostizierte der Vorstandschefs der Bundesagentur für Arbeit, Detlef Scheele, zudem, dass sich der Arbeitsmarkt weiter entspannen werde – und der Anteil der Menschen ohne Arbeit im Herbst auf unter fünf Prozent fallen könnte. Der Arbeitsmarkt sei "so von der Sonne beschienen, dass man sich kaum etwas Besseres vorstellen kann".

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