In diesem Ranking hält die Hansestadt gut mit Viele große Familienunternehmen in Bremen

Von den 1000 umsatzstärksten deutschen Familienunternehmen sind 19 in Bremen angesiedelt. Damit belegt Bremen laut dem Informationsnetzwerk Die Deutsche Wirtschaft Rang vier im Städtevergleich.
24.04.2021, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Viele große Familienunternehmen in Bremen
Von Peter Hanuschke

Bremen bietet offenbar ein gutes Umfeld für Familienunternehmen, besonders für die mit viel Umsatz: Denn von den 1000 umsatzstärksten Unternehmen in Familienhand in Deutschland sind 19 in Bremen angesiedelt. Das geht aus einer Analyse des Informationsnetzwerks Die Deutsche Wirtschaft (DDW) hervor. Im dazugehörigen DDW-Ranking der 100 Städte mit den meisten dieser Top-Familienunternehmen belegt Bremen damit Rang vier.

Spitzenreiter in diesem Ranking ist Hamburg mit 59 Unternehmen, gefolgt von München mit 32 und Düsseldorf mit 21 Unternehmen. Die bestplatzierteste niedersächsische Stadt ist Osnabrück, dort sind neun der 1000 umsatzstärksten deutschen Unternehmen angesiedelt, was Rang zehn bedeutet. Auf Position 21 findet sich Hannover wieder, Braunschweig belegt Platz 23. Jeweils fünf der Top-1000-Unternehmen haben ihren Hauptsitz dort.

Aus Tradition heraus eine Kaufmannsstadt

„Mich wundert das nicht, dass Bremen so weit vorne platziert ist“, sagt Michael Kleine, Mitglied des Bremer Landesvorstands des Verbands „Die Familienunternehmer“, der bundesweit organisiert ist. „Bremen ist einfach ein toller Wirtschaftsstandort.“ Bremen sei wie Hamburg aus der Tradition heraus eine Kaufmannsstadt. „Hier hat sich seit der Hanse über Jahrhunderte ein Klima erzeugt, das einfach zum Handel und zur Produktion einlädt, und das ging und geht meistens von familiengeführten Unternehmen aus.“ Darüber hinaus gebe es seit Jahren vor allem auch für wissenschaftsgetriebene Unternehmen ein sehr gutes Umfeld. „Es gibt eine Universität und eine hohe Institutsdichte, die einen sehr guten Austausch zwischen Wirtschaft und Wissenschaft ermöglichen.“

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Und wenn es mal Probleme gebe, sei es meistens durch die kurzen Wege in Bremen schnell möglich, den richtigen Ansprechpartner zu finden, um sie zu lösen, so Kleine. Positiv sei auch die logistische Vielfalt, die Bremen mit seinen Häfen, dem Flughafen und den entsprechenden Unternehmen biete. Fraglich sei nur, ob die Flächen ausreichen, die ansiedlungswillige Unternehmen benötigen oder die vorhandene Betriebe benötigen, um sich eventuell zu vergrößern. „Da hat Bremen gegenüber Flächenländern einfach weniger Spielraum.“

Familienunternehmen gelten in Deutschland als Jobmotoren und als Rückgrat der deutschen Wirtschaft - eine Struktur, die es so in anderen Ländern nicht gibt. Nach Angaben der Stiftung Familienunternehmen sind 90 Prozent aller deutschen Unternehmen familienkontrollierte Unternehmen. Sie erzielen 52 Prozent der Umsätze und stellen zirka 58 Prozent aller sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnisse in Deutschland, die insgesamt bei etwa 34 Millionen liegen.

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In einer Studie hat die Stiftung unter anderem die volkswirtschaftliche Bedeutung der 500 größten Familienunternehmen mit den nicht-familienkontrollierten Dax-Unternehmen verglichen. Demnach haben diese Familienunternehmen im Zeitraum von 2007 bis 2016 kontinuierlich Arbeitsplätze in Deutschland aufgebaut, und zwar stieg deren Beschäftigtenzahl um 23 Prozent auf 2,54 Millionen Beschäftigte. Die 27 nicht-familienkontrollierten Dax-Unternehmen hätten im gleichen Zeitraum eine inländische Steigerung der Beschäftigungszahlen von vier Prozent erreicht.

Die Bundesländer im Vergleich

Beim DDW-Vergleich der Verteilung der Top-1000-Familienunternehmen nach Bundesländern rutscht Bremen als Stadtstaat ab: So beheimatet Nordrhein-Westfalen auf Platz eins insgesamt 258 der Top-Familienunternehmen, gefolgt von Bayern (204) und Baden-Württemberg (203). Niedersachsen belegt mit 97 Unternehmen den vierten Rang. Hamburg kommt auf den fünften Rang. Bremen belegt in diesem Ranking Platz neun hinter Hessen (Platz sechs, 58 Unternehmen), Rheinland-Pfalz (7/37) und Schleswig-Holstein (8/21). Hinter Bremen folgen Berlin (15), Saarland (11), Brandenburg (6), Sachsen (5), Sachsen-Anhalt (4), Thüringen (3) und Mecklenburg-Vorpommern.

Info

Zur Sache

Steueraufkommen der großen Familienunternehmen

Nach Angaben der Stiftung Familienunternehmen lässt sich die volkswirtschaftliche Bedeutung der großen Familienunternehmen auch an ihrem Beitrag zum Ertragsteueraufkommen ablesen. Im Auftrag der Stiftung hat das Ifo-Institut die steuerliche Belastung der 500 größten Familienunternehmen in Deutschland und der nicht-familienkontrollierten Dax-Konzerne verglichen. Danach wird das Ertragsteueraufkommen der 500 größten Familienunternehmen für die 2010 bis 2018 im Inland in absoluten Zahlen auf durchschnittlich zwölf Milliarden Euro pro Jahr geschätzt. Die inländischen Unternehmenssteuerzahlungen der 27 Dax-Konzerne liegen danach im Durchschnitt um 100 Millionen Euro niedriger als die inländischen Unternehmenssteuerzahlungen der Top 500-Familienunternehmen.

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