Bundesweiter Rückgang der Fälle trotz Corona Warum in Krisenzeiten Bremens Schuldnerquote sinkt

Weniger Konsum und ein höheres Sparverhalten: Trotz der Pandemie ist die Zahl der Menschen, die überschuldet sind, in Deutschland gesunken – auch in Bremen. Bremerhaven bleibt aber negativer Spitzenreiter.
10.11.2021, 15:05
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Warum in Krisenzeiten Bremens Schuldnerquote sinkt
Von Lisa Schröder

Die Zahl der überschuldeten Verbraucher in Deutschland nimmt weiter ab, wie der "Schuldneratlas 2021" der Wirtschaftsauskunftei Creditreform zeigt. Die Zahlungsschwierigkeiten betreffen demnach 6,2 Millionen Menschen. Das sind fast 700.000 Fälle weniger als im Vorjahr. Die positive Entwicklung zeigt sich auch in Bremen. Die sogenannte Überschuldungsquote liegt hier jedoch mit knapp 13 Prozent erneut deutlich über dem Bundesschnitt von knapp neun Prozent. Niedersachsen liegt dagegen in etwa bei diesem Wert.

Der Rückgang der Fälle in Deutschland ist historisch. Die Zahl der überschuldeten Privatpersonen sei auf den niedrigsten Wert seit Beginn des Schuldneratlasses im Jahr 2004 gesunken, sagte Verena Dahlke, geschäftsführende Gesellschafterin der Creditreform Bremen, bei der Vorstellung der Zahlen am Mittwoch. Dahlke sprach von einem "sehr schönen Effekt". In Zeiten der Pandemie scheint die Entwicklung zwar paradox. Nach Einschätzung von Dahlke gibt es dafür aber Gründe. Die staatlichen Hilfsmaßnahmen hätten die schlimmsten sozialen Auswirkungen der Pandemie doch noch abgemildert: "Arbeitsplätze konnten gesichert werden." Aufgrund der Unsicherheit hätten Verbraucher zudem Geld gespart oder damit Schulden getilgt.

Im Bundesland Bremen haben umgerechnet 73.200 Menschen finanzielle Schwierigkeiten – davon fast 19.000 in Bremerhaven. Im Vergleich der Bundesländer erreicht Bremen damit erneut den höchsten Wert. Aus Sicht von Peter Dahlke, Geschäftsführer der Creditreform Bremen, zeigt sich hier ein gewisser Stadtstaateneffekt. Schaut man auf die Landeshauptstädte, verzeichnen Schwerin, Magdeburg, Wiesbaden und Saarbrücken dann auch noch höhere Werte als die Stadt Bremen.

Bremerhaven an der Spitzenposition

Bremerhaven bleibt im Ranking aller 401 Städte und Kreise aber die Stadt mit der höchsten Überschuldungsquote – mit fast 20 Prozent. Somit ist nahezu jeder Fünfte in der Seestadt überschuldet. Solch einen hohen Wert erreichen allerdings auch Stadtteile Bremens. Eine Karte zeigt die Unterschiede deutlich: Während die Schuldnerquoten in Schwachhausen, Borgfeld und Arsten deutlich unter fünf Prozent liegen, rangiert der Wert in Oslebshausen, Gröpelingen und der Altstadt bei mehr als 20 Prozent. Hier hat also ebenfalls jeder Fünfte Geldprobleme. "Wir können dadurch soziale Brennpunkte ausmachen", sagte Verena Dahlke zur Auswertung. Von Überschuldung sei zu sprechen, wenn ein Schuldner "die Summe seiner fälligen Zahlungsverpflichtungen auch in absehbarer Zeit nicht begleichen kann und ihm zur Deckung seines Lebensunterhalts weder Vermögen noch Kreditmöglichkeiten zur Verfügung stehen". Die Gesamtausgaben seien also höher als die Einnahmen, bricht Dahlke das Problem herunter.

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Warum es insgesamt einen Rückgang der Fallzahlen gegeben hat – trotz Corona? Peter Dahkle weist bei dieser Frage auch auf die geringeren Konsumanreize hin, weil Geschäfte, Restaurants, Kinos und Clubs länger geschlossen waren und Reisen ebenfalls nicht so leicht möglich. Der Boom im Onlinehandel konnte die Ausfälle durch die Lockdowns für viele Branchen offenbar nicht kompensieren: Der Konsum ging, so zeigen es Zahlen von Creditreform, deutlich zurück und so zeitgleich auch die Überschuldungsfälle.

Wert bei Älteren steigt

Selbst wenn der Trend aktuell positiv ist, Verena Dahlke und Peter Dahlke schließen nicht aus, dass die Schuldnerzahlen künftig wieder steigen. Es seien noch nicht alle Auswirkungen der Pandemie eingepreist. Zudem belasteten etwa zunehmend steigende Energiepreise und Mieten die Verbraucher.

Eine Ausnahme gab es zudem auch: In der Gruppe der 60 bis 69-Jähringen gab es einen Anstieg der Überschuldungsquote. "Bei den älteren Altersgruppen hat man vermehrt gesehen, dass die Rente nicht reicht", sagte Verena Dahlke.

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