Boom bei Brelog

Borkenkäfer beschert Logistikunternehmen Aufträge

Der Borkenkäfer frisst sich im Harz durch ganze Fichtenwälder. Die Bäume werden gefällt und müssen irgendwo hin. Wie das dem Bremer Logistikunternehmen Brelog einen Auftragsboom beschert.
21.08.2020, 05:00
Lesedauer: 5 Min
Zur Merkliste
Borkenkäfer beschert Logistikunternehmen Aufträge
Von Florian Schwiegershausen
Borkenkäfer beschert Logistikunternehmen Aufträge

Sie sind zu Opfern des Borkenkäfers geworden: Diese deutschen Fichten wurden in Container gepackt und werden nun nach China verschifft. Dort werden die Bäume vorwiegend zu Möbeln verarbeitet. Das von dem Insekt befallene Holz stellt auch langsam die Sägewerke in Deutschland vor ein logistisches Problem.

Brelog

Die vergangenen zwei Sommer waren heiß und trocken. Die Folgen davon bedeuten für das Bremer Logistikunternehmen Brelog ordentlich Arbeit. Es verlädt so viel Fichtenholz und andere Rundhölzer wie noch nie zuvor. Und der Borkenkäfer ist daran schuld. Die geschäftsführenden Gesellschafter Arne Lücken und Thorsten Dornia hätten nicht gedacht, dass der Baumschädling so viel Einfluss auf ihr Geschäft nehmen wird. „Aber irgendwo muss das Holz von den befallenen Bäumen ja hin“, sagt Lücken.

Holz habe für das Bremer Logistikunternehmen, das gerade erst sein zehnjähriges Jubiläum gefeiert hat, eine große Bedeutung. Seit knapp fünf Jahren stellt es bei Brelog eine wichtige Säule unter den Geschäftsfeldern dar. Inzwischen gibt es eine eigene Abteilung für diesen Bereich. Zu ihnen gehört Marcel Cäsar. Im Harz oder im Sauerland, aber auch in anderen Wäldern: „Da gibt es Flächen, da steht kein Baum mehr.“ Die Fichten dort wurden alle abgeholzt. Vieles dort sind Monokulturen. Durch die heißen Sommer der letzten zwei Jahre fehlte den Bäumen das Wasser. Dadurch waren sie weniger widerstandsfähig, und der Borkenkäfer konnte sich unter der Rinde einnisten. Die befallenen Fichten werden gefällt. So will man im Wald verhindern, dass die Borkenkäfer auf die gesunden Nachbarbäume überspringen.

Lesen Sie auch

Würde es sich bei den Flächen um Mischwälder handeln, hätte es das Insekt schwieriger. „Die Rinde von der Eiche ist dem Borkenkäfer zu hart. Da geht er nicht durch“, ergänzt Cäsar. Die Logistiker bei Brelog haben sich durch das Geschäft mit dem Holz auch in die Wald-Eigenheiten eingearbeitet: „Wir lernen die botanischen Namen der Bäume und Wissen über alle notwendigen Abwicklungsprozesse für Forstprodukte bestens Bescheid.“

Die Rundhölzer gehen zu 95 Prozent nach China und zu einem kleinen Teil nach Korea. Sie haben eine gute Qualität. Denn das Tier gehe nur in die Rinde, indem es kleine Löcher hineinbohrt, um hinter der Rinde die Eier abzulegen. „Dadurch, dass der Käfer die Rinde zerstört, bekommt der Baum nicht mehr ausreichend Wasser und kann dadurch nicht genug Harz produzieren, um die Borkenkäfer abzuwehren.“ Entsprechend hat Cäsar inzwischen ein Auge dafür entwickelt, welche Bäume befallen sind und welche nicht.

Keine Tiere exportieren

Wenn die Bäume gefällt sind, schaut jemand vom Pflanzenschutzamt oder vom Forstamt nochmals darüber, bevor es in den Container verladen wird. Cäsar erklärt: „Bei der Begutachtung wird untersucht, ob das Holz vor der Verschiffung nochmals behandelt, also begast, werden muss. Zu 99 Prozent ist das inzwischen der Fall.“ Die Begasung der Stämme ist notwendig, damit die Tiere nicht nach China oder in andere Länder eingeschleppt werden.

Durch die riesige Zunahme der Borkenkäfer-Population geht Cäsar davon aus, dass viele Fichten in Deutschland dies nicht überleben werden: „Die Wälder werden es auf alle Fälle schwer haben.“ Durch die Flut an Fichtenhölzern seien die Preise stark gesunken. Brelog lädt neben den Rundhölzern auch Schnitthölzer aller großen Sägewerke deutschlandweit. Es kommt auch zum extremen Export, weil die heimischen Sägewerke bereits jetzt am Kapazitätslimit sind und die zusätzlichen Stämme national einfach nicht mehr verarbeitet werden können.

Lesen Sie auch

Der logistische Prozess ist komplex. Im Wald werden die Bäume per Greifer in die Container geladen. „Die Maschine, die die Fichten fällt, kann diese zum Teil auch direkt in den Container schieben“, weiß Cäsar. Spätestens zwei bis drei Wochen nach Fällung müsse das Holz auch aus dem Wald, damit die Borkenkäfer sich nicht ein neues Zuhause suchen. Es kann passieren, dass an einem Tag bis zu 40 Container an nur einem Ladeort im Wald abtransportiert werden.

Vom Harz, aber auch deutschlandweit gehen die Container dann per Lkw, Bahn oder Binnenschiff zur nächsten Etappe. „Sie werden bei einem Unternehmen 24 Stunden begast und dann nochmals 24 Stunden entlüftet, um die Gaskonzentration entsprechend wieder auf 0,00 ppm, also parts per million, zu bringen.“ Durch die hohen Volumina sind laut Cäsar allein in Hamburg in den letzten drei Jahren drei neue Firmen hinzugekommen, die die Begasung übernehmen können. Brelog selbst hat schon ganze Binnenschiffe nur mit Containern belegt, in dem sich die Stämme befinden, um sie zu den Seehäfen zu schaffen. In einen 40-Fuß-Container passen je nach Größe 19 bis 34 Stämme. Bei Großvolumen kann aber auch ein ganzes konventionelles Seeschiff zum Einsatz kommen.

Mischwälder statt Monokulturen

Laut Nationalpark Harz wurden 2019 mehr als 3030 Hektar vom Borkenkäfer befallen. 2018 waren es 400 Hektar. Seit 2006 werden dafür Luftbilder ausgewertet. Der Harz hat insgesamt eine Fläche von 25.000 Hektar.

Für Brelog und seine 30 Mitarbeiter hat sich das Holzvolumen gegenüber 2019 mehr als verdoppelt. Die Rede ist von mehreren 10.000 Containern in diesem Jahr. Wenn Cäsar mit Kunden wie Holzhändlern und Sägewerken spricht, sagt man ihm, dass das Aufkommen bei Fichtenhölzern noch mindestens drei bis vier Jahre so weitergehen werde. Der Nationalpark Harz reagiert, indem er weg von Monokulturen hin zu Mischwäldern möchte. Im vergangenen Herbst haben die Verantwortlichen rund 400.000 junge Laubbäume pflanzen lassen. Neben Rotbuchen wurden vermehrt auch andere, schnell wachsende Arten in den Boden gebracht. Dadurch solle erreicht werden, dass die Borkenkäfer-Flächen in den Randbereichen des Nationalparks schneller wieder grün werden, sagte Nationalparksprecher Friedhardt Knolle.

Lesen Sie auch

Doch Cäsar sieht für die Forstämter auch ein wirtschaftliches Problem: „Dadurch, dass die Preise für Fichtenholz so sehr im Keller sind, nehmen die Forstämter weniger Geld ein, das ihnen später fehlen kann, um neue Bäume für die Aufforstung zu pflanzen.“ Da brauche es also zusätzliche Mittel. Entsprechend will der Bund dem Land Niedersachsen bis 2023 insgesamt knapp 69 Millionen Euro zur Verfügung stellen. Das Bundesland selbst steuert zusätzlich noch 48 Millionen Euro bei.

In China landen die Bäume zum Großteil in der Möbelverarbeitung, oder sie kommen in die Bauindustrie. Brelog-Geschäftsführer Arne Lücken sagt, dass das für die Reeder auch durch Corona zu einem interessanten Geschäft geworden sei: „Das ist coronaunabhängig, wir haben kontinuierlich gleich hohe Volumina.“ Brelog musste auch keine Kurzarbeit beantragen.

Durch Mundpropaganda weiter empfohlen

Laut Lücken gibt es nicht viele in der Logistik mit Holz. Man kenne sich auch ganz gut untereinander. Cäsar ergänzt: „Es gibt in Deutschland gut acht Spediteure, die da bekannt sind, und wir gehören dazu.“ Sie werden vor allem durch Mundpropaganda weiter empfohlen. „Es haben andere versucht, in den Markt reinzukommen – aber die Komplexität und das Netzwerk werden oft unterschätzt.“

Brelog macht sich in diesem Geschäft für die kommenden Jahre keine Sorgen. Dabei sagt Cäsar realistisch: „Wenn es weiter so bei diesen Dürre-Sommern bleibt, wird es in spätestens drei Jahren eine andere Baumart treffen, die dadurch so in Mitleidenschaft gezogen wird, dass auch diese Bäume Probleme bekommen werden.“

Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+