Ein Modul kommt aus Bremen

Finale Tests für Raumschiff Orion

Das Raumschiff Orion, das Ende 2020 zum Mond und noch weiter fliegen soll, wird in Ohio in der weltweit größten Vakuumkammer den letzten Tests unterzogen. Das Antriebsmodul kommt von Airbus aus Bremen.
25.11.2019, 16:28
Lesedauer: 3 Min
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Finale Tests für Raumschiff Orion
Von Peter Hanuschke

Das US-Raumschiff Orion, für das Airbus Defence and Space (DS) in Bremen im Auftrag der Europäischen Weltraumagentur Esa das Versorgungsmodul gefertigt hat, ist geflogen – allerdings nicht zum Mond oder noch weiter, sondern für weitere Tests eingelagert in einem Flugzeug vom Typ Super-Guppy vom Kennedy Space Center in Florida nach Plum Brook in Ohio. Hier betreibt die amerikanische Raumfahrtbehörde Nasa die weltweit größte Thermal-Vakuumkammer.

Der erste Start – noch ohne Astronauten – ist für Ende 2020 geplant und wird Orion einmal um den Mond herum und mehr als 64 000 Kilometern über den Erdtrabanten hinaus bringen. Bei Airbus DS in Bremen wird bereits am zweiten Orion Service Modul gebaut, das Ende nächsten Jahres an die Nasa ausgeliefert werden soll. Ein Start mit Astronauten zum Mond ist erstmals 2022 geplant. „Es läuft alles nach Plan, es finden in den nächsten Wochen Tests unter Weltraumbedingungen statt und dann warten wir darauf, auf die Rakete geschnallt zu werden“, sagt Oliver Juckenhöfel, Leiter von On-Orbit Services and Exploration bei Airbus DS in Bremen.

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Das erste Europäische Servicemodul (ESM) für das Nasa-Raumschiff wurde vergangenes Jahr im Oktober an die Nasa geliefert. Im Kennedy Space Center wurde das ESM in den vergangenen Monaten mit der Orion-Crewkapsel verbunden, die beim amerikanischen Nasa-Hauptauftragnehmer Lockheed Martin gefertigt wurde. In Absprache mit der amerikanischen Raumfahrtbehörde Nasa und dem amerikanischen Hauptauftragnehmer Lockheed Martin hatte die Esa Airbus DS für einen Festpreis von 390 Millionen Euro mit der Entwicklung und dem Bau des ersten Service-Moduls beauftragt.

Der Vertrag über den Bau des zweiten ESM hat ein Volumen von etwa 200 Millionen Euro. Für das dritte Modul würden, so Juckenhöfel, bereits wichtige Bestandteile wie Triebwerke bestellt. Es müsse für dieses Modul aber noch mit der Esa nachverhandelt werden. Angebote habe Airbus DS auch schon für die Module vier bis neun. Komme es zu diesem Auftrag, dann würde man in Zukunft pro Jahr ein Servicemodul in Bremen bauen. Und das bedeute in der Raumfahrtbranche schon eine industrielle Fertigung, sagt Juckenhöfel.

Das Made-in-Bremen-Modul ist beim Orion-Programm von entscheidender Bedeutung, denn ohne das ESM kann das Raumschiff nicht fliegen: Es ist für Antrieb, Energie und Thermalkontrolle zuständig und soll künftig Astronauten auf ihren Missionen mit Wasser und Sauerstoff versorgen. Orion ist Bestandteil des Artemis-Programms der Nasa, das unter anderem das Lunar Gateway in einem elliptischen Mondorbit vorsieht, das als Basislager für Missionen zur Mondoberfläche und später mal als Sprungbrett zum Mars genutzt werden soll.

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Im Glenn Test Center in Plum Brook wird nun ein Team von Ingenieuren und Technikern von Airbus, der Esa, Lockheed Martin und der Nasa das Raumfahrzeug unter simulierten, extremen Weltraumbedingungen auf Herz und Nieren testen. „Wir werden zeigen, dass die Systeme des Raumfahrzeuges wie geplant funktionieren und gleichzeitig einen sicheren Betrieb für die Astronauten bei zukünftigen Missionen gewährleisten – sowohl am Boden als auch an Bord“, sagt Matthias Gronowski, Chefingenieur für das Europäische Servicemodul.

Zunächst wird es einen 63-tägigen Thermaltest geben. Dabei werden die elektrischen Systeme von Orion unter Vakuumbedingungen eingeschaltet und zu extremen Temperaturen betrieben, um so die Umgebungsbedingungen im Weltraum zu simulieren. Während dieser Phase wird das Raumschiff Temperaturen von minus 115 bis 75 Grad Celsius ausgesetzt sein, um das Verhalten des Raumschiffes im Sonnenlicht beziehungsweise im Schatten im Weltraum zu reproduzieren.

Die zweite Phase ist ein elektromagnetischer Störungs- und Verträglichkeitstest, der etwa 14 Tage dauert. Jede elektronische Komponente gibt eine Art elektromagnetisches Feld ab, das die Leistung anderer Elektronik in der Nähe beeinträchtigen kann. Diese Tests stellen sicher, dass die Elektronik des Raumschiffs bei gleichzeitigem Betrieb einwandfrei funktioniert.

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„Dies ist ein sehr wichtiger Meilenstein für die Reise zum Mond“, erklärt ESM-Chefingenieur Gronowski. „Seit drei Jahren arbeitet das internationale Team auf diesen Punkt hin, in den letzten Monaten haben wir das Crew Modul und das Europäische Service Modul im Kennedy Space Center mechanisch und elektrisch verbunden. Nun kommt es darauf an, dass wir zeigen können, dass das Service Modul unter den extremen Bedingungen des Weltraums funktioniert.“

„Ich beglückwünsche das ganze Team dazu, dass wir es bis zu diesem Punkt gebracht haben“, freut sich Valerie Cazes, Airbus Programmleiterin für das ESM. „Dies war nur mit sehr hohem Einsatz, Liebe zum Detail und viel Leidenschaft machbar. Nun wünsche ich allen Beteiligten gutes Gelingen für die kommenden, entscheidenden Monate.“ Nach erfolgreichen Tests wird Orion zum Kennedy Space Center der Nasa zurückkehren, wo weitere Tests und die Vorbereitungen zur Integration mit der neuen Space-Launch-System-Rakete (SLS) vor dem Start von Artemis I Ende 2020 anstehen.

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